Wie dir KI den Durchbruch in der Biodiversitäts-Strategie ermöglicht! Mit Bestseller-Autorin Frauke Fischer. #97

Shownotes

Das war selbst dem britischen MI6 zu heiß: Biodiversität ist eines der kniffeligsten Themen unserer Zeit. Eine jüngste Analyse dazu wurde hastig wieder vergraben. Doch nun könnten KI-Modelle Unternehmen endlich dabei helfen, finanzierbare Biodiversitätsmaßnahmen in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren. In einer rasanten Folge erklärt die preisgekrönte Expertin für Biodiversität und Bestseller-Autorin Frauke Fischer Podcast-Host Zackes, warum Ansätze wie das "Internet der Tiere" einen absoluten Durchbruch bedeuten. Nach dieser Folge weißt du:

✅ Wie KI helfen kann, gefährdete Ökosysteme und Arten wirklich zu schützen. ✅ Warum deutsche Unternehmen von Biodiversität abhängig sind - oft ohne es zu wissen. ✅ Welche konkreten Business-Cases gerade entstehen, z.B. durch das „Internet der Tiere“, KI-gestützte Frühwarnsysteme oder smarte Biodiversitätszertifikate.

Frauke gibt wertvolle Anregungen für deine Biodiversitätsstrategie anhand von Unternehmen wie Jägermeister und Goldbeck oder Ansätzen wie denen der Landbanking Group. Nebenbei sammelst du faszinierendes Wissen über die Verbindung von Natur und Technologie, das du garantiert noch nicht auf dem Schirm hattest.

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SHOWNOTES:

Frauke Fischer ist preisgekrönte Biodiversitätsexpertin und Bestseller-Autorin. Gerade ist ihr aktuelles Buch erschienen "Kann KI die Natur retten?". Darüber hinaus hat sie mit der Agentur Auf! einst Deutschlands erste Unternehmensberatung für Biodiversität gegründet. Und mit Péro Puro hat sie selbst ein Schokoladenunternehmen gegründet, das auf Agroforstsysteme setzt.

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🎧 Fraukes Podcast "tierisch!" : https://open.spotify.com/show/6uuFVE5FMjGvs9kt55n5Ov

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Zackes Brustik: Also der erste wichtige Tipp ist, dass man eigentlich auf Biodiversität und Ökosystemleistungen gucken muss. Bei der Frage des Klimawandels geht es darum, wie leben wir in Zukunft? Bei der Frage des Verlusts von Biodiversität geht es um die Frage: Leben wir in Zukunft? Und bevor wir aussterben, werden natürlich unsere Wirtschaftssysteme und, und unsere Gesellschaftssysteme kollabieren. Und wir sind, wie wir ja aus diesem UK-Bericht da hören, gar nicht mehr so weit davon entfernt. Das heißt, Was wirklich super wichtig ist, ist erstmal zu verstehen, was ist das denn überhaupt für ein Thema? Also warum ist denn das so wichtig? Dann auf Unternehmensebene zu gucken, wo hängt mein Unternehmen von Biodiversität und Ökosystemleistung ab und wie wirkt mein Unternehmen da drauf? Weil erst wenn ich das erkenne, wenn ich das weiß, kann ich ja strategisch die richtigen Entscheidungen treffen.

Zackes Brustik: Zum Anfang dieser Folge muss ich gleich etwas beichten. Ich bin bei knapp 100 Folgen und ich habe mal geschaut, wie viel davon widmen sich dezidiert dem Thema Biodiversität und ich bin gerade mal auf traurige vier Folgen gekommen. Das ist natürlich viel zu wenig, aber ich befürchte, ich bin damit nicht alleine. Wir alle wissen, wie brenzlig es um das Thema steht, aber meistens ducken sich alle auch ganz schnell weg, wenn es auf den Tisch kommt. Viel zu überwältigend wirkt es und viel zu knifflig die Frage, wie wir das nachhaltig in unsere Geschäftsmodelle integrieren. Höchste Zeit, das zu ändern und vor allem auch zu liefern und zu schauen, was gibt es an Lösungen da draußen, die uns helfen könnten, hier wirklich endlich mal einen großen Schritt voranzukommen? Ist KI und sind vor allem Large Language Models der große Hebel, der uns endlich zum Durchbruch verhilft? Wie könnt ihr mit eurer Organisation aus Deutschland heraus auf das Thema Biodiversität einzahlen? Und was gibt es noch so an spannenden Fakten, die ihr vielleicht noch nie gehört habt? Um all das zu beantworten, habe ich niemand anderen zu Gast als Frauke Fischer, eine preisgekrönte und renommierte Biodiversitätsforscherin aus Deutschland, außerdem auch Bestsellerautorin von Büchern wie "Wal macht Wetter" oder "Was hat die Mücke für uns je getan?" Und jetzt kann KI die Natur retten. Darüber hinaus kennt sie nicht nur die Wissenschaften des Schreibens, sondern vor allem auch die Praxis. Sie hat selbst ein Unternehmen gegründet, was Kakao in Agroforstsystemen produziert, und hat vor langer Zeit schon Deutschlands erste Unternehmensberatung für das Thema Biodiversität gegründet. Ich kann euch garantieren, diese Folge wird ein absolut munterer Ritt durch das Thema mit Fakten, die ihr wahrscheinlich so noch gar nicht gehört habt, und sie gibt uns auch einen Einblick in die Zusammenarbeit mit zum Beispiel Unternehmen wie Jägermeister oder das Bauunternehmen Goldbeck. Also freut euch auf diese 60 Minuten und damit herzlich willkommen bei Gewinne Zukunft, dem Nachhaltigkeits-Podcast der Pioniere und Professionals. Mein Name ist Zackes, ich freue mich enorm, dass ihr mit an Bord seid. Wie immer natürlich schnell die Glocke drücken, abonniert diesen Podcast in eurer App, das hilft mir enorm, wirklich jeden zweiten Dienstag immer eine coole Folge liefern zu können, und abonniert auch meinen Newsletter. Anscheinend habe ich mit 60 bis 80% eine extrem hohe Öffnungsquote, also irgendwas scheinen die Leute daran wirklich zu feiern. Wenn ihr nachschauen wollt, was Was genau? zackes.com/newsletter, zackes.com/newsletter, dann seid ihr ebenfalls mit dabei. Los geht's! Frauke, richtig schön, dich dabei zu haben. Du warst die erste Folge zum Thema Biodiversität, die ich hatte. Das ist nämlich die Nummer 20. Danach folgten dann aber wirklich viel zu wenige. Höchste Zeit, das nachzuholen, oder?

Frauke Fischer: Unbedingt. Und deswegen freue ich mich natürlich sehr, heute hier zu sein.

Zackes Brustik: Das ist schon so eine heiße Kartoffel, oder? Demnächst ging doch auch wieder so rum, dass irgendwie in UK tatsächlich MI6 und MI5, also eigentlich Agenturen, die nichts mit Nachhaltigkeit zu tun haben, sondern da geht es um geopolitische Themen und was macht Russland, wann marschiert es in UK ein und dergleichen, die haben einen Report rausgebracht, 14 Seiten, und der hat es richtig in sich. Der wurde da mal ganz schnell irgendwie weitergeworfen. Also warum ist dieses Thema so brenzlig, dass jeder es auf dem Schirm hat und jeder sich sofort wegduckt?

Frauke Fischer: Also genau, vielleicht noch mal kurz zu diesem Bericht. Also die britische Regierung hat einen Bericht veröffentlicht. Ja, vielleicht hat man ja da fast ein bisschen Druck gemacht. Ich glaube, der— wenn ich das richtig in Erinnerung habe, war der Bericht eigentlich irgendwie schon im Herbst fertig, ist aber erst vor 2 Wochen veröffentlicht worden. Ich glaube, der Guardian hatte so ein bisschen was mitbekommen und hat das auch noch mal irgendwie gepusht. Ja, und der Bericht hat es sehr in sich, weil in diesem Bericht geht es darum, was sind eigentlich die Sicherheitsrisiken für UK und die EU? Was ist das größte Sicherheitsrisiko? Und wir alle, die meisten Menschen werden denken, ja, Das größte Sicherheitsrisiko, das ist vielleicht Russland, das sind vielleicht Zölle in den USA. Aber weit gefehlt, das größte Sicherheitsrisiko für UK und die EU ist der Verlust von Biodiversität und Ökosystemleistung. Und das sollten alle auf dem Schirm haben, denn von geopolitischer Sicherheit sind wir ja alle betroffen als Privatperson, egal ob man Unternehmer, Unternehmerin ist oder im politischen Bereich. Das ist eigentlich ein— leider ja extrem wichtiges Thema und das wird eben maßgeblich getrieben von unserem Umgang mit Natur.

Zackes Brustik: Also dieser Bericht kam raus von diesen zwei Agentur— ist das falsche Wort— Geheimdiensten, Institutionen, die für die nationale Sicherheit verantwortlich sind. MI5 und MI6. Downing Street hat es mitbekommen, hat dann ganz schnell gesagt, uh, das ist uns zu heiß, das muss in den Giftschrank, aber wir lassen das mal das Landwirtschaftsministerium veröffentlichen, paar Monate später. Und ich glaube, das passiert eigentlich ganz oft so. Aber viel wichtiger für uns heute ist ja, das ist der Bericht, der sagt, wie es kritisch ist, aber es gibt auch ein Buch, das uns sagt, wie die Lösung aussehen könnte. Weil ich glaube, alle— gerade wir haben jetzt hier Profis im Podcast, die kennen die Fakten. Also, den braucht man glaube ich nicht runterbeten, wie schlimm es um alles steht, sondern was wir brauchen, ist Orientierung. Ja, was können wir denn machen? Was sind ganz konkret die Lösungen? Und dazu hast du gerade erst so roundabout ein bisschen über 200 Seiten geschrieben, nämlich: Kann KI die Natur retten? Das ist ja ein netter Titel. Kann KI die Natur retten? Müsste das eigentlich nicht heißen: Kann KI uns den Arsch retten?

Frauke Fischer: Ja, genau, das— genau, Arsch. Weiß nicht, ob man, wenn man in Deutschland so ein Buch veröffentlicht, aber doch, man kann wahrscheinlich auch Arsch draufschreiben. Genau, eigentlich ist es so, also wir kommen ja der Klippe eigentlich immer näher. Also wir, wir wissen, wie problematisch der Verlust von Biodiversität und Ökosystemleistung ist. Wir sehen ja schon gigantische Volatilität von Rohstoffpreisen, eigentlich schon, das ist alles ehrlich gesagt inzwischen schon chaotisch, ist alles überhaupt nicht mehr vorhersagbar. Und das hat natürlich mit dem Verlust von Biodiversität und Ökosystemleistung zu tun. Und also zum einen war war es so oder ist so, dass Freunde von mir sowohl an vorderster Front der Forschung bei diesem Thema sind und andere Freunde von mir Unternehmen gegründet haben, die solche KI-Anwendungen oder Daten aus solchen KI-Anwendungen sammeln und verkaufen. Also so Start-ups in diesem Bereich. Und das hat mich zum einen dazu gebracht, dass ich dachte, wow, das ist eigentlich ein super interessantes Thema. Dann ist es natürlich so, dass man mit dem Naturthema oder wenn man sagt, ja, wir reden, lass uns mal über Biodiversität reden. Dann denken viele Leute, ach, das ist so ein Naturthema. Also wenn wir alle anderen Probleme gelöst haben und dann haben wir noch Zeit und Geld, dann können wir uns ja vielleicht um Tiere und Pflanzen kümmern. Das ist ganz, ganz falsch, denn— du hast gesagt, die Zuhörer und Zuhörerinnen wissen das schon alles. Ich sage es aber trotzdem noch mal: Biodiversität ist der größte Wirtschaftssektor der Welt, doppelt so hoher monetärer Wert jedes Jahr wie das Bruttosozialprodukt, und der ist der wichtigste Dienstleister für die europäische, aber auch für die Weltwirtschaft. Also eigentlich müssten sich alle dringend damit beschäftigen. Und die Frage für mich war auch ein bisschen, okay, wie kriege ich denn jetzt Leute dazu? Und ich fand dieses— dieser Nexus zwischen KI und Biodiversität, dass der eben eigentlich für eine sehr breite Gruppe, für eine große Gruppe an Lesern, Leserinnen potenziell interessant sein könnte, weil man den Biodiversitätsexperten und Expertinnen zeigt, was KI in diesem Feld bewirken kann oder wie man es einsetzen kann, und weil es technikaffinen Menschen, eben auch zeigt, was das im Bereich Natur bringen kann, diese— also vielleicht noch mal für die ein ganz neues Fenster aufzumachen, welche KI-Anwendungen eben möglich sind. Also nicht einfach nur in der Personalplanung oder Budgetplanung oder beim Einkauf, sondern eben tatsächlich auch in diesem, ja, Kontext.

Zackes Brustik: Tatsächlich eine der Zahlen, die es so businessrelevant machen, ist, ist, glaube ich, die Schätzung, dass wir bis 2050 schon 50% des BIP einbiesen könnten, wenn das mit der Biodiversität in die falsche Richtung geht?

Frauke Fischer: Das Blöde ist, dass das ja nicht so eins zu eins alles ist. Also Biodiversität, haben wir jetzt gehört, spielt auf das Thema Sicherheit ein. Biodiversität hat einen— das steht zum Beispiel in dem Bericht, dass wir da massive Entwicklung sehen werden von organisierter Kriminalität, von Terrorismus. Dann spielt das in so Themen rein wie Flüchtlingsbewegung, Destabilisierung von Handelsbeziehungen und Handelsrouten. Das ist einfach wahnsinnig komplex und dementsprechend ist es natürlich auch auch schwierig zu sagen, wie viel Prozent des BIP wird verloren gehen, wenn wir Biodiversität weiter so erodieren. Dazu kommt, dass wir Tipping Points sehen, also zum Beispiel die Entwaldung des Amazonas, die unser Erdsystem, wenn sie so weitergeht, innerhalb weniger— eher leider muss man inzwischen sagen Jahre als innerhalb weniger Jahrzehnte— so dramatisch verändern wird, dass praktisch die gesamten Rahmenbedingungen andere sein werden. Und ich habe das ja Eingangs schon gesagt, oder das steht also auch der IPBES, also der Weltbiodiversitätsrat, der hat auch vor 4 Wochen ungefähr einen neuen Bericht herausgebracht und da steht erstens mal schon mal vorne, steht schon mal quasi drauf: Business will either transform or go extinct. Also wir reden nicht mehr hier, dass vielleicht der Eisbär ausstirbt, sondern dass unser Wirtschaftssystem ausstirbt. Und in diesem Bericht steht zum Beispiel auch: 100% der Weltwirtschaft sind direkt oder indirekt abhängig von Leistungen der Natur. Und deswegen, also die Einbußen des BIP, 50% Da kann man fast sagen, ja, wenn es gut läuft, ja, also wenn es gut läuft, dann verlieren wir nur das. Aber das sind eben, ja, so Kaskadeneffekte. Das ist ja alles so ein gigantischer Dominoeffekt, die wir da sehen werden. Ja, also das bedeutet, das Window of Opportunity, das schließt sich unheimlich schnell. Wir, wir sollten lieber heute als morgen alles in Bewegung setzen, Biodiversität und Ökosystemleistungen für uns zu retten, nicht für jemand anderen.

Zackes Brustik: Und genau das ist ja der Spannende. Buch, diese Kaskadeneffekte, die du angesprochen hast, ne, Kipppunkte dreht man, deswegen heißen sie Kipppunkte, halt auch leider nicht mehr so schnell zurück. Aber vielleicht ist KI wegen auch ihrem exponentiellen Charakter genau diese Technologie, die wir brauchen, um mit dem immer kleiner werdenden Fenster unserer Chancen noch etwas zu bewegen. Spannend in deinem Buch fand ich, dass du meinst, KI, unglaublich mächtiges Tool, aber die Natur hat noch einen Riesenwissensvorsprung und vielleicht ist sogar KI überhaupt erst das Tool, um an diesen riesigen Wissensschatz ranzukommen, der in der Natur uns bisher entgeht? Hast du da mal so 2, 3 coole Beispiele?

Frauke Fischer: Also vielleicht erst mal, wie kommen wir überhaupt auf so eine Aussage? Leben auf unserem Planeten ist vor etwa 4,2 Milliarden Jahren entstanden und deswegen kann man sagen, okay, daraus ergibt sich 4,2 Milliarden Jahre Forschung und Entwicklung und das führt dazu, dass wir solche interessanten Phänomene sehen wie so Bestäuber- und Blüteninteraktion, dass wir so was sehen Wie, also keine Ahnung, wenn man sich mal ein Wespennest anguckt, was die meisten Leute natürlich wahrscheinlich nicht so gerne machen werden, aber wenn man zum Beispiel mal innen anguckt, wie es aufgebaut ist, so ein Termitenhügel, wenn man sich die Orientierungsleistung anguckt von Zugvögeln oder Walen.

Zackes Brustik: Darf ich da kurz rein? Weil das fand ich super faszinierend. Du hast gesagt, dass so ein Kuckuck, der ja quasi in einem fremden Nest aufwächst, trotzdem weiß, wo er hinfliegen muss dann zum Überwintern, obwohl ihm das niemand vorgelebt hat.

Frauke Fischer: Ja, genau. Also das ist sogar noch alles viel verrückter. Also ein Kuckuck, unser einheimischer Kuckuck zumindest, der, der— werden die Eier ja von der Mutter in ein fremdes Nest gelegt. Das heißt, die Pflegeeltern, die den Kuckuck aufziehen, das Ei ausbrüten und den dann füttern, die haben überhaupt keine Ahnung, was ein Kuckuck in seinem Leben machen muss. Und das ist eine— ist also sozusagen genial in der Natur, dass der Kuckuck weiß, wo er hinfliegen muss. Das Ganze wird irgendwie noch viel genialer. Es gibt ein Experiment, wo man Kuckucku aus England nach Kasachstan verfrachtet hat. Und die haben trotzdem genau ihr Überwinterungsgebiet in Afrika gefunden. Also die sind nicht einfach gerade nach Süden geflogen, dann wären sie keine Ahnung wo gelandet, sondern die haben— also das scheint genetisch so super duper organisiert zu sein und diese Orientierungsmöglichkeiten, das scheint da so super abgespeichert zu sein, dass die das trotzdem finden. Und jetzt kann ja so eine KI auch viele Sachen oder ein Computer kann viele Sachen, Taschenrechner kann oder ein Smartphone, die können ja alle ganz viele Sachen. Aber nur mal ein Beispiel. Also angenommen, wir fahren Auto und dann kommt eine Katze über die Straße und wir hören im Radio Musik und dann kommt ein Verkehrsschild und wir unterhalten uns noch mit unserem Beifahrer oder unserer Beifahrerin und dann müssen wir noch lenken und schalten. Dafür braucht unser Gehirn ungefähr 20 Watt, das alles gleichzeitig da am Laufen zu halten. Alleine eine Einparkhilfe von einem Auto braucht 840 Watt und dann kann das Auto also nur assistiert einparken. Die KI ist uns super überlegen bei so Mustererkennung und dabei, diese, diese Muster da irgendwie superschnell miteinander zu vergleichen und daraus Ableitungen zu machen. Aber also wenn man diese Aufgabe da— Autofahren, Katze, Verkehrsschild, Musik hören, sich mit einem unterhalten, lenken, schalten— damit hätten technische Systeme, vielleicht hätten sie keine Probleme, aber sie würden wahnsinnig viel mehr Energie verbrauchen als unser Gehirn und unser Körper, um das zu leisten.

Zackes Brustik: Okay, also das heißt, die Natur scheint hier sich unglaublich effektiv zu organisieren und in so einem kleinsten Rechner unglaublich maximale Leistung an den Start zu bringen. Trotzdem, also mit der Rechenleistung, die wir als Menschen haben, haben wir es bisher noch nicht geschafft, das Biodiversitätsthema so in den Griff zu kriegen. Welche Informationen könnte jetzt eine KI entschlüsseln, die uns wirklich hilft, hier signifikanten Unterschied zu machen? Mensch, wo sehen wir uns dieses Jahr eigentlich persönlich? Eine der häufigsten Fragen, die ich bekomme, nicht nur von Sustainability-Managern, sondern natürlich auch von Gründer:innen von Green-Tech-Startups, die wissen wollen, wo kann wie kann man dieses Jahr die wertvollen Kontakte knüpfen? Und daher gibt's jetzt kurz den Hinweis an meinen Werbepartner dieser Folge, die TransformIT Europe. Nach einer erfolgreichen Kickoff-Konferenz letzten Jahres gehen Jan Nintemann und sein Team in die Vollen. Sie sind dabei, die führende Greentech-Messe Europas zu etablieren, und das direkt im Herzen Europas in Brüssel. Wenn ihr also endlich raus wollt aus der deutschsprachigen Bubble und schauen wollt, was tut sich auf europäischer Ebene, Wie kann ich zum Beispiel als Startup mein Geschäftsmodell europaweit skalieren? Oder wie kann ich als Industrieunternehmen schauen, was sich in anderen Ländern tut, was für meine Branche anwendbar ist? Dann geht am 5. bis 7. Mai zur TransformIT Europe nach Brüssel. Die Idee ist hier wirklich, das gesamte Ökosystem von Regulatoren, Innovatoren, der Industrie und Startups zusammenzubringen und zu schauen, wie man gemeinsam schneller vorankommt. Das heißt, wir kommt in einer— der einzigen Messe den kompletten Überblick, was passiert gerade im Bereich IT, im Bereich Stadtentwicklung, Kreislaufwirtschaft oder in der Industriekarbonisierung, und könnt vor Ort die Kontakte knüpfen, die es braucht, um systemisch in Europa wirklich einen großen Schritt voranzukommen. Also räumt euch unbedingt den 5. bis 7. Mai in eurem Kalender frei und fahrt nach Brüssel. Welche namhaften Speaker oder Industrieunternehmen mit dabei sind, welche Themen behandelt werden, all das findet ihr auf trend— transformit.eu. Und für die Startup-Gründer:innen unter euch habe ich ein besonderes Schmankerl. Mit dem Hinweis auf Gewinne Zukunft gibt es 10% Rabatt auf die Ausstellerfläche. Dafür einfach Sven aus dem transformIT Europe Team ansprechen. Die Links findet ihr in den Shownotes. Welche Informationen könnte jetzt eine KI entschlüsseln, die uns wirklich hilft, hier signifikanten Unterschied zu machen?

Frauke Fischer: Also es fängt schon mal so banal an, dass wir eigentlich gar nicht wissen, wie viel Vielfalt von Organismen es auf unserem Planeten gibt. Und wir wissen sogar noch nicht mal, was wir davon schon beschrieben haben. Also das eine wissen wir nicht, weil es natürlich wahnsinnig viele Tier- und Pflanzenarten noch in Gebieten gibt, wo nie ein Biologe oder eine Biologin ihren Fuß hingesetzt hat. Man entdeckt jedes Jahr Hunderttausende von neuen Tier- und Pflanzenarten. Das— und wir sind von dem finalen, von der wirklichen Zahl noch ganz, ganz weit entfernt. Also wir haben ungefähr 2 Millionen beschrieben. Die niedrigste oder die Schätzung, Schätzung, mit der die meisten Menschen, Wissenschaftler, Wissenschaftlerinnen im Moment handeln, sind so 15 Millionen, dass es die wahrscheinlich gibt. Gibt aber auch Schätzungen, die deutlich darüber hinausgehen. Und beschrieben haben wir ungefähr 2 Millionen Arten. Und wir wissen aber nicht genau, wie viel wir beschrieben haben. Das machen wir nämlich seit ungefähr 200 Jahren und haben aber keine zentrale Datenbank dafür irgendwo, also haben nicht festgelegt, wo diese Daten zentral gesammelt werden sollen. Und deswegen ist dieses Wissen verteilt in wissenschaftlichen Instituten, Produktionen, in Museen, in irgendwelchen Sammlungsbeschreibungen. Und Sprache, also geschriebene Sprache, ist zum Beispiel ja auch ein Muster, was die KI gut erkennen kann. Bevor sich also jetzt Menschen hinsetzen und versuchen, alles noch mal durchzule— lesen, jede einzelne Artbeschreibung, die es schon gibt, wäre es jetzt zum Beispiel eine gute Aufgabe für die KI, das alles irgendwie zu digitalisieren und es einfach mal die KI machen zu lassen.

Zackes Brustik: Aber wenn wir jetzt die Arten beschrieben haben, haben wir sie ja noch nicht geschützt oder gerettet.

Frauke Fischer: Sehr gut, genau, ganz wichtiger Punkt. Aber trotzdem wäre es schon mal gut zu wissen, wissen, in welchem Raum wir uns irgendwo bewegen, damit wir sie besser schützen können. Ein Riesenproblem, was wir haben wegen dieser großen Anzahl von Arten, Tieren, Pflanzen, allen Organismen, Arten von Prozessen, die innerhalb von Ökosystemen ablaufen, ist, dass, weil es so viele Informationen sind, so viele Daten und weil das so hochkomplex ist, dass wir, bis wir das analysiert haben, selbst mit technischen Hilfsmitteln, die wir bislang benutzt haben, gibt es eine sehr große zeitliche Verzögerungen in der Regel und es gibt in der Regel sehr, sehr viele blinde Flecken auf unserem Planeten. Also, ich gebe mal ein Beispiel. Ein Muster, was man— was die KI sich angucken kann, sind— ist Entwaldung. Diese Entwaldung, oder das können auch wir uns natürlich angucken, also Entwaldungszahlen werden in der Regel einmal im Jahr veröffentlicht von Organisationen wie Global Forest Watch zum Beispiel. Und dann hat man da ja schon tolle Technologien verwendet, also zum Beispiel Satellitendaten. Und diese Satelliten, die machen dann schön diese Aufnahmen und dann kann man man sich angucken, wo wurde entwaldet. Die— bis die veröffentlicht sind, sind diese Daten in der Regel 3 Monate bis 18 Monate alt. Und dann ist es ja eigentlich ein Blick zurück. Also sie, sie sagen uns, was ist in den letzten 3 Monaten bis anderthalb Jahren passiert. Und das ist ja, wie du richtig gesagt hast, nicht das, was wir wollen. Wir wollen ja nicht wissen, was ist kaputt gegangen, sondern wir wollen ja das Kaputtgehen verhindern.

Zackes Brustik: Das heißt, Sie wollen möglichst sozusagen einschreiten, wenn illegal gerodet wird oder wenn ein Waldbrand entsteht, während das noch 3 Bäume sind, nicht wenn schon der Wald lichterloh

Frauke Fischer: Genau, und da kann uns KI helfen, und zwar uns und Tiere können uns da vor allen Dingen helfen, denn Tiere wissen sehr, sehr viel mehr über ihr— ihren Lebensraum, als wir über diese Lebensräume wissen. Und eine Sache, die wir ja auch im Buch beschreiben, ist das Internet der Tiere. Daran arbeitet zum Beispiel ein Freund von mir intensiv. Da geht es um die Frage, wie können wir das Wissen von Tieren abfragen? Nicht indem wir so ein Interview mit der Kohlmeise machen oder so, sondern indem man Sensoren an den Tieren befestigt. Diese Sensoren, die wiegen inzwischen, also es Es gibt welche, die wiegen nur noch 0,2 Gramm, dann kann man eben Käfer oder Heuschrecken sogar besendern. Und als ich meine Doktorarbeit gemacht habe in der Biologie, da habe ich auch Antilopen und Leoparden besendet und wir hatten— die einzigen Informationen, die wir bekommen haben von diesen Sendern, waren: Wo ist das Tier jetzt? Und diese neuen Sensoren, die können eine Vielzahl von Daten aufnehmen. Also wie ist die Außentemperatur, wohin fliegt das Tier, was macht es, also frisst es oder schläft es etc. Und jetzt wissen wir von manchen Tieren, Also zum Beispiel von manchen Regenwaldvogelarten, dass sie extrem empfindlich sind, wenn Störungen in ihrem Regenwald, also in ihrem, in ihrer Heimat, in ihrem, in ihren Wäldern auftreten. Und sobald da der erste Baum gefällt wird oder der erste Schuss fällt oder der erste illegale Goldgräber erscheint, meiden diese Tiere diese Waldgebiete. Und wenn wir dieses Wissen zum Beispiel abgreifen, und da hilft uns eben KI, weil wir da plötzlich wahnsinnig viele Daten haben, die analysiert werden, und in dem Fall ist das Muster, das Bewegungsmuster oder das räumliche Habitatnutzungsmuster von dem Tier, dann kann KI uns sagen, oh, Achtung, hier, da haben diese Vögel— was weiß ich, seit Freitag gehen die nicht mehr in dieses Waldgebiet. Und das bedeutet, dass wir plötzlich mit sehr hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung Informationen finden, bekommen, die uns dann ja helfen, direkt einzugreifen im Idealfall. Also in so einem Wald, wo der, wo diese Vögel zum Beispiel sagen, da gehe ich nicht mehr rein, da stimmt irgendwas nicht. So ein Wald sieht auf einem Satellitenfoto ja total intakt aus. Und das ist ein so ein Beispiel, wo das Wissen der Tiere gepaart mit KI uns helfen wird, in Zukunft Natur hoffentlich zu erhalten.

Zackes Brustik: Mega spannendes Beispiel, weil jetzt hast du noch einen wichtigen Punkt ergänzt. Bisher würden wir sagen, ne, auch wenn— pitchen auch ganz viele Start-ups, die ich irgendwo treffe, zum Beispiel auf dem Impact Fest, die sagen: Ey, wir haben hier unseren kleinen Satelliten, wir können hier auf Daten zugreifen und wir sehen alle 30 Minuten so nach einer Erdumrundung, hat sich da auf dem Quadratkilometer was verändert oder so. Ganz viele Datensätze, die ja glaube ich aktuell Auch zum Beispiel für die EU, die eher wichtig werden für die Entfaltungsrichtlinie. Du sagst ja selber, wenn ein Baum umkippt, erkennt man das vielleicht nicht sofort, oder vor allem, also den umkippenden Baum erkennt man vielleicht noch, aber den Wilderer darunter, den schon weniger, und der, der den ersten Spaten ansetzt, um illegal Gold zu schürfen, wahrscheinlich noch weniger, weil das unter dem Blätterwald verdeckt ist. Also das heißt, hier Tiere als neuer Datenträger oder als Sensorträger super spannend.

Frauke Fischer: Und vielleicht noch ein zweites Beispiel. Wir haben ja auch einen kleinen Podcast, muss ich hier gleich kurz Werbung machen, Tierisch Podcast. Also wer sich für Geschichten, neueste wissenschaftliche Kenntnisse zu Tieren interessiert, der soll unbedingt mal bei unserem tierisch-Podcast reinhören.

Zackes Brustik: Wir verlinken ihn in den Shownotes.

Frauke Fischer: Sehr gut. Und wir haben gerade gestern eine Folge aufgenommen und da ging es darum, wie Tiere mit Feuer umgehen. Und da gibt es auch ein interessantes Beispiel. Also es gibt Käfer, die offensichtlich super früh Feuer erkennen können und dann fliegen die dahin. Also die sind so spezialisierte Käfer, die eben ihre Larve, also ihre Eier, dann in frisch abgebrannte Bäume legen. Und das ist ja auch so ein Beispiel. Wir wissen nicht, wie— wir wissen nicht, wie die wie Käfer das machen, und wenn es irgendwo brennt, dann gibt es plötzlich total viele von diesen Käfern. Und das wäre ja auch eine Möglichkeit, wenn man diese Käfer mit diesen Sensoren ausstattet, dann hätte man Informationen, da wo ein Waldbrand gerade entstanden ist. Und wenn wir uns das mal angucken in den letzten Jahren, Waldbrände in Kalifornien, in Australien, also es ist ein gigantisches Klimaschutzproblem, weil wir ja extrem große Mengen an CO2 emittieren durch diese— ab— das Abbrennen von Wäldern. Das hat aber natürlich auch wirtschaftliche Implikationen, weil wenn es Wirtschaftswälder betrifft, da sind— ist ja Geld investiert, da wird auch Geld mitgemacht und es werden auch gigantische, ja, Finanzmittel natürlich vernichtet. Und da könnte uns auch die KI eben helfen, mit den entsprechenden Tierarten Brände super rechtzeitig zu erkennen.

Zackes Brustik: Trotzdem ist natürlich jetzt das Problem, Also ich glaube, dass quasi jetzt so Forscher:innen wie du sagen, ey, richtig coole Sache, lass das mal machen. Das erschließt sich sofort und wahrscheinlich ist das für euch sogar ein Hebel, auch kosteneffizienter unterwegs zu sein. Aber trotzdem der Business Case zu sagen, wie verknüpfe ich ein Unternehmen in Deutschland mit der Problematik, dass wir ro— illegale Rodung im Amazonas stoppen müssen und dafür vielleicht sensorbestückte Käfer spannend sind. Also wie kriege ich diese Brücke wirklich in ein Businessmodell?

Frauke Fischer: Mhm. Also, wenn wir jetzt bei Entwaldung gucken, dann wäre es ja zum Beispiel, also die eine Möglichkeit, dass man überhaupt, also den Aufblick hat durch einen Satelliten. Aber man könnte natürlich, wie gesagt, viel höhere zeitliche und räumliche Auflösung bekommen und dadurch zum Beispiel viel besser belegen, dass man wirklich eine entwaldungsfreie Lieferkette hat, wenn man solche Anwendungen, solche KI-gestützten Frühwarnsysteme dann eben unter Zuhilfenahme von verschiedenen Tieren auch noch hat.

Zackes Brustik: Aber also, bevor wir vielleicht auf die deutschen Unternehmen kommen, noch der Zwischenschritt ist, wahrscheinlich ist das Problem oft, dass all das, was passiert in der Natur, kein beschriebener Wert ist, dass das super schwer ist, in unseren bestehenden Frameworks vom Accounting und Controlling irgendwie unterzubringen und das den Menschen, die im Unternehmen für Zahlen zuständig sind, greifbar zu machen.

Frauke Fischer: Ja, genau. Also eigentlich haben wir, wir haben in gewisser Hinsicht einen volkswirtschaftlichen und einer Betriebs— oder eine volkswirtschaftliche Betrachtung und eine betriebswirtschaftliche Betrachtung. Wenn wir die, wenn wir sagen, was ist der Wert von Biodiversität und Ökosystem, Systemleistung, dann ist es eigentlich die volkswirtschaftliche Betrachtung. Und wenn wir das versuchen runterzubrechen auf betriebswirtschaftliche Zahlen, dann sind der— sieht man sehr, sehr schnell, dass die Zerstörung von Natur ein super Geschäftsmodell ist, weil man Dinge aus der Natur entnimmt, die man dann anderen Leuten verkaufen kann. Dass der Erhalt von Natur aber leider nicht so ein tolles Geschäftsmodell in der Regel ist, weil man einfach nur, Allgemeingüter, also Gemeingüter erhält, von denen alle was haben, und die die leider ja im Moment so bewertet werden, als dass sie eben eigentlich keinen Wert haben, sondern dass jeder sie sich einfach nehmen kann. Also wenn wir nicht— wenn es nicht darum geht, Holz aus einem Privatwald zu nehmen oder keine Ahnung, in der ausschließlichen Wirtschaftszone von Staaten plötzlich Fischerei zu betreiben, das darf man halt nicht. Aber wenn wir Hochseefischer angucken oder wenn wir uns tatsächlich auch Regenwaldzerstörung etc., das ist, das ist immer alles sehr, sehr leicht möglich. Und jetzt gibt es eben also sowas wie Landbanking Group und andere Ansätze, wo man sagt, okay, lasst uns doch mal gucken, lass uns doch erstmal die Zahlen finden, so dass wir ein, eine, ein Unterschied bewerten können zwischen, zum Beispiel zerstörter Natur und wie verhalten sich bestimmte Parameter, wenn wir diese, wenn wir das wieder, wieder restaurieren, also renaturieren. Dann kann man messen, wie viel ist, wie viel besser ist die Wasserhaltefähigkeit im Boden, wie viel besser ist die Kohlenstoffbindung, wie Wie viel mehr Arten gibt es da? Und dabei ist man jetzt zu bewerten, okay, können wir diesen Parametern eine Zahl geben? Und dann suchen wir Menschen, die sagen, ja, okay, das ist eine Zahl, die mich interessiert, oder ein, ein Uplift, der mich interessiert, weil ich vielleicht irgendwo anders eingegriffen habe und, das zum Beispiel kaufen möchte als Kompensation. Im Moment ist sowas, wenn wir über Biodiversität sprechen,— eigentlich alles nur freiwillig. Das ist nicht Teil irgendwelcher Regularien. Also es gibt so kleinere Ausnahmen bei uns in Deutschland, die Eingriffsregelung, da ist es ja zum Beispiel so, dass für Eingriffe in die Natur Ausgleich geleistet werden muss. Aber wenn wir uns das global angucken oder in den Bilanzen von Unternehmen, da spielt das eigentlich keine Rolle. Also wir haben die Herausforderung, das monetär zu bewerten, und da müssen wir erst mal einheitliche Bewertungsmaßstäbe entwickeln. Das haben wir im Moment nicht. Das ist ja anders als beim Klimaschutz, wo wir CO2-Äquivalente, also die Tonne CO2 oder einen ähnlich— einen ähnlichen Klimaschaden haben als Messgröße. Dann haben wir einen Markt, wo diese Tonnagen gehandelt werden. Und das alles haben wir bei Biodiversität nicht. Und das werden wir so bei Biodiversität wahrscheinlich auch nicht bekommen. Denn was man nicht vergessen darf, ist, dass wir bei klimaschädlichen Gasen ja die Situation haben, egal egal wo auf der Welt ich emittiere und egal wo auf der Welt ich das binde, das hat immer den gleichen Klimaeffekt. Und das ist bei Biodiversität blöderweise ganz anders. Biodiversität ist super heterogen auf unserem Planeten verteilt. Und was schon klar ist, also die EU ist dabei, so ein, so Regime zu entwickeln für die Entwicklung von Biodiversity Credits, also als so ein Äquivalent zu Carbon Credits. Und da ist aber schon jetzt klar, dass es niemals Kompensationskredite sein werden, also Zertifikate, sondern dass es immer um Konditionalität gehen wird. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht auch sehr, sehr sinnvoll, weil wir ja eine gigantische Schuld eingegangen sind. Also, wir müssen Sachen besser machen. Aber daraus— daran sieht man halt schon, dass, ja, wir leider, muss man sagen, noch weit davon entfernt sind, außer eigentlich von so— bei solchen Pilotprojekten wirklich Nature on the Balance Sheet zu bekommen oder Nature in the Boardroom. Davon sind wir blöderweise weit entfernt.

Zackes Brustik: Ich versuche auch immer doch mal die Details rauszuarbeiten, falls jemand neu im Thema ist. Additionalität heißt in diesem Fall dann zusätzlich.

Frauke Fischer: Also das eine wäre, ich kompensiere sozusagen meinen Schaden und das andere ist, dass ich, was, dass ich die Situation sozusagen besser mache als mein Schaden. Und bei CO2-Kompensation, da kann man sagen, ja, okay, ich schaffe es nicht, meine CO2-Emissionen auf null zu bringen. Ich versuche, meine CO2-Emissionen zu reduzieren oder insgesamt Treibhausgase. Das, was Was, was übrig bleibt, das kompensiere ich. Also ich darf quasi einen Schaden hervorrufen, indem ich CO2 emittiere, wenn ich das CO2 woanders wieder einspare. Und das geht bei Biodiversität nicht.

Zackes Brustik: Also magst du mal kurz erklären, wie, was zum Beispiel jetzt die Landbanking Group, was, korrigier mich, ich glaube ein Startup-Unternehmen aus München ist, die aber ein auch international recht anerkanntes Modell etabliert haben, oder?

Frauke Fischer: Also bei der, der Landbanking Group ist es so, dass sie sich zum Beispiel angucken, welche Also da geht es um Uplift, also man guckt sich, also sagen wir mal, wenn, wenn ich einen super intakten Regenwald habe, dann kann ich nicht den super intakten Regenwald irgendwie noch toller machen. Der ist ja super intakt. Aber wir haben eben gigantische degradierte Flächen auf unserem Planeten. Also wir haben irgendwie 350 Millionen Hektar, die, auf denen man gar nichts mehr machen kann. Die sind so zerstört worden von Menschen, dass da jetzt quasi keine Das ist irgendwie tot. Und dann haben wir natürlich viele Flächen, die wir schlechter gemacht haben, als sie ursprünglich mal waren. Und die Idee der Landbanking Group ist dann, so einen Uplift zu machen, also Maßnahmen zu ergreifen, die aus diesen degradierten— also die das aufwerten, also die, die, die Wasserhaltefähigkeit im Boden erhöhen, die CO2-Speicherung in hochdiversen Pflanzengemeinschaften zu erhöhen, die Artenanzahl zu erhöhen etc. Und diesem Uplift, also dieser Veränderung bei diesen Parametern, den versucht man einen ökonomischen Wert, also einen richtigen Zahlenwert zu geben. Und dann versucht man eben den Anbieter, also es kann jetzt zum Beispiel ein Landwirt sein, der sagt, okay, ich habe hier so eine degradierte Fläche und ich mache da jetzt ein Vogelparadies draus, zum Beispiel. Und einen Käufer, das kann dann ein Unternehmen sein, die sagen, ja, okay, wir haben echt so einen großen Landverbrauch mit dem, was wir machen, also wir wollen irgendwie „Wir wollen da wieder was Gutes machen." Oder, oder eben nicht, also auch nicht kompensieren, sondern dass, wenn ein Unternehmen sagt, okay, das ist, was weiß ich, sag ich jetzt mal aus der IT-Branche, und die sagen, ja, wir haben hier, wir haben halt super viel Geld und können wir da nicht irgendwas Vernünftiges machen? Und dann sagen die, ja, okay, komm, lass, wir kaufen mal solche Uplift-Zertifikate.

Zackes Brustik: Das wäre genau eines der Probleme, die du auch beschreibst im Buch, ist gerade im IT riesiges Wasserproblem, gerade auch jetzt, wenn es in Richtung KI geht, also diese unglaublich rechenintensiven Prozesse, da stehen die Rechenzentren meistens eh schon in Regionen mit Wasserknappheit Sie brauchen Unmengen an Wasser zum Kühlen der, der leistungsfähigen Prozessoren und Chips da drinne. Das heißt, wenn du in der KI bist und jetzt gerade vor allem auch mit in der IT bist und mit KI arbeitest, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du ein Biodiversitäts-Footprint hast, der enorm ist, sehr groß. Also gerade aus der Richtung kommt sich zu engagieren sehr sinnvoll, ne?

Frauke Fischer: Also das ist überhaupt ein wichtiger Punkt, dass viele, also wir haben ja die, oder die Agentur Auf Deutschlands erste Unternehmensberatung, die habe ich ja 2003 gegründet, also vor vor, ja, vor 23 Jahren, und dann haben viele Unternehmen am Anfang zu uns gesagt, ja nee, wissen Sie, wir sind gar nicht in der Lebensmittelprodukt— Produktion, deswegen ist Biodiversität für uns gar nicht relevant. Und das ist natürlich totaler Quatsch. Also Biodiversität ist für alle relevant, und gerade Wasser ist ein super interessantes Beispiel. Also alleine um ein Auto zu bauen, also ein einziges Fahrzeug, braucht man ungefähr 150.000 Liter Trinkwasser oder sauberes Wasser. Und wo auf diesem Planeten Wasser in welcher Menge, zu welcher Zeit und welcher Qualität zur Verfügung gestellt wird, das entscheiden einzig und allein Ökosysteme. Das entscheidet kein, kein Wasserwerk und kein, kein Damm und was weiß ich. Und dann, also es gibt das Phänomen der fliegenden Flüsse, nennt man das. Und wenn man sich das anguckt, dann sieht man, dass zum Beispiel für uns in Mitteleuropa das Kongobecken extrem wichtig ist bei der Verteilung von Trinkwasser zu uns über Niederschläge letzten Endes und auch die Wälder in Sibirien zum Beispiel. Und für Mittel— Süd-, Mittel- und Nordamerika ist es eben hauptsächlich der Amazonas. Und wenn wir diese Ökosysteme nicht funktional erhalten, dann haben wir eben ein gigantisches Wasserproblem. Und das bedeutet, man kann kein Auto mehr bauen, man kann keinen Server mehr betreiben. Also das würde dramatische Auswirkungen haben.

Zackes Brustik: Und diese Klammer wieder zu. Deswegen, selbst wenn du in der IT bist und denkst, oh, da bin ich ja mal raus, weil neben uns ist der Maschinenbauer, der ist doch bestimmt viel dreckiger als wir. Nein. Passiert nur an anderer Stelle. Und deswegen, also sollte man vielleicht doch bei der Landbanking Group anrufen, um dann einfach zu unterstützen, was die machen.

Frauke Fischer: Genau. Also wie gesagt, wir sind ja in einer Situation, wo man— ja, es geht nicht, es geht jetzt nicht um Kompensation. Und ich verstehe schon, dass die Unternehmen sagen immer: Ja, nee, aber entlang unserer Wertschöpfungskette. Und sagen Sie mir mal eine Zahl. Aber ich sage immer, also wir sind eigentlich in der Situation, wo man sagen kann, das Haus brennt, also, und im Sinne unseres Planeten und unserer Lebensgrundlage. Und jetzt kann man natürlich sagen: Ah, lass uns doch mal über Feuerlöscher diskutieren. Diskutieren, oder welche Brandmelder könnten wir mal einrichten, und haben die, hat die Feuerwehr auch gute Schläuche und was weiß ich. Darüber kann man alles diskutieren, aber wenn es brennt, dann muss man löschen und nicht darüber nachdenken, wie man den nächsten Brand verhindert oder was man jetzt hätte besser machen können.

Zackes Brustik: Es brennt ja. Und ob man selbst nur für das Wohnzimmer zuständig ist, in der Lieferkette, oder, aber nein, wenn das Haus brennt, dann kann man überall mitlöschen sozusagen. Ja, okay, das war jetzt ein Beispiel. Du arbeitest ja gerade zum Beispiel auch, oder du hast zum Beispiel mit so Unternehmen wie Jägermeister oder Goldberg zusammengearbeitet, Die einen machen Kräuterliköre, da kann man sich noch irgendwie vorstellen, okay, die haben bestimmt was mit Natur zu tun. Goldbeck, das wissen vielleicht die wenigsten, ist ein Bauunternehmen, ein super innovatives, eins wirklich der ganz, ganz innovativen, was Digitalisierung angeht. Die werden wahrscheinlich mit Flächenversiegelung und allen möglichen Biodiversitätsthemen zu tun haben, weil alles, was mit Bauen zu tun hat, ist in der Regel eine sehr dreckige Angelegenheit. Welche Themen hatten die und wie sind die ihre Herausforderungen angegangen?

Frauke Fischer: Gegangen. Du hast das ja schon gesagt, also wer, wer baut, versiegelt in der Regel Land. Und wenn wir jetzt mal die Regu— das in Deutschland uns angucken, wir hatten eigentlich ein Ziel bis 2020, die tägliche Flächenversiegelung auf 30 Hektar zu reduzieren in Deutschland. Wir sind dann irgendwie bei 50, etwas über 50 Hektar gewesen. Dann hat man das Ziel einfach mal kurzerhand verschoben. Jetzt haben wir das mal auf 2030 verschoben, aber 2050 haben wir eigentlich zum Ziel Flächenrecycling. Das heißt, ab 2050 darf man eigentlich in Deutschland keine Flächen mehr versiegeln. Daraus ergeben sich ja zunächst schon mal, also so Zukunftsfragen, wie soll das in Zukunft überhaupt gehen? Und dann spielt natürlich auch gesellschaftliche Akzeptanz eine große Rolle, weil auch Leute, die dafür sind, dass was gebaut wird, die sind vielleicht dafür, dass ihr eigenes Haus gebaut wird, aber die sind auch in der Regel nicht dafür bereit— also die sind eigentlich nicht dafür, dass jetzt ganz Deutschland hier zunehmend versiegelt wird. Also das ist das, das eine Thema. Das andere Thema ist sowas wie Bauholz oder Bausand, also Rohstoffe, die die Bauindustrie braucht, die aus der Natur entnommen werden. Und da haben wir also zum einen erstmal so eine Analyse gemacht, also was sind die Abhängigkeiten des Unternehmens von Biodiversität und Ökosystemleistung? Wie wirkt das Unternehmen auf Biodiversität und Ökosystemleistung? Und wie— was ist jetzt strategisch der beste Umgang? Ein Ansatz ist, dass man sagt, okay, lass uns doch in Zukunft zusehen, dass wir nur noch Brownfield bebauen, also dass Flächen, die ohnehin bebaut waren. Also wir haben ja, keine Ahnung, irgendwelche, sage ich mal, wo vorher Güterbahnhof war und jetzt macht man daraus irgendwas anderes.

Zackes Brustik: Ich sag mal, das wäre schon eine sehr konsequente Ansage, weil so einfach ist das nicht. In der Regel, das Gewerbegebiet wird halt dahingestellt, wo vorher ein Acker war. Ja, genau, aber bald eben nicht mehr. Okay, und das ist jetzt nicht so, dass die sagen, wir fliegen bei super vielen Ausschreibungen raus, weil wir die einzigen sind, die den Brownfield-Ansatz haben?

Frauke Fischer: Nee, also das, nee, also der Ansatz ist ja erstmal, dass man sagt, okay, hier soll was gebaut werden, was ist denn Ihr Vorschlag? Ja, also das, genau, aber man kann schon, wenn Wenn man sich strategisch aufstellen möchte, kann man schon erkennen, okay, wir müssen irgendwie zusehen, dass wir Spezialisten für Brownfield werden. Und was noch super interessant war, dass gerade da— also jetzt gerade wenn man so Brownfield sich anguckt oder selbst wenn man sich so einen Maisacker anguckt, dann gibt es rein theoretisch Formen der Bebauung, die mehr Biodiversität zulassen als die ursprüngliche Nutzung. Also wenn ich so einen Monokultur-Maisacker habe, wo ich immer schön Glyphosat drauf haue, bevor ich da mein Mais anbaue, Bau, dann kann man sich natürlich Gebäude vorstellen und auch, also, was weiß ich, mit Fassadenbegrünung, Dachbegrünung und auch Begrünung der Flächen auf dem Gelände, die nicht bebaut sind, die dazu führen, dass die Biodiversität höher ist als die Biodiversität, der— in der Vornutzung war. Und das ist natürlich eine ziemlich interessante Geschichte, weil wenn man das schafft, dass man sagt, okay, das, was wir— unser Ziel ist eigentlich biodiversitätspositives Bauen. Also unser Ziel ist eigentlich, dass da Dass, wenn wir was bauen, dass da mehr Biodiversität ist, als da vorher war.

Zackes Brustik: Okay, das heißt, ich weiß nicht, ob Goldbeck jetzt einen Lidl- oder Rewe-Supermarkt baut, aber angenommen, die machen das, die sind ja oft ganz— immer dann auch im Gewerbegebiet, das heißt, da war wahrscheinlich vorher der— im besten Fall der Eisacker, im schlimmsten Fall stand ein Wald da, aber das heißt, die sagen dann, okay, anstatt dass wir da jetzt einfach nur eine Schnellbauhalle hinstellen und davor dann irgendwie 1000 Quadratmeter zu asphaltierten Parkplatz machen, überlegen wir uns, wie könnte diese Fläche gestaltet sein, dass dort nicht nur Asphalt und Halle steht, sondern irgendwo zwischendrin auch sehr viel

Frauke Fischer: Grün reingearbeitet bearbeitet ist. Genau, aber eben, aber nicht einfach nur irgendwelches Grün, weil so diese Situation haben wir ja jetzt häufig, also dass man sagt, ach komm, dann lass uns hier Rollrasen hinmachen oder irgend so was oder so ein bisschen Efeu an die Wand, sondern dass man sich eben wirklich Gedanken darüber macht, was hilft denn einheimischen Tier- und Pflanzenarten. Also viele, das sieht man ja auch in, wenn man sich irgendeinen Garten anguckt oder so, also es gibt ja, also selbst da, wo Steingärten verboten sind, machen manche Leute ihren Vorgarten in einer Art und Weise, die eigentlich so eine Biodiversitätstodeszone ist.

Zackes Brustik: Ich glaube, das Schlimmste ist, was der Biodiversität hätte passieren können, sind die Mähroboter, oder? Seitdem hast du in den ganzen Reihenhaussiedlungen nur noch quadratisch grüne Gärten. Die Hauptsache, sie können vom Mähroboter abgefahren werden.

Frauke Fischer: Genau, leider nicht das Schlimmste, was der Biodiversität passiert ist, aber auf jeden Fall eine schlimme Sache. Also vor allem, wenn die nachts fahren, weil die dann zum Beispiel so richtige Igel-Zerschredderer sind. Also das ist schon sehr, sehr problematisch. Ja, genau. Und Goldbeck ist eben ein Unternehmen, was gesagt hat: Okay, lasst uns, also unser Ziel Zieles biodiversitätspositives Bauen. Und natürlich ist das jetzt nicht so, dass man sagt, ah, ist ja ganz einfach, das haben wir jetzt montags besprochen und ab mittwochs machen wir das alles so. Aber dass man überhaupt dieses Ziel mal hat und dann guckt, okay, wie kommen wir diesem Ziel näher oder wie erreichen wir das? Das ist, ja, du hast, das hast ja gesagt, das ist dann natürlich ein innovativer Ansatz oder ein innovativerer Ansatz, als wenn man sagt, nee, solange der, solange der Gesetzgeber uns noch erlaubt, hier Greenfield zu Vertrauen machen wir einfach mal so

Zackes Brustik: billig und so schnell wie möglich. Sehr cool. Also falls du aus dem Nähkästchen plaudern darfst, gab es bei Jägermeister ähnliche Herausforderungen oder Lösungen, die jetzt auch wirklich profunder sind als nur: Okay, jetzt wissen wir, wie schlecht wir sind und schieben es wieder in die Schublade, so wie sie es in Britannien gemacht haben?

Frauke Fischer: Auf jeden Fall. Also bei, bei Jägermeister ist ja auch das, da ist der Zusammenhang für viele Menschen einfacher zu verstehen. Diese Kräuterliköre sind aus einer Vielzahl von, von Kräutern, manche dieser Kräuter Kräuter kommen aus freier Natur, also die können nicht in Kultur genommen werden, zum Beispiel. Also man kann nicht irgendwo ein Gewächshaus haben, dann baut man diese Kräuter an. Und jetzt geht es natürlich darum, also für das Unternehmen ist es natürlich, also das eine sehr große Abhängigkeit von Biodiversität, weil man muss irgendwie sicherstellen, dass in diese Ökosysteme, in denen diese Kräuter dann zum Beispiel wild vorkommen, dass die erhalten bleiben. Also das ist für Menschen, also da darf eben jetzt nicht das lokale Bauunternehmen kommen und sagen, oh nee, guck mal, das hier machen wir jetzt mal ein schönes Parkhaus hin, wo da die wesentlich— die wichtigen Kräuter für den Jägermeister gesammelt werden sollen, zum Beispiel. Also das heißt, da gibt es sehr große Abhängigkeiten und dann logischerweise auch eine starke Beschäftigung damit, wie man sicherstellen kann, dass man ins— dass es in Zukunft die Ökosystemleistungen noch gibt, die das— die Bereitstellung dieser Kräuter sicherstellen. Und dann gibt es aber natürlich auch entsprechende Maßnahmen, die man sich überlegen kann. Also wie stellt man sich sicher, dass eben zum Beispiel für die Menschen in einer Region, wo bestimmte Kräuter vorkommen, für die das Attraktivste ist, diese weiter— diese Kräuter zu sammeln und zu verkaufen, anstatt

Zackes Brustik: irgendwas anderes zu machen. Hast du eine konkrete Maßnahme? Also gerade was das Kräutersammeln zum Beispiel angeht, wo du sagst, okay, dadurch halten wir das attraktiv?

Frauke Fischer: Also eine Maßnahme, die hat jetzt gar nicht so direkt mit Biodiversität zu tun, aber ist so eine grundsätzlich wichtige Sache, ist natürlich sehr langfristige Lieferbeziehungen. Also gerade bei solchen Beziehungen kann man nicht jetzt so im Jahresrhythmus wechseln Ach, dann kaufen wir jetzt einmal das da und beim nächsten Jahr da und dann kaufen wir es wieder da. Und langfristige Lieferbeziehungen führen ja— stabilisieren so ein System ja auch. Und dann kann es aber eben bis dahin gehen, dass man sagt, okay, wir müssen sicherstellen, also Winderosion verhindern wir am besten, indem wir hier einheimische, Sträucher und Bäume pflanzen, zum Beispiel, die sicherstellen, dass diese Flächen weiterhin biologisch intakt bleiben. Solche Maßnahmen. Maßnahmen könnten das sein.

Zackes Brustik: Was ich spannend fand, jetzt kommen wir beim— also wieder zurück zum Thema KI und Technologie einsetzen dafür. Das eine, was ich spannend fand, ist ganz offen, Problem ist, wenn du als Reederei unterwegs bist mit den Schiffen im Meer, fährst du immer mal wieder in einen Wal rein, weil halt die Walrouten dummerweise oft auch genau da sind, wo sozusagen in Anführungszeichen die Schiffautobahnen sind, also wo es sich staut. Und bisher konnte man da sehr wenig machen, weil die Wale schwimmen halt irgendwo tief für mehr, aber anscheinend kann man die mit Sensoren ausstatten. Und wenn du mal so das Beispiel sagst und warum da auch KI relevant ist.

Frauke Fischer: Ja, also es gibt zwei Beispiele, einmal mit Walen und einmal mit Walhaien, also dem größten Fisch der Welt. Und ich fange vielleicht mal mit dem Walhai an. Also der, das ist super interessant, dass der, also wie gesagt, der größte Fisch der Welt ist so ein dunkles Tier mit so einer dunklen Haut und der hat auf seiner Haut so weiße Striche und Punkte. Also wieder mal die ideale KI-Aufgabe, sich den Walhai Wahlhai anzugucken, weil die sind individuell verschieden. Das heißt, wenn— die KI könnte jetzt erkennen, ah, das ist Walhai Karl-Heinz, den habe ich schon mal da und da gesehen, und dieser hier, der ist neu, dem gebe ich jetzt mal den Namen Paul, und dann habe ich schon den ersten Datenpunkt. Über diese Walhaie wussten wir— die sind erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt, und bis 1986 gab es 300 Fotos von diesen Walhaien. Also, wir wussten gar nichts. Und jetzt gibt es immer mehr Hobbytaucher, die mit tollem Film- und Fotoequipment in der Welt rumtauchen. Und die Walhaie sind super friedliche Tiere. Das heißt, die Hobbytaucher machen gern mal ein Foto von sich und dem Walhai. Das könnten die jetzt, das wäre ganz cool, an— als Citizen-Science-Projekt an eine Universität oder ein Forschungsinstitut schicken. Jetzt wissen die Hobbytaucher aber nicht unbedingt von diesen Forschungsprojekten. Und jetzt kommt erstmal der erste coole Clou der KI. Man hat die KI einfach trainiert, koordiniert Social-Media-Accounts zu durchsuchen. Denn was die Hobbytaucher häufig machen, ist, sie posten das und sie posten das und sie sagen, ah, guck mal hier, ich und der Walhai letzte Woche auf den Seychellen, da war es ja so schön warm und wir waren dann und dann da. Oder diese Daten werden ja teilweise auch mit den Fotos hochgeladen, Datum, Uhrzeit etc. Und, das hat dazu geführt, dass wir inzwischen dank KI-Anwendung über 3000 individuelle Walhaie kennen. Und die KI verschränkt jetzt diese Daten mit Daten zu anderen verfügbaren Daten, zu der, ja, Physik der Ozeane, könnte man sagen. Also Salinität, Wassertemperatur, Strömungsrichtung, Futterverwertbarkeit et cetera. Und das hat ermöglicht, dass die KI relativ gut vorhersagen kann, wo sich Walhaie aufhalten werden. Und dann passiert jetzt Folgendes, dass diese Daten interessant sind für Reedereien, für Logistikfirmen, weil wenn ihr Schiff mit diesem Walhai kollidiert, dann ist das für den Walhai blöd, der ist verletzt oder stirbt. Weil diese Tiere so groß sind, beschädigt das aber oft auch die Schiffe und das führt dann dazu, dass zum Beispiel Liefertermine nicht eingehalten werden können. Und das macht dieses System jetzt zu einem interessanten Geschäftsmodell. Also einen, der dank KI-Anwendung weiß, wo die Walhaie sind, und diese Daten verkauft man an die Reedereien. Das Ergebnis ist, dass der Walhai geschützt ist und nicht, weil die, weil die Reeder so wahnsinnig an der— am Walhaischutz interessiert sind, sondern weil die an an ihrem Schiffsschutz interessiert sind. Aber das Ergebnis ist eben auch, dass

Zackes Brustik: der Walhai geschützt ist. Das heißt tatsächlich, es ist schon so weit, dass Reedereien in dieses System Geld reinschießen. Ja, genau. Also das— Entschuldigung, ich muss das nur noch mal festhalten, weil das heißt wirklich für die ein ganz unmittelbares Businessmodell, wo sozusagen Biodiversitätsforscher:innen und Unternehmen tatsächlich zusammenkommen, wo vorher wahrscheinlich die Forscher:innen vergebens ans Tor geklopft haben, ist jetzt tatsächlich, weil KI das so viel effizienter macht, so viel günstiger macht, überhaupt erst ermöglicht, ist tatsächlich zum ersten Mal der Business Case auf den Tisch.

Frauke Fischer: Genau. Also man muss wirklich in dem Fall sagen, dass KI das überhaupt erst ermöglicht. Also KI ist ja eben supergut beim Mustererkennen und wir sind gar nicht in der Lage vorherzusagen, wo und wann sich ein Walhai irgendwo aufhalten wird. Die KI, die spielt sozusagen mit diesen ganzen Daten und erkennt dann irgendwann Muster und ist dann in der Lage vorherzusagen, wo die Tiere sich aufhalten werden. Und wir würden das vielleicht gar nicht erkennen. Also das heißt, es ist wirklich nicht nur eine Fleißaufgabe, sondern wirklich ein bisschen so ein Quantensprung.

Zackes Brustik: Es ist ein superschönes Beispiel. Lest das unbedingt im Buch nach, weil da kommt so viel zusammen. Du hast ja auch gesagt, ne, diese Walhaie, wie vermeiden wir, dass wir jetzt nicht 3000 Fotos vom gleichen Walhai haben, sondern wissen, wir haben 10.000 Fotos und es sind 3000 verschiedene Haie, weil dann die KI mit einem Modell gefüttert wurde, was eigentlich aus der Astronomie kommt, von der Sternerkennung, aber diese kleinen weißen Pünktchen auf der Haut der Walhaie haben ähnliche Muster und dadurch kann wirklich sichergestellt werden, dieses Foto auf Facebook von Hans von den Malediven ist Walhai A und auf dem anderen Foto von Carla, das ist Walhai B, weil wir wissen, diese Pünktchen sind anders.

Frauke Fischer: Super faszinierend. Also jetzt bei so einem Walhai, wenn man sich so ein Foto anguckt, dann denkt man, na ja, das würden wir vielleicht sogar auch irgendwie hinkriegen, die individuell zu unterscheiden. Aber zum Beispiel, wir haben auch noch so ein Beispiel mit Belugas, also wa— diesen weißen Walen, und die können wir Menschen überhaupt nicht unterscheiden und die KI kann das. Man weiß inzwischen gar nicht mehr so genau, wie sie das macht. Wahrscheinlich, weil da so, so, so Dellen entlang der Wirbelsäule sind, wenn die Tiere auf- und abtauchen und irgendwie scheint die KI da zu erkennen, ja, welche Individuen das sind.

Zackes Brustik: Das Wichtige daran war jetzt ja wirklich zu sehen, es gibt Systeme da draußen, wir kombinieren sie neu. Also ich sag mal so, der iPhone-Effekt, wie Steve Jobs das halt gemacht hat, bestehende Technologie sinnvoll neu zusammenzusetzen. Ich habe hier ein Modell, das ist für die Sternerkennung zuständig, ich pack das rein in ein KI-Modell, modell, das das wiederum auf die Walhaihaut anwendet, und dann schaue ich noch irgendwie, dass ich diese Daten sinnvoll bei der Reederei anbringe. Also ein super komplexes Geschehen oder Kombinieren von existierenden Lösungen, aber das ist ja das Wichtigste, ein realer Business Case. Da hast du noch ein, zwei, drei Beispiele, wo wirklich dann dieser reale Business Case zustande kommt, der vorher vielleicht immer noch irgendwie von Philanthropie oder von Spenden abhängig war.

Frauke Fischer: Also es gibt ein Unternehmen, die ich auch so ein bisschen unterstütze, in den USA. Und da geht es darum, in dem Fall ist noch mal das Kohlenstoff-Thema, also Carbon Certificates zu generieren, und zwar entlang der Frontline des, der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes. Das ist ja so, dass der Wald wird ja nicht irgendwo zerstört, sondern es gibt immer irgendwie eine, irgendwo gibt es eine Front, die ist jetzt auch nicht leider gerade einfach in der Mitte vom Amazonas, aber es gibt so verschiedene Entwaldungs— Sagt man da auf Deutsch Entwaldungsfronten? Und da ist es auch möglich, mit Hilfe von KI in sehr hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung diese Entwaldungs— also wirklich im Moment sind wir dabei, sozusagen auf jeden Fall schon im Wochenrhythmus vorherzusagen, wo entwaldet wird. Und das macht natürlich— das ist auch ein interessantes Geschäftsmodell, weil es zum einen Menschen, die diese Wälder, oder auch der Staat, der diese Wälder besitzt, entlang dieser, an diesen Entwaldungsfronten, der ist, der fühlt sich oft ohnmächtig, weil diese Entwaldungen sind oft illegal. Und wenn man jetzt an einer Entwaldungsfront Wald besitzt, dann wollen die Besitzer den häufig ganz, ganz schnell loswerden, weil sie den gar nicht mehr verteidigen können. Und aus dieser Kombination, wir wissen jetzt sehr genau, wo diese Fronten sind, der Wald oder diese, diese Nutzungsrechte sind sehr billig zu haben, weil leider weiß keiner, wie man den schützen kann, könnte man, das ist die Idee, dann, relativ sehr schnell Kohlenstoffzertifikate für, für vermiedene Entwaldung generieren und Und so nicht eben Wald irgendwo schützen, der vielleicht gar nicht bedroht ist, sondern eben wirklich den Wald an diesen Entwaldungsfronten. Und das, ja, sieht im Moment nach so einem ganz interessanten Geschäftsmodell aus. Und dann haben wir aber natürlich— eigentlich jeder, der irgendwie natürliche Ressourcen verwendet und braucht, der muss auch so ein Interesse haben an diesen hohen zeitlichen und räumlichen Datenauflösungen. Also das fängt ja bei so banalen Sachen an wie Sicherung von Ernten. Kunden. Also auch gerade wieder dieser Internet-der-Tiere-Ansatz, der wird uns in Zukunft erlauben, nicht einfach nur das Wetter vorherzusagen, sondern eben mit sehr hoher Präzision Extremwetterereignisse zum Beispiel. Das kann für einen Landwirt bedeuten, wenn der— also der lässt ja— möchte sein Getreide möglichst lange stehen lassen, damit das möglichst nicht mehr sehr feucht ist, wenn er das drischt. Aber was natürlich nicht passieren darf, ist, dass es ein Platzregen regnet, eine Stunde bevor der eben dreschen wollte.

Zackes Brustik: Und ist klar, dass wir da sozusagen dem durchschnittlichen ZDF-Wetterbericht jetzt nicht so massiv vertrauen können.

Frauke Fischer: Diese Modelle sind schon sehr gut, aber der Landwirt müsste eigentlich wissen, jetzt da hinten ist mein Feld, da für mich wäre es besser, ich könnte das Getreide noch 5 Tage stehen lassen, aber jetzt kommen da ja, kommen da ja dunkle Wolken und für den wäre es eigentlich gut zu wissen, wird es, wird es wirklich auf meinem Feld regnen oder wird ist, 3 Kilometer weiter östlich regnen. So genau sind die Wettervorhersagen im Moment nicht.

Zackes Brustik: Aber wie kommt da jetzt das Internet der Tiere zum Spiel?

Frauke Fischer: Zum Beispiel Zugvögel reagieren extrem empfindlich auf irgendwelche Luftdruckänderungen etc. und versuchen natürlich extreme Winde und extreme Niederschläge unter Umständen zu umfliegen. Das heißt auch da wieder, wenn wir, wenn diese Zugvögel mit diesen Sensoren ausgestattet sind und es geht dann eben da nicht darum, also da hilft dann KI, dass wir nicht Millionen von Zugvögeln mit Sendern ausrüsten müssen, sondern einen Set an möglichst verschiedenen Tierarten und die KI verschränkt diese Informationen und kommt dann hoffentlich zu relativ hohen zeitlich und räumlich auflösenden Informationen, die wir dann nutzen können.

Zackes Brustik: Jetzt haben wir ultra viel gelernt. Es ist wirklich so, GenAI kann unglaublich viel oder auch KI und quasi diese unglaublich leistungsstarken Modelle können Muster erkennen, die man bisher nicht so einfach erkennen konnte. Und da ist quasi auch der Sprung weg von maschinellem Lernen hin zu dem, was die ganzen Large Language Models machen, wo man vielleicht auch gar nicht auf Anhieb versteht, was genau sie machen, aber sie kommen zu Ergebnissen, die wirklich relevant sind und die so punktgenau sind, dass ganz neue Businessmodelle möglich werden. Was muss ich machen, wenn ich jetzt irgendwo mit meinem Unternehmen in Deutschland sitze, irgendetwas produziere, um da auch irgendwie so die ersten Schritte zu machen, um zumindest auch bei meinem Gegenüber, und das ist ja meistens der Vorgesetzte, die Bereitschaft zu haben, okay, jetzt gucken wir mal dahin und du darfst jetzt irgendwie bisschen deine, deine wertvolle Personenstunden darauf anwenden? Weil, wie du— wie wir anfangs gesagt haben, meistens heißt es ja: Nee, guck doch mal eher das CO2-Thema an. Hast du so ein paar generalisierte Tipps?

Frauke Fischer: Also der erste wichtige Tipp ist, dass man eigentlich auf Biodiversität und Ökosystemleistung gucken muss. Also weil, weil der Frage des Klimawandels geht es darum, wie leben wir in Zukunft. Bei der Frage des Verlusts von Biodiversität geht es um die Frage, leben wir in Zukunft? Und bevor wir, aussterben, werden natürlich unsere Wirtschaftssysteme— und, und unsere Gesellschaftssysteme kollabieren. Und wir sind, wie wir ja aus diesem UK-Bericht da hören, gar nicht mehr so weit davon entfernt. Das heißt, die— was wirklich super wichtig ist, ist erstmal zu verstehen, was ist das denn überhaupt für ein Thema? Also warum ist denn das so wichtig? Dann auf Unternehmensebene ist eigentlich genau das, was wir eben als Dienstleistung anbieten, zu gucken, wo hängt mein Unternehmen von Biodiversität und Ökosystemleistung ab? Wie wirkt mein Unternehmen da drauf? Weil erst wenn ich das erkenne, wenn ich das weiß, kann ich ja strategisch die richtigen Entscheidungen treffen. Also, es macht eben Unterschied, ob ich auf Rohstoffe zugreife, die aus Indien kommen oder ausm Harz. Es macht einen Unterschied, ob ich ein Business habe, was sehr wasserintensiv ist, oder eins, was— wo andere Rohstoffe wichtig sind. Und damit man da die richtigen strategischen Entscheidungen treffen kann, muss man einfach wissen, zumindest für den Sektor, idealerweise aber für wirklich die eigene Wertschöpfungskette, wo sind die Abhängigkeiten, wo sind die Einflüsse.

Zackes Brustik: Es ist ein komplexes Thema, es lohnt sich dranzugehen, und wie wir gehört haben, es lohnt sich wirklich auch, also ich glaube, man kann Chef oder Chefin auch versprechen, da sind Businessmodelle möglich, wenn man sich wirklich gründlich damit auseinandersetzt.

Frauke Fischer: Auf jeden Fall. Also noch eine Zahl, manche Zahlen kann ich mir nicht gut merken, aber eine, die ich mir gut merken kann, wenn wir uns angucken, die, das Potenzial Potenzial von Antikrebswirkstoffen aus den Weltmeeren, das wird geschätzt auf einen monetären Wert von einer halben Billion bis zu fast 500 Billionen Euro. Das heißt, wir reden— und das sind, da sind wir eigentlich wieder, wo wir haben am Anfang gestartet, was ist der Wissensvorsprung der Natur? Der Wissensvorsprung der Natur sind eben auch solche Wirkstoffe. Und da gibt es auch neue Geschäftsmodelle und neue Möglichkeiten, Geld zu verdienen, aber die gibt es eben nur, wenn es uns gelingt, diese Ökosysteme zu erhalten. Und wir tendieren, glaube ich, immer ein bisschen dazu, dass wir denken, ah nee, wir sind schon so der Weisheit letzter Schluss und wir— viel tollere Ideen als die, die wir bisher hatten, gibt es gar nicht. Aber es lohnt eben der Blick in die Natur auch, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Zackes Brustik: Kurz nachgefragt, weil das stand ja auch in deinem Buch, ne, 70% aller Wirkstoffe gegen Krebs kommen aus den tropischen Wäldern. Also sind dann eben die ganzen großen Unternehmen dieser Welt, die Wirkstoffe gegen Krebs herstellen, sind die dann da schon aktiv dabei, alle dabei, Regenwald zu schützen oder Businessmodelle umzusetzen?

Frauke Fischer: Nee, also sagen wir mal, sie sind alle intensiv dabei, dieses Sourcing da zu machen, diese Bio-Prospektion, das schon. Aber sie sind nicht— dummerweise nicht dabei, also sich aktiv zu beteiligen am Regenwaldschutz. Das hat natürlich blöderweise vielleicht auch ein bisschen mit so einem Konkurrenzdenken zu tun. Denn wenn ich— das ist ja grundsätzlich eigentlich das Problem— wenn ich Biodiversität und Ökosystemleistung schütze, dann helfe ich nicht nur mir, ich helfe auch meinem ärgsten Konkurrenten und keine Ahnung, allen möglichen anderen Leuten. Also wenn das Leben auf unserem Planeten

Zackes Brustik: auch in Zukunft lebenswert ist— Können andere

Frauke Fischer: damit Geld verdienen, das doof. Okay. Ja, ja, genau. Und trotzdem sind wir aber eben wirklich an so vielen Tipping Points, an so vielen Kipppunkten, dass das irgendwie— also so ein bisschen, man fährt zu viert im Auto, fährt mit 180 auf die Mauer zu und die drei anderen findet man blöd und trotzdem sollte man bremsen, weil der Unfall wird wahrscheinlich nicht so ausgehen, dass nur die anderen drei was abkriegen

Zackes Brustik: und man selber nicht. Okay, doch ein düsteres Bild zum Schluss. Aber wie gesagt, das geht das Thema an.

Frauke Fischer: Und ehrlich gesagt, ein Riesenfeld, was wir jetzt ja gar nicht angesprochen haben, ist natürlich naturbasierte Lösungen. Da liegen gigantische wirtschaftliche Potenziale und wir müssen mal mehr, glaube ich, nach vorne gucken, anstatt immer zu denken, ah nee, jetzt, jetzt haben wir schon alles, was wir brauchen und lasst uns mal Business as usual machen. Also als ich studiert habe, gab es ja noch keine Laptops und keine Smartphones und noch kein Internet und da haben trotzdem auch ein paar Leute gedacht, ach komm, lass uns doch mal weiterdenken, obwohl ehrlich gesagt mit so einem Taschenrechner war man doch eigentlich habe ich mich auch schon ganz gut bedient. Und ich glaube, so muss man es ein bisschen sehen. Also wir können auf unserem Planeten viel erfolgreicher, viel angenehmer und viel zufriedener und wirtschaftlich auch viel, viel erfolgreicher leben, wenn wir die Assistenzwirkung der Natur besser erkennen.

Zackes Brustik: Das finde ich ein großartiges Schlusswort. Also, und nutzt das, schaut, was ist in eurem Bereich möglich, geht erste Schritte und dann schaut wirklich, wo könnte euch das, was wir ganz neu an Geräten zur Verfügung haben, was weit über diesen Taschenrechner hinausgeht, Was könnte da zum Durchbruch verhelfen und in eurem Bereich vielleicht eine Lösung etablieren, die es vorher noch nicht gab? Oder ist vielleicht jetzt endlich der Business Case möglich, der vor 10 Jahren noch nicht relevant war, ist jetzt aber dank der Effektivität und Effizienz möglich? Das Buch, ich lege euch wirklich ans Herz, da sind so viele Sachen drin, die wir hier gar nicht ansprechen konnten, deswegen ist es ja ein Buch und nicht nur eine Podcast-Folge. Kann KI die Natur retten? Rund 215, 220 Seiten. Es wirklich, Frauke hat ein wunderbares klaren Schreibstil. Es sind so viele greifbare Beispiele dabei, wo man sich entweder an den Kopf fasst oder denkt: Krass, wie cool, warum habe ich das noch nicht gewusst? Und das muss man natürlich auch noch erwähnen: Du hast das Buch nicht alleine

Frauke Fischer: geschrieben, sondern auch mit einer Co-Autorin. Genau, Hilke Oberhansberg, die ist Wirtschaftswissenschaftlerin, und wir haben natürlich auch, weil wir ja nicht unbedingt die Super-KI-Experten ursprünglich waren, wir haben ganz hochkarätige Korrekturleser gehabt von der TUM und von einem großen IT-Unternehmen, die noch mal genau geguckt haben, ob alles, was wir zu KI schreiben, ob das auch stimmt. Und die waren sehr zufrieden, haben gesagt, stimmt alles.

Zackes Brustik: Also man kann das guten Gewissens lesen. Wir verlinken das in den Shownotes und wie Frauke auch schon gesagt hat, wer noch viel, viel tiefer in das ganze Tierthema einsteigen will, hört gern Podcast, auch den findet ihr in den Shownotes.

Frauke Fischer: Vielen, vielen Dank, Frauke.

Zackes Brustik: Sehr gerne. Das war ein wilder, munterer Ritt durch all diese Themen, die mich wirklich faszinieren. Freut euch schon auf die nächste Folge, abonniert den Podcast, wie eingangs schon gesagt, dann verpasst ihr verpasst ihr keine der Folgen, abonniert den Newsletter, zackes.com/newsletter. Anscheinend kommt er sehr gut an, ich freue mich sehr drüber, also gönnt euch auch diese Informationen, ich schick die auch so ro— roundabout einmal im Monat raus und schickt mir eure Themen. Wenn ihr das Thema Biodiversität schon erfolgreich angeht in eurem Unternehmen, schickt mir das gerne, dann bringe ich das in einem der kommenden Newsletter, weil ich glaube, das ist ein Thema, das unglaublich davon lebt, zu sehen, dass andere es schon schaffen und zu schauen, wie sie das schaffen, dass der eigenen Geschäftsführung gegenüber zu argumentieren. Ich glaube, daran scheitert das. Ich glaube, ganz viele von euch trauen sich wahrscheinlich erst gar nicht, das anzusprechen, weil sie denken so, okay, ich habe eh schon so einen schweren Stand gerade, jetzt auch noch mit Biodiversität kommen— also wenn ihr gute Beispiele habt und wisst, wie ihr das gut platzieren könnt, schickt sie mir, ich teile sie im Newsletter. Bis zur nächsten Folge!

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