Energie-Klartext: Was Sustainability Manager wirklich über Deutschlands Stromdebatte wissen müssen. #100
Shownotes
Zu teuer, zu politisch, zu komplex – das deutsche Energiesystem spielt für viele Sustainability Manager eine große Rolle. Aber kaum einer blickt wirklich durch. Zwischen politischen Schützengräben und fossilen Narrativen ist der sachliche Blick auf Fakten und zukunftsfähigen Lösungen verlorengegangen. Wer das Thema unternehmensintern vorantreiben will, betritt ein politisches Minenfeld - zuletzt verschärft durch Ministerin Reiches Netzpaket 2026.
Im Gespräch mit Podcast-Host Zackes Brustik räumt Tim Meyer das Thema für dich auf. 25 Jahre Erfahrung im Energiemarkt, u.a. als Geschäftsführer von Naturstrom, Vorstand beim Bundesverband Neue Energiewirtschaft und Autor des Buchs „Strom" – und vor allem: jemand, der unbequeme Wahrheiten klar benennt und komplexe Themen gut erklärt.
Nach dieser Folge weißt Du, wie du den Preisschmerz und die regulative Irrfahrt nutzt, um als Sustainability Manager die Dekarbonisierung zurück in den Fokus des Boards zu holen. Entscheidend sind clevere Maßnahmen und Stichworte wie Power Purchase Agreements (PPAs), Peak Shaving oder atypische Netznutzung.
✅ Warum hohe Strompreise nichts mit der Energiewende zu tun haben.. ✅ Was das Verteilnetz mit eurer Unternehmensstrategie zu tun hat – und warum 5 Milliarden Euro einfach verschenkt werden. ✅ Wie PV, Speicher und Co euch hinter dem Zähler (Behind the meter) euer Unternehmen heute schon unabhängiger und resilienter machen. ✅ Wie ihr den Business Case für Energieeffizienz und Dekarbonisierung intern vertretet – ohne in die politische Falle zu tappen.
Diese Folge schlägt den Bogen von der großen Debatte hin zu euren Unternehmensentscheidungen – sachlich, faktenbasiert und mit den richtigen Stichworten für dein nächstes Gespräch mit dem C-Level.
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SHOWNOTES: Tim Meyer bringt über 25 Jahre Erfahrung im Energiemarkt mit. Unter anderem als Geschäftsführer von Grünstromwerk und Board Member von Naturstrom. Aktuell ist er mit 3EPunkt selbständig als freier Energieexperte und Berater. Zudem ist er Autor des Buches 'Strom' und bloggt mehrmals wöchentlich auf LinkedIn: 🔗 https://www.linkedin.com/in/tim-meyer-466a7626/?locale=en_US 🔗 https://www.strom-das-buch.de 🔗 https://3epunkt.de
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Tim Meyer: Wir haben jetzt historisch diese einmalige Situation, dass der Case, dass die wirtschaftliche Logik, dass auch das Risikomanagement in Unternehmen völlig in der gleichen Richtung unterwegs ist, wie das, was wir eh wollen, nämlich wir nennen das Energiewende, also dekarbonisieren, elektrifizieren und so weiter. Und das müssen die Köpfe jetzt reinkriegen. Das ist schon noch ein bisschen Überzeugungsarbeit, aber wir haben die Fakten auf unserer Seite und das hat tierisches Momentum. Die Überforderung im Stromnetz, im Verteilnetz, sie wird eine Weile bleiben. Es gibt eine ganz natürliche Folge davon und die sehen wir auch schon so ein bisschen. Das ist nämlich, dass sich die Unternehmen noch mehr selber auf den Weg machen, Dinge anzupacken hinter dem Zähler, wie man sagt. Also eben nicht im öffentlichen Stromnetz, sondern behind the meter, weil da habe ich viel mehr Freiheit. Und es gibt auch eine sehr spannende Regelung für viele, das nennt sich atypische Netznutzung. Das ist ein Sonderfall, wo ich richtig massiv Netzentgelte sparen kann.
Zackes Brustik: In dieser Folge widmen wir uns einem der heißesten Themen, das Deutschland gerade die Energiestrategie unseres Landes, ein wirklich explosives Thema, gerade wenn es auf Social Media angeschnitten wird, aber auch eins, das man unternehmensintern zum Beispiel mit der C Suite nur mit Samthandschuhen anfassen kann. Denn es tun sich hier sehr tiefe Glaubensgräben auf. Die einen sehen zum Beispiel aktuell in Ministerin Reiche jemanden, der endlich im Sinne der Wirtschaft handelt, Die anderen sehen in ihr einfach nur eine abgebrühte Lobbyistin, die ihre Wordings direkt von E on übernimmt. Irgendwo dazwischen müssen wir aber unbedingt auf einen gemeinsamen Nenner kommen, denn klar, Deutschland braucht wirklich dringend niedrigere Stromkosten, um wettbewerbsfähig zu werden. Und auch klar, in diesem ganzen Wirrwarr müsst ihr mit eurem Unternehmen jetzt kluge Entscheidungen treffen, um unabhängiger und resilienter zu werden. Unabhängiger von dem ganzen regulativen Wirrwarr und hin und her zwischen der einen und der nächsten Legislaturperiode und resilienter in Bezug auf Preisschocks, wie jetzt zum Beispiel durch die Iran Krise. Das Unser Energiesystem und unsere Energiepolitik ist wirklich ein Buch mit nicht nur 7, sondern 31 Siegeln. Keiner blickt so richtig durch. Selbst Branchenexpert innen sehen immer nur einen Teil des Bildes. Und daher scheinen wir uns immer nur so auf den minimalsten schlechtesten Kompromiss einigen zu können. Christian Stöckert hat gerade kurz vor Scheinen der Folge im Spiegel Wir machen genau die gleichen Fehler wie damals im Breitbandausbau. Wir entscheiden uns für die teuerste und langsamste Variante. So, so soll es natürlich nicht laufen, weil wir hier wirklich historische Weichenstellungen vornehmen. Und so muss es auch nicht laufen, sagt mein Gast dieser Folge. Er sagt die Energierevolution, die Dekarbonisierung und Elektrifizierung lässt sich nicht aufhalten. Wir können uns nur entscheiden, ob wir auf der richtigen oder falschen Seite stehen. Sein Name ist tim Meier. Seit 25 Jahren ist er im Energiemarkt tätig, unter anderem als Geschäftsführer von Grünstromwerk oder Naturstrom. Seit ein paar Jahren unabhängiger Experte und Berater mit e-punkt aus dem Vorstand des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft und und Autor des Buches Strom. Zudem hat er gerade erst eine Analyse zum Verteilnetz geschrieben, die in der Fachpresse rundgeht. Für uns ist in dieser Folge aber vor allem der Mensch, der uns hilft, in diesem Thema endlich durchzublicken. Es erwarten euch grob drei a die Basics, endlich das Energiesystem in Deutschland verstehen, b Mitreden können auf Unternehmensebene und dabei auch den ein oder anderen Mythos aus der Telekom Gruppe entkräften können und c Wirklich gute Entscheidungen für euer Unternehmen treffen können. Und damit herzlich willkommen bei Gewinne Zukunft, dem Nachhaltigkeitspodcast der Pioniere und Professionals. Mein Name ist Zakes, Ich freue mich enorm, mit euch frisch aus der Osterpause zu kommen. Es geht wieder los. Ihr habt auch gemerkt, mein Newsletter hatte gerade ein bisschen längere Pause, unter anderem wegen den Osterferien, aber er ist wieder Am Start. Unter www.zackes.com/newsletter könnt ihr einsteigen. Es hat sich super viel Spannendes gesammelt. Abonniert ihn und ihr kriegt richtig, richtig viele coole Infos an die Hand. Aber jetzt geht's los. Herzlich willkommen, Tim Grüß dich, Zackes.
Tim Meyer: Danke für die Einladung.
Zackes Brustik: Richtig cool, dich hier mit an Bord zu haben. Ich muss ehrlich sagen, das Thema ist echt anspruchsvoll. Ich durfte ja für the Smarter E, das werden die wenigsten kennen, aber das ist die bedeutendste Plattform für alles, was mit Energiewende in Deutschland zu tun hat. Über 100 Podcast Folgen moderieren zwar die englischen mit internationalem Ausblick, aber ich muss ehrlich sagen, ich fühle mich genauso unklug wie vor diesen Folgen. Das Thema ist so komplex und selbst wenn du Experten fragst, können die dir immer nur einen Teil dieses Systems beleuchten und nicht das andere. Das ist so ein bisschen wie dieses Bild mit Elefanten. Die einen sehen den Rüssel, die anderen den Fuß. Also wie viel können wir jetzt meinen Zuhörern für die nächsten 60 Minuten überhaupt versprechen?
Tim Meyer: Richtig viel, weil ganz viel von dem, was du da beschreibst, liegt daran, dass in teilweise Unwahrheiten, teilweise Fehlinformationen, die eigentlich sehr klaren Muster verborgen sind. Und die werden da viel Nebelkerze gezündet. Die lesen wir gleich mal schön frei, die Strukturen und dann kann man das schon ganz gut verstehen, worum es da im Großen und Ganzen geht.
Zackes Brustik: Heißes Thema, steigen wir erst mal da ein. Ich habe es in der Anfangsmoderation gesagt, schwierig zu diskutieren. In den letzten Regierungen war Robert Habeck das Reizthema. Die einen haben ihn gefeiert, die anderen haben ihn gehasst. Jetzt hat sich das wirklich diametral gedreht mit Ministerin Reicher wieder. Die einen hassen sie, die anderen feiern sie. Also ist zwischen diesen Graben, findet da überhaupt noch eine gute Diskussion statt?
Tim Meyer: Ich glaube zu wenig, weil du beschreibst eigentlich einen Kern des Problems, das wir hier haben, nämlich dass diese ganze Diskussion viel zu politisch aufgeladen ist und deshalb der eher nüchterne Blick auf Zahlen, auf reale Entwicklungen und Zusammenhänge verloren geht, weil dann auch schnell Schotten dicht gemacht werden, wenn du nur ein Stichwort sagst. Das ist schade und hoffentlich können wir da heute ein bisschen vorankommen.
Zackes Brustik: Auf jeden Fall. Wir werden nachher auch noch wirklich das Ganze in den globalen Kontext setzen, weil ganz, ganz wichtig ist, wie Deutschland sich zwischen den USA und China positioniert und welche ganzen Deals da im Hintergrund diese Diskussion beeinflussen. Aber wir starten mit den Basics. Was muss ich über das deutsche Stromsystem wissen? Wie sind wir aufgestellt? Was sind die wichtigsten Komponenten, die immer wieder in der Debatte vorkommen?
Tim Meyer: Ich versuche es mal ein bisschen abzuschichten, weil wie du schon sagst, es ist ja nicht ganz unkomplex. Was muss man wissen, um das deutsche Energiesystem, vor allem das Stromsystem zu verstehen und auch sozusagen den Hintergrund der Diskussion über Energiewende, weil ja ganz häufig dann der Kontext kommt mit, ja, Deindustrialisierung und solchen komischen Erzählungen. Also zuallererst muss man, glaube ich, verstehen, jetzt erstmal auf Strom fokussiert, was denn eigentlich die Strukturen sind, die die Kosten da prägen. Deutschland hat relativ hohe Strompreise, das ist richtig. Die Frage ist warum? Und da gibt es zwei ganz wesentliche Punkte, die man verstehen muss. Der erste ist, dass Strompreise gesetzt werden, gemacht werden, vor allem wenn sie hoch sind. Dann von der recht teuren Verstromung von Erdgas. Das ist preissetzend in der sogenannten Merit Order. Das heißt, immer wenn Stromangebot eher knapp ist und viel Nachfrage, braucht man flexible Gaskraftwerke. Gas ist sehr teuer, CO ist teurer geworden zum Glück. Also ist es der teuerste Strom, der setzt den Preis. Es gibt auch Phasen, wo der Strom günstig ist. Das ist immer dann, wenn viel Erneuerbare im System ist, weil die halt billig sind. Das heißt, dass durchschnittlich die Strompreise im Großhandel deutlich gestiegen sind in den letzten Jahren. Das liegt am Gaspreis. Das hat nichts mit Energiewende zu tun. Das Gegenteil ist richtig. Durch den Ausbau der Erneuerbaren sind die Energiepreise im Großhandel massiv gesunken. Wir haben jetzt gerade, du hast Iran angesprochen, sehr spannende Entwicklung, dass die Gaspreise zwar deutlich gestiegen sind um 50 Prozent, Strompreise aber nicht. Es entkoppelt sich sogar langsam, weil immer häufiger die Erneuerbaren dann eben das Gas rausdrängen und damit den Preis setzen. Das ist eine gute Nachricht, muss man verstehen. Hohe Energiepreise liegen am Gas, nicht an den Erneuerbaren. Die zweite Komponente, die dann genannt wird, ist ja aber die Netze. Also die Erneuerbaren alleine sind es ja nicht. Wir brauchen ja alles mögliche andere. Richtig, Wir brauchen Reservekraftwerke. Wir brauchen auch mehr Netze, allerdings überhaupt nicht in dem Ausmaß, wie es kolportiert wird. Und auch im Rückblick, weil ja gesagt oh, jetzt gehen die Firmen weg wegen Energiewende. Das stimmt nicht. Die Netzentgelte, die sind ja Ausdruck dessen, was wir an zusätzlichem Netzausbau brauchten sozusagen. Die Netzentgelte sind nur um einen Bruchteil dessen gestiegen, was eben die Energiepreise gestiegen sind durch teures Gas.
Zackes Brustik: Nur kurz. Der Strompreis setzt sich zusammen aus den unterschiedlichsten Faktoren. Netzentgelt sozusagen, das ist das Geld, was reinfliesst für den Betrieb der Netze, was wir brauchen zum Ausbau der Infrastruktur. Dann kommt da drauf der Gaspreis, der dann mit den Import und Börsen, Börsenentwicklung zu tun hatten. Das sind zwei der wichtigen Bestandteile.
Tim Meyer: Genau, also der Gaspreis, der Energiepreis insgesamt, der setzt sich zusammen über den Strommarkt sozusagen aus allen möglichen Stromquellen. Da ist eben das Gas, macht aber den Strom dann teurer. Und die dritte Komponente sind staatliche Abgaben, Steuern und so weiter. Die sind auch sehr relevant, auch die sind bei uns ein bisschen höher, deshalb ist der Strompreis bei uns höher. Ganz wichtig auch muss man verstehen, wenn man Preisvergleiche sieht, zum Beispiel mit dem europäischen Ausland ging jetzt wieder einer durch die Presse, da stand dann drin, ja In Deutschland irgendwie 40 Cent, woanders dreiig. Da muss man wissen, dass in Deutschland, gerade was Haushaltskunden angeht und auch Gewerbekunden, da sind Verträge üblich mit längerer Laufzeit, ein bis zwei Jahre, die haben ihren Sinn darin, dass die Kunden sich absichern vor Preisschwankungen, weil lange fester Preis heißt aber auch, dass ich länger den teuren Einkaufspreis von vor zwei Jahren sehe. Ich muss also immer vergleichen, was kostet Strom für einen Neukunden, weil das der aktuelle Marktpreis und der Neukundenpreis in Deutschland ist für Haushalte nicht 40 Cent, sondern 30 im Durchschnitt oder sogar noch darunter. Das heißt, da muss man immer auch höllisch aufpassen, was wird eigentlich verglichen. Ist leider komplex. Im Ergebnis ist aber bei Neukunden der Strompreis in Deutschland noch immer etwas höher als in vielen anderen Ländern in Europa, aber überhaupt nicht so krass, wie das häufig durch die Presse geht. Und Grund ist eben, wie gesagt, eine andere Struktur, die wir haben, andere teilweise Abgaben und eben nicht die Energiewende.
Zackes Brustik: Das waren jetzt die Preise. Was muss ich über die Infrastruktur wissen? Also welche Netzbetreiber gibt es, Was ist der Unterschied zwischen Übertragungsnetz und Verteilnetz und wie beeinflusst das auch die ganze Debatte?
Tim Meyer: Wir haben in den letzten Jahren recht viel gesprochen in Deutschland über die Übertragungsnetze, die werden dann Stromautobahnen genannt, weil da war absehbar schon vor einigen Jahren ein Engpass, dass zum Beispiel Windstrom, der im Norden Deutschlands ja viel erzeugt wird, nicht genügend Netzkapazität findet, um in den Süden zu kommen. Mittlerweile haben wir zusätzlich umgekehrt, dass Solarstrom aus Bayern gar nicht mehr daraus raus transportiert werden kann in andere Regionen, zum Beispiel in den Norden. Und dieser Langstreckentransport von Strom geht über Übertragungsnetze Da gibt es vier Übertragungsnetzbetreiber und es gibt Gesetzgebung, die wurde auch in den letzten Jahren angeschoben, das deutlich zu beschleunigen, dass die Kapazitäten ausgebaut werden. Das ist auch ganz gut unterwegs. Da gibt es einen Rückstau immer noch, aber das ist so halbwegs unterwegs. Was wir nicht diskutiert haben und kaum jemand auf dem Zettel hat, ist der berühmte Satz, die Energiewende findet im Verteilnetz statt. Und das ist sehr richtig. Das heißt, der findet eben nicht vornehmlich da statt, wo ich Stromautobahn baue, sondern alles darunter. Das ist von Niederspannung, nennt man das, also da, wo wir Haushalte angeschlossen sind, was du in der Steckdose hast, aber auch die Mittelspannung und sogar die Hochspannung Volt zählt noch zum Verteilnetz. Also fast alles. Da reden über zwei Millionen Kilometer Gabel und Leitung richtig, richtig viel. Und da sind 60 bis 70 Prozent der gesamten Kosten des Stromnetzes sind im Verteilnetz. Und da haben wir bisher fast gar nicht drüber gesprochen und vor allem schlimmer noch fast nichts dafür getan, das zu modernisieren und auf Energiewende vorbereiten. Es ist totaler Flickenteppich. Wir haben 850 verschiedene Netzbetreiber, die diese Netze planen und betreiben in verschiedenen Standards. Da passt vieles nicht zusammen. Das treibt die Kosten, können wir gleich vertiefen. Aber das ist sozusagen der eigentliche Pudelskern, der ein bisschen unbequem ist politisch und
Zackes Brustik: deshalb liegengeblieben ist, wenn wir über das Verteilnetz reden. Das also alles, wo ich mit dem Privathaushalt, aber auch mit dem ganzen Gewerbe und mit meiner Firma angeschlossen bin, ich glaube jetzt Unternehmen, die direkt an das Übertragungsnetz angeschlossen sind, da gibt es nur ganz, ganz, ganz, ganz wenige, irgendwie 200 ich weiß nicht, die größten Stahlwerke in Deutschland oder VW oder sowas, Also für unsere Zuhörer innen hier wahrscheinlich nicht relevant. Verteilnetzbetreiber, wie viel gibt es denn da? Vier Übertragungsnetzbetreiber habe ich, gibt es dann 16 Verteilnetzbetreiber?
Tim Meyer: Ne, es gibt eben 850, es ist historisch gewachsen, hat viel mit kommunaler Daseinsvorsorge zu tun und auch mit der Idee von Rekommunalisierung, dass es ja jahrzehntelang eine gute Idee war, als Kommune zu Ich habe einen eigenen Netzbetrieb, weil damit kann ich ja Geld verdienen. Und das stimmt, damit konnte man früher sehr viel Geld verdienen, teilweise immer noch richtig viel Geld verdienen. Und das war wichtig im kommunalen Querverbund, um damit zum Beispiel ÖPNV quer zu finanzieren oder Schwimmbäder und solche Dinge. Deshalb haben viele Kommunen gerne es selber gemacht. Es sind aber auch sehr große Netzbetreiber in teilweise privater Hand, die auch sehr viel Geld verdienen, wo dann die Strukturen ganz andere sind, wo ich wirklich große Flächen habe in der Hand eines Netzbetreibers. Trotzdem auch da eben Flickenteppich. Und muss man immer bedenken, das sind Monopole. Da muss man sehr genau gucken, wie man die managt, auch mit Regulierung so managt, dass die effizient bleiben.
Zackes Brustik: 850 Verteilnetzbetreiber klingt ja nach Wettbewerb, also vier Übertragungsnetzbetreiber. Dass es so ein abgekartetes Spiel ist, könnte ich mir vorstellen. Aber bei 850 Playern, naja, es sind
Tim Meyer: immer Monopole, weil die sind ja nicht in einem Gebiet, sondern Netz ist natürliches Monopol. Es lohnt sich nicht, volkswirtschaftlich oder betriebswirtschaftlich zwei Kabelstränge nebeneinander im Wettbewerb in die Straße zu verbuddeln, um zu gucken, wer macht es besser. Das heißt, du hast immer regionale Gebietsmonopole und es bleibt auch so. Und deshalb gibt es eben gerade keinen Wettbewerb. Was man machen kann, ist, man kann vergleichen, man kann benchmarken und überlegen, wer macht es vielleicht einen Tick besser. Solche Elemente gibt es in der sogenannten Anreizregulierung. Das ist das Rechtswerk, das vorschreibt, wie dürfen Netzbetreiber kalkulieren, Kosten anrechnen und Gewinne erwirtschaften. Da gibt es solche Elemente ein bisschen, aber eben viel zu wenig und vor allem nicht auf die Zielgrößen hingeführt, die wir heute brauchen.
Zackes Brustik: Wenn du jetzt sagst, da sind super viele in kommunaler Hand und die erwirtschaften gut, ist ja toll. Ich meine, dann zahle ich zwar viel Strom, aber der fließt in mein Schwimmbad oder in mein ÖPNV. Klingt doch jetzt erst mal nicht so verkehrt.
Tim Meyer: Der Teil, wo es wirklich nur in Anführungszeichen um die hohen Renditen geht, da stimme ich dir zu mit der Einschränkung, dass dann wir aber bitte auch nicht diskutieren sollten, Strom so teuer ist. Das macht es nämlich intransparent. Das heißt, da wäre ich eher dafür zu Lass mal die Renditen auf ein normales Maß absenken und dafür anderes Geld in die Hand nehmen, vielleicht Steuergeld, um wichtige Leistungen vor Ort in den Kommunen besser zu finanzieren. Dann hätten wir immerhin schon mal dieses Narrativ weg. Strom ist so teuer. Aber wichtig ist, das ist nur ein Teil dessen, was wir da an Geld wirklich liegen lassen. Der größere Teil sind klassische effizienzverluste. Wenn du 850 verschiedene technische standards hast in Deutschland und die haben wir, dann kannst du nur kleine Mengen ausschreiben. Beispielsweise, wenn du ein kleiner Netzbetreiber bist, dann kaufst du mal einen Trafo in einer Sonderanfertigung, den es sonst nie wieder gibt. Na klar ist der viel teurer. Du hast, selbst wenn du viele Komponenten kaufst, immer kleineres Volumen. Du kannst diese ganzen Skaleneffekte überhaupt nicht heben. Du hast 850 Software Systeme, auf denen du verschiedene Abrechnungen führst. Wenn du eine Abrechnung nändern musst, alle zwei mal im Jahr, ist es der Fall, dass sich Softwareprotokolle und Anforderungen ändern, Dann musst du es zig hundertfach in Software bringen. Das sind ja alle Strukturkosten, die es ineffizient und vor allem fast auch schlimmer, langsamer machen. Und es gibt schon einen Grund, dass wir so schlecht digitalisiert sind im Verteilnetz. Smart Meter haben viele mal gehört, wir haben vier Prozent nur der Stromzähler in Deutschland sind intelligent. Das heißt, die können zeitaufgelöste Daten. Das ist ein Trauerspiel. Da sind wir Schlusslicht. Das hat alles damit zu tun, dass Digitalisierung Standards braucht.
Zackes Brustik: Ich glaube, es war lange Zeit nur ein Prozent. Das heißt, wir haben es immerhin geschafft, das um 400 Prozent zu steigern in den letzten Jahren.
Tim Meyer: 2026 witzig, Anekdote, ich war vor kurzem in China und habe mich da ein bisschen umgeschaut zur Energiewende mit Firmen gesprochen und da war beim Mittagessen eine chinesische Managerin, Autohersteller mit viel Digitalanteil und da kam ins Plaudern über Strom. Dann haben wir der erzählt, wie es in Deutschland ist. Wir haben da so Stromzähler, die werden einmal im Jahr abgelesen und diesen Gesichtsausdruck von dieser Frau, also so viel Entsetzen und Unverständnis kannst du gar nicht ausdrücken. Das ging nicht in ihren Kopf rein, dass wir im Jahr 2026 einmal im Jahr einen Stromzähler ablesen. Am besten noch irgendwie das Formular von links nach rechts faxen und glauben, damit könnten wir Energiewende machen. Das heißt Volatilität managen im Stromnetz, flexible Lasten, steuern, geht ja alles gar nicht,
Zackes Brustik: ist jetzt eben das Telegram Argument. Doch ich will nicht die Stasi im Keller haben. Also die Angst davor, dass wertvolle Daten aus dem Haushalt rausfliessen oder auch aus dem Unternehmen. Also ich meine Smart Meter im Unternehmen an jeder Anlage kann da nicht, vor allem wenn die dann aus China kommen, kann nicht der chinesische Wettbewerber genau wissen, was in meiner Produktion läuft, ob ich gerade steigere oder verlangsame.
Tim Meyer: Und zum einen sind die ja nicht aus China, die Smart Meter und zum anderen sagen das genau die Leute, die im Smartphone alles offen haben, alles auf amerikanische Cloud schieben. Ganz ehrlich, das ist so vorgeschoben, das ist mir fast schon zu albern, das zu diskutieren. Also wenn wir über Datensicherheit reden wollen und Daten Ownership, wichtiges Thema, auch nicht angreifbar sein in elektronischen und digitalen Infrastrukturen, super wichtiges Thema, hat mit Smart Meter aber 0,0 zu tun. Das kannst du organisieren und wenn du was Böses wolltest in deutschen Stromnetz, dann hackst du dich eher in die Wechselrichter rein. Da würde ich eher mal aufpassen, dass wir nicht zu viel, jetzt sage ich explizit auch chinesische Hardware drin haben, die dann irgendwie stillgelegt werden kann per Knopfdruck. Bei Solarwechselrichtern haben wir millionenfach drin und solchen Dingen, Steuerungstechnik, aber die Messdaten in Viertelstunden Auflösung, die ich gut schützen kann, die sind nun wirklich kein Argument.
Zackes Brustik: Jetzt habe ich eins gehört. Das Problem ist, du hast ja gesagt 850 kommunale Betriebe überwiegend oder viele darunter kommunal. Das Problem ist, die verdienen halt Geld, weil sie einen dem Zähler einbauen oder ausbauen. Und wenn ein Smart Meter ist, dann ist das Geschäftsmodell irgendwie hinüber, weil der auch geeicht werden muss und geprüft werden muss. Also der Zähler, ist das ein Problem, dass sie deswegen keine Smart Meter haben wollen?
Tim Meyer: Ne, das ist weniger das Problem, weil wie die Geld verdienen, ist sehr, sehr stark reguliert. Das ist jetzt weniger, ob die einen digitalen Zähler haben oder einen analogen. Das Kernproblem ist, dass die, womit ich Geld verdiene als Verteilnetzbetreiber, ist wesentlich über die Investition in, ich sage immer in Kupfer, also in wirklich die klassische Hardware des Netzes. Das funktioniert so, dass die ihre Kosten anmelden und so weiter. Und dann wird am Ende auf die Investitionskosten in Netz Hardware wird eine Rendite geschlagen, kalkulatorisch. Das heißt, wenn ich viel in Hardware investiere, habe ich mehr Rendite. Ich kriege nicht mehr Rendite, wenn ich bestehende Hardware besser auslaste. Das ist der eigentliche Irrwitz. Also jedes Unternehmen, auch die Nachhaltigkeitsmanagerinnen da draußen, wissen das. Maschinen muss ich auslasten, weil die stehen jetzt mal da Und dann muss ich gucken, dass ich die Auslastung hochkriege. Großen Durchsatz, großen Output in guter Qualität, weil das meine spezifischen Kosten verdünnt. Genau das tun wir nicht bei den Verteilnetzen. Das sind multihunderte Milliarden, die wir da verbuddelt haben. Es gibt keinen Anreiz zu sagen, hey, du Netzbetreiber hast was davon, wenn das höher ausgelastet wird. Es geht so weit, wir wissen nicht mal, wie die ausgelastet sind. Wir haben nicht mal Kennzahlen dafür. Auf den unteren Verteilnetzebenen.
Zackes Brustik: Da sind wir schon mittendrin in dem Paper, was du geschrieben hast in der Analyse vor zwei Wochen, Kostensenkungspotenzial im Verteilnetz. Also wer richtig nerdy einsteigen will, der sollte dieses Paper lesen. Ich verlinke es in den Shownotes. Aber einer der wichtigsten Punkte, den ich mitgenommen habe, ist, wir haben super viel Infrastruktur, die uns eigentlich erlauben würde, weniger Netzengpässe zu haben. Das Problem ist, wir nutzen sie einfach nicht aus, wegen zum Beispiel Vorschriften und weil wir sozusagen überproportionieren müssen. Das ist so ein bisschen, als hätte eine Firma ein Bürogebäude, da hat aber die Vorschrift, dass sie irgendwie nur ein Drittel des Traktes belegen darf und der Rest frei sein muss, falls, keine Ahnung, die Delegation aus Frankreich kommt oder so.
Tim Meyer: So ungefähr.
Zackes Brustik: Und das heißt, da ist ein riesiges Potenzial, wo wir Kosten senken könnten.
Tim Meyer: Absolut. Und in deinem Firmenvergleich ist es so, die Firma weiß noch nicht einmal, wann welcher Arbeitsplatz genutzt wird und hält deshalb noch mehr frei, weil könnte ja sein, dass er vielleicht genutzt wird. Man weiß es nur nicht, wo die Mitarbeiterinnen gerade sind. So abstrus ist das wirklich. Das hat eben mit Digitalisierung zu tun. Ich brauche Daten dafür. Und dann, das ist eben Kern des Problems, brauche ich überhaupt einen wirtschaftlichen Anreiz dafür? Und ein Unternehmen hat das automatisch, den wirtschaftlichen Anreiz. In einem Monopol muss ich diesen Anreiz quasi künstlich schaffen, durch die Art und Weise, wie die rechnen dürfen und wie ich deren Renditen ermitteln. Und das ist der Kernfehler. Das ist einfach früher so gewesen, da war es alles nicht so schlimm. Heute müssen wir, das ist eine Managementaufgabe, müssen wir es einfach ändern und die Anreize müssen gedreht werden. Hohe Auslastung von Netzen, muss mehr Erlös geben, auch gute Servicequalität für Netzkunden. Wir sind ja alle Netzkunden und viele haben schon mal gehört oder gelesen oder sind selber betroffen, wie lange es manchmal dauert, wenn ich eine Anfrage stelle, ich möchte einen neuen Netzanschluss machen für meine Wärmepumpe, für die Ladeinfrastruktur, für irgendwas, wie lange das dauern kann, bis ich überhaupt eine Antwort kriege. Und dann ist am Ende noch eine Ablehnung oder mit einer Aussage, ja in sieben Jahren kann ich dich anschließen und das hat ja alles auch mit Service Level zu tun und das ist eben nicht angereizt. Angereizt ist, verbuddel möglichst viel Kupfer, das ist deine Rendite. Das heißt, es ist gar nicht die Schuld jetzt von Netzbetreibern, dass das irgendwie teilweise so sperrig ist in Deutschland. Die Ursache liegt in der Art, wie wir Anreize machen.
Zackes Brustik: Das heißt ein Politikproblem und an der Stelle auch andere Länder scheinen das ja zu schaffen. Du hast ja gesagt, unglaublich wichtig ist die Digitalisierung, die Daten in der Hand zu haben. Ich glaube, Dänemark hat innerhalb von zwei Jahr per, ich sag mal, Executive Order die Smart Meter vorausgesetzt und gesagt, in zwei Jahren brauchen wir 100 Prozent Rollout, haben es geschafft und ich glaube auch für die Endkunden, für private Haushalte waren die Smart Meter kostenlos und seitdem sparen die als Volkswirtschaft richtig, richtig, richtig viel Geld. Warum kopieren wir sowas nicht?
Tim Meyer: Die Frage muss man sich wirklich stellen. Also es ist in Deutschland umgekehrt so, weil das alles sehr, sehr wahlfrei ist, muss dann ein Elektrikbetrieb, der mal welche verschraubt oder auch die großen Systemanbieter, die das tun, fahren die kreuz und quer durch ihre Region und sagen, ich habe einen in der Straße, dann fahre ich drei Kilometer ab, da hinten noch einen zu verbauen. Das ist natürlich horrend ineffizient. Wenn ich es einfach mal durch den Straßenzug so durchschrubbe, spare ich halt richtig Kosten. Ich glaube ein Kernfehler ist in der Anlage des ganzen systems, das muss 2016 gewesen sein mit dem Messstellenbetriebsgesetz. Da hat man Studien gemacht, die haben ausgerechnet, was haben denn Smart Meter für einen Nutzen. Und diese Studie damals wurde nur gemacht aus der Perspektive für den Netzbetreiber da vor Ort. Und da war man damals der Meinung, ist der Nutzen halt beschränkt, dass aber flexible Tarife, dass Batteriespeicher, dass all das riesen Optimierungspotenzial gibt, auch für die Stromnutzer, hat gar nicht interessiert. Dann kam eben raus, Smart Meter ist eigentlich doof Und mit dieser Idee Smart Meter ist doof, laufen wir seit zehn Jahren durch die Gegend und deshalb zwingen wir es auch keinem auf. Also ist ja kein. Also ich glaube, da ist ganz viel in der Gründungsgeschichte schief gelaufen und man bräuchte jetzt einfach, genau wie du sagst, den politischen Mut sagen, ne wir ziehen es jetzt durch, weil ohne das wird das System so teuer, weil wir immer noch mehr Kupfer verbuddeln müssen für mehr Anschlussleistung, anstatt endlich mal anzufangen zu managen. Und wir haben negative Strompreise, die könnte man wunderbar nutzen, auch als Privathaushalt, als Gewerbe, aber nur wenn du die Daten hast und das Preissignal siehst. Und zuletzt die Netzbetreiber es abrechnen können, das ist noch das nächste. Die Daten haben ist das eine, aber die Software Systeme und die Prozesse der Netzbetreiber müssen dir das auch auf eine Rechnung drauf schreiben können, dass du quasi Viertelstunde scharf abgerechnet wirst. Das können viele gar nicht, weil 850 Software Systeme und so weiter. Es ist leider ein bisschen trübe. Also es ist wirklich eine, ich habe deshalb in diesem Papier am Ende geschrieben, es ist anstrengend, es ist komplex, ist auch nichts, weil Monopol, wo Marktkräfte jetzt irgendwie aufräumen, es ist eine politische Aufgabe Und ich habe deshalb gesagt, das braucht eine Agenda 2030 man muss sich gemeinsam Politik im föderalen System natürlich mit auch den Eigentümern, den technischen Regulatoren sozusagen zusammensetzen. Leute, wir müssen echt mal aufräumen, so wird es nichts.
Zackes Brustik: Bevor wir zu den ganzen Themen kommen, die für Sustainability Manager wirklich, ich sage mal, jobrelevant sind. Jetzt ist das, worüber wir streiten aktuell als Deutschland sind die Pläne von Ministerin reiche, das Netzpaket 2026 also wirklich schon dieses Jahr und sie sagt, wir schaffen es einfach nicht, den Strom wirklich gut genug durch Deutschland zu bekommen. Das heißt, wir müssen jetzt langsamer machen mit den Erneuerbaren und schneller mit dem Netzausbau. Klingt doch erstmal vernünftig. Ich meine, auch im Ministerium sind ja lauter kluge Menschen. Also welche Überlegung ist dahinter oder welche berechtigte Überlegung und wie ordnest du es ein im großen Ganzen?
Tim Meyer: Also das Netzpaket hat einen spannenden Namen. Es tut nämlich so, als würde es darum gehen, in der Regulierung des Netzes oder im Ausbau irgendwie voranzukommen. Das tut es aber gar nicht. Da steht nichts zu drin. Das Gegenteil ist der Fall. Das Netzpaket gibt den Monopolbetrieben der Verteilnetzbetreiber noch mehr Rechte, also macht dieses Ungleichgewicht noch größer, dass die für sich entscheiden können, wann sie wie Netze ausbauen und ob das jetzt sinnvoll ist oder nicht. Mit den falschen Anreizen wird es für die oft nicht sinnvoll sein. Das heißt, eigentlich ist das Netzpaket tatsächlich in der Struktur ein Ausbau Verlangsamungspaket. Und das ist das Fiese daran. Es suggeriert mal wieder in der Erzählung was Sinnvolles, tut es aber gar nicht.
Zackes Brustik: Aber warum? Also welche Interessen stehen dahinter? Das Ministerium sagt jetzt nicht, also ich meine, der Job ist ja irgendwie dafür zu sorgen, dass wir aus Deutschland nach vorne kommen und man kann jetzt nicht den Menschen immer nur Böses unterstellen.
Tim Meyer: Völlig richtig. Das ist dein Eingangsstatement ja auch gewesen. Wie kann das denn sein, dass das so polarisiert und so auseinanderfällt? Ich verstehe es auch ehrlicherweise nicht mehr, weil die technoökonomische, nüchterne Sicht auf die Dinge würde sagen, schnellere Reformierung des Netzbetriebes spart unfassbar viel Geld. Ich habe selber ausgerechnet, dass es jetzt aktuell schon jedes Jahr 5 Milliarden Euro gespart. Werden könnten durch mehr Auslastung von Netzen, mehr Standardisierung und so weiter und auch etwas geringere Renditen.
Zackes Brustik: Nur kurz. Die Zahl ist insofern spannend. Also worum es ja geht in der ganzen Diskussion, ist der Re Dispatch Vorbehalt für die Leute, die Redispatch noch nicht kennen. Das sind die Kosten, die man zahlen muss, wenn zu viel Strom im Netz ist und wir es nicht mehr schaffen, zum Beispiel sei es vom Gaskraftwerk, das gerade läuft, oder sei es durch die Erneuerbaren den Strom einzuspeisen und ich sage mal jetzt zum Beispiel von der Nordseeküste nach Bayern zu bringen und wenn dann das Windkraft pausieren muss, dann kriegen die halt Geld. Das nennt sich platt gesagt Redispatch. Und da hat ja Frau Reichel gesagt, das sind drei Milliarden im Jahr. Davon geht ein großer Teil an Windkraft, aber ein noch viel, viel größerer Teil an die fossilen Kraftwerke, damit der Ausfall kompensiert wird. Das sind 3 Milliarden. Und du sagst aber 5 Milliarden könnten wir einfach nur sparen in dem was da ist, cleverer genutzt wird. Das wäre die viel spannendere Zahl.
Tim Meyer: Genau im Verteilnetz Redispatch ist nicht nur Es nimmt zu, dass es auch im Verteilnetz Redispatch gibt, also Netzengpässe entstehen und deshalb abgeregelt werden muss, aber diese Kosten, die entstehen ganz, ganz wesentlich durch den Redispatch im Übertragungsnetz. Und genau wie du sagst, der größte Teil davon ist nicht Entschädigung von Windkraftbetreibern, die abgeregelt werden, sondern Belohnung von Gaskraftbetreibern, die dann hochfahren müssen. Und wenn Gaspreise weiter steigen, dann wird der Redispatch teurer. Das ist genau das, wo wir drin hängen. Das ist die Logik. Und ja, diese viel größere Zahl der 5 Milliarden, die kann man alleine im Verteil entsparen.
Zackes Brustik: An der Stelle muss ich jetzt nur mal kurz Die Gaskraftwerke brauchen wir doch als Ausgleich für die Erneuerbaren, wenn eben Windflaute ist und es gleichzeitig auch noch wolkenbehangen ist. Also irgendwie, wir können jetzt nicht immer nur sagen Gaskraftwerke sind böse und die Preise sind zu teuer auf dem Weltmarkt.
Tim Meyer: Ne, sie sind auch nicht böse, wir brauchen sie. Jetzt müssen wir unterscheiden. Im Redispatch haben sie halt die Funktion, wenn Netzengpass ist und im Norden kommt der Wind nicht durch, dann muss ich aus dem Norden, kommt der Wind nicht durch in den Süden, dann muss ich ihn im Süden selber erzeugen aus Gas ersatzweise. Das kostet Geld und da ist es dann einfach sehr, sehr teuer. Das kriegt man weg durch Netzausbau, aber auch dadurch, dass wir anfangen, bisschen klüger zu allokieren. Wenn die Bayern mehr Windkraft bauen würden, wäre das Problem auch schon wieder kleiner als bisschen flapsigen Spruch. Oder wenn wir mehr Verbrauch im Norden ansiedeln, dann ist es auch besser. Das ist aber nur das Redispatch Thema. Das zweite ist die Dunkelflaute, was du jetzt meinst. Ja, auch da brauchen wir regelbare Kraftwerke. Steuerbare Leistung heißt das Aktuell ist das sehr, sehr viel Gaskraftwerke, auch ein bisschen Kohle. Wir brauchen aber viel weniger davon, als heute viele glauben, als auch in den politischen Papieren steht, wenn wir nur das naheliegende täten. Also das Naheliegendste wäre zum Beispiel die Biogaskraftwerke, die wir haben, sehr viele sind glaube ich 9 bis 10 Gigawatt oder sowas, stehen da auch rum, wenn wir die flexibilisieren. Man kann also beispielsweise einfache, günstige Gasspeicher dahin bauen, dass wenn das Biogas entsteht, dann speichere ich das erst mal zwischen und mache den Strom dann, wenn ich ihn wirklich brauche, in der Dunkelflaute viel billiger als neue Gaskraftwerke zu bauen, die dann darum stehen und die genutzt werden wollen. Also auch da hat man immer Alternativen. Und das ist, glaube ich, das Wichtige. In dieser ganzen Diskussion sind häufig Dinge als Gesetz dargestellt, als was willst du sonst machen, die alle Alternativen haben. Und es ist eine Frage der Gelinghaltung, des Willens, in welche Richtung will ich eigentlich laufen und packe diese Alternativen an. Und da muss man schon der jetzigen Regierung, gerade Frau Reich, den Vorwurf machen, dass sie immer nur fossile Lösungen sieht und vor allem Bremsen von Erneuerbaren als Lösung für etwas hält, Wobei wir eigentlich beschleunigen müssten bei der Netzmodernisierung, aber auch warum nicht beschleunigen bei viel schneller. Batteriespeicher nutzen, Markt und netzdienlich, auch da haben wir Riesenblockaden im Weg. Oder Biomasse flexibilisieren. Das sind alles Dinge, die weniger fossile Energie brauchen und die meisten sagen auch günstiger sind. Das muss man sicherlich von Fall zu Fall gucken. Beim Biogas gibt es auch klasse Studien, die sagen, das ist günstiger, Batterien sind günstiger. Ich wäre der Meinung, ja, da sparen wir Geld mit.
Zackes Brustik: Jetzt kann man ja auch wieder Ja, das macht die Reiche nur, weil sie ganz lange bei E On war und wortwörtlich Lobbyistin war und entweder quasi vertritt sie die Interessen jetzt, wo sie die Machtposition hat, oder sie macht das einfach nur, weil sie aus dieser Denkschule kommt und einfach quasi schon seit Jahrzehnten in dieser Denkschule drin ist. Wir sind ja alle irgendwie auch in unserer eigenen Bubble gefangen. Wir reden uns auch, so ehrlich muss man sein, reden uns auch auf die Welt nachhaltiger oder schöner als sie ist, wenn man aus der Sustainability Bubble kommt. Ist das so? Oder spielen da im Hintergrund auch andere Überlegungen mit, weil zum Beispiel die EU halt nur den Zolldeal mit Trump bekommen hat, weil sie gleichzeitig für 750 Milliarden LNG gekauft. Hat. Und die Frage Binden wir uns eher an die USA, als dass wir uns von China abhängig machen? Also was sind so die geopolitischen Hintergründe? Oder auch auf EU Ebene, wo Frau Reiche gar nicht anders kann, weil sie halt das Gas, was jetzt da im Vertrag nach Europa kommt und ein großer Teil auch nach Deutschland auch irgendwie loswerden muss.
Tim Meyer: Also zunächst mal zu deinem Punkt mit welche Erzählungen hat man auch selber gelernt? Da ist ganz viel Wahres dran. Und ich glaube viele, da zählt auch die Frau Reiche zu, auch viele andere Politiker innen, die schon ziemlich lange dabei sind, die erneuerbaren Energien, gerade noch die Batterietechnik und so weiter, die haben sich so dermaßen rasant entwickelt. Wenn du vor 20 Jahren gelernt hast, sozusagen auch Energiepolitik und Energietechnik gelernt hast, dann hast du das so noch nicht gesehen. Man konnte es zwar absehen, glaube ich, die lange dabei sind, wissen, da war ein Riesenpotenzial erkennbar, aber du wusstest nicht, dass diese E Kurve da landet, wo sie heute ist. Das kann man schon zugutehalten, wäre aber der Auftrag, das jetzt mal nachzuholen. So, kommen wir zur Geopolitik. Die spielt natürlich eine Riesenrolle. Auch da ist es ja aber die Frage, in welche Abhängigkeit manövriere ich mich immer wieder weiter rein. Schau nach UK. Der Keith Starmer redet nicht nur davon, dass Dekadebonisierung Freiheitsgewinnung ist. Die haben massive Arbeitsprogramme, die haben die letzten Kohlekraftwerke ausgeschaltet. Da gibt es Task Forces und Strukturen, die nur dafür da sind, die Volkswirtschaft
Zackes Brustik: zu dekarbonisieren, wenn ich da noch kurz ergänzen darf. Und die haben, während wir diese Folge aufnehmen, ja gerade erst diese Woche oder letzte Woche verkündet, dass sie massiv auf Wärmepumpen setzen werden.
Tim Meyer: Natürlich.
Zackes Brustik: Also ein Thema, was sie unglaublich ausbremsen, da gerade im Neubau in den UK als wird mandatorisch festgeschrieben.
Tim Meyer: Und das ist genau, was ich meine. Die Frage ist, welches Zielbild habe ich vor Augen? Und die haben ein Zielbild, was technoökonomisch total rational ist, ist nämlich weg von fossil, weil richtig teuer und richtig riskant. Und ich ziehe mich immer in Geopolitik rein in Abhängigkeiten, die wie auf Knopfdruck wirken, wenn da ein Krieg ausbricht oder jemand im Golf angreift, dann habe ich per Knopfdruck hohe Energiepreise. Ziemlich schlimme Sache. Unsere Politik geht genau nicht diesen Weg, sondern wenn du dir anschaust die Gesetzespakete. Wir hatten schon vom Netzpaket Erneuerbare Energien Gesetz ähnliche Richtung. Am klarsten wird das aber beim Gebäudeenergiegesetz oder jetzt GMG, dem Heizgesetz, dem angeblichen. Da stehen irrsinnige Sachen drin. Da ist von einer oder soll reingeschrieben werden, da ist von einer Biotreppe die Rede. Das ist echt schon ziemlich haarsträubend. Für alle, die ein bisschen was von Energieökonomie verstehen, wo wir also mit Grün Gas und Grün Ölquoten weiter Sachen verbrennen sollen. Das wird nicht passieren. Viel zu teuer wird alles nicht passieren. Gibt es dutzende, dutzende Metastudien, die alle Na klar ist die Wärmepumpe wirtschaftlich überlegen. Deshalb wird es wohl nicht das Biogas werden, das du durch Gasnetze zum Kessel irgendwo hinschickst. Und der Wasserstoff wird es auch nicht werden. Aber das soll Politik werden. Und das ist der Vorwurf, den man machen muss. Nicht, dass wir heute noch in Abhängigkeiten stehen, das ist historisch gewachsen, aber dass wir Maßnahmen ergreifen, die diese Abhängigkeiten fortschreiben, das kannst du auch nicht erklären. Mit EU Deals geht aber nicht. Das ist wirklich eine Politik, die in die falsche Richtung rennt, die massiv schadet der Volkswirtschaft, dem Land, aber auch den einzelnen Mietern vor allem, die nämlich den Quatsch nachher zahlen müssen, das teure Gas. Also ich kann es mir rational nicht erklären. Deshalb gehe ich schon davon aus, dass das massiv auch mit Interessenvertretung zu tun hat. Welche Ecke ich dann komme, welche Weltsicht ich gut verstehe, den Kurs schlage ich ein. Und da muss man sehr nüchtern sagen, die Fossilindustrie hat so viel Geld verdient und verdient noch Geld damit, dass es ja wirklich hochgradig irrational wird. Schau nach USA, was die da alles tun, um fossile Geschäftsmodelle zu erhalten. Rational ist es nicht.
Zackes Brustik: An der Stelle noch eine kleine Ergänzung. Wir hatten es jetzt ja davon, dass ganz Viele von diesen 850 Parteienbetreibern kommunal sind, aber da gibt es auch ein paar richtig, richtig große, die privatwirtschaftlich unterwegs sind. Und wie ist da das Gleichgewicht?
Tim Meyer: Der größte ist E on natürlich mit sehr vielen sehr großen Tochtergesellschaften wie der Westnetz, bayernlag und so weiter. Das heißt, wir haben ganz, ganz viel Netzbetrieb in privater Eigentümerschaft und da ist dann auch deshalb nicht zwingend der Netzbetrieb besser oder kundenorientierter. Das kann man auch nicht nach Größe genau bemessen. Da gibt es verschiedene Faktoren. Aber vor allem die Renditen, die da erzielt werden, die sind sehr, sehr hoch. Das habe ich in meiner Studie untersucht. Im Durchschnitt handelsrechtlich über 24 Prozent Eigenkapitalrendite. Das ist extrem, selbst für normale Geschäfte, aber in einem Monopol, wo ich gesicherte Erlöse habe fast kein Risiko, ist das völlig, völlig far out. Und das Geld ist weg, muss man ganz klar sagen. Das zahlen dann alle Stromkundinnen und Stromkunden und das Geld ist einfach privatwirtschaftlich irgendwo, wird abgeschöpft, wird ausgeschüttet.
Zackes Brustik: Noch kurz ein paar Details an der Stelle, weil das fand ich spannend, was du geschrieben hast. Normalerweise, du hast ja vorhin von diesen Steuermechanismen gesprochen, die der Staat hat, warum die Unternehmen Kupfer vergraben wollen. Eigentlich ist dieser Mechanismus auf 6 bis 7 Prozent ausgelegt, Eigenkapitalrendite, aber wir landen bei teilweise 20 22 Prozent. Ich glaube bei E on sogar 50 Prozent.
Tim Meyer: Hängt vom Netzbetreiber wiederum ab, auf welche Netztochter von EON ich schaue. Aber ja, es geht bis hoch auf 50 Prozent.
Zackes Brustik: Das wäre ja sozusagen fast das Zehnfache von dem, was wir eigentlich regulativ im Sinne hatten.
Tim Meyer: Ja, die Regulatorik sagt nicht, ich peile an die Gesamtunternehmensrendite des Netzbetriebes Strom zum Beispiel mit 6 Prozent, sondern die sagen, auf Investitionen, die man tätigt in Netzhardware, soll es bitte 5, 6, 7 Prozent haben. Trotzdem, das ist eine vernünftige Größenordnung. Man kann das ja vergleichen mit Pensionsfonds oder Investitionsfonds, die auch mit entsprechender Risikostruktur unterwegs sind, die vielleicht 7, 8 Prozent brauchen. Und dann reicht es aber auch. Also sind über 24 Prozent maßlos zu viel. Und das entsteht eben dadurch, dass es eine große Diskrepanz gibt zwischen der kalkulatorischen Theorie, mit der diese kalkulatorischen Eigenkapitalrenditen von 5, 6 Prozent ermittelt werden, und dann der Geschäftspraxis, die halt eine ganz andere ist. Da muss man sich auch ein bisschen das Leben leicht machen. Deshalb nimmt man kalkulatorische Annahmen, die sind aber so weit von der Realität weg, gerade was Finanzierungskosten angeht und auch die Zeitpunkte, wann welche Kosten betrachtet werden, die sind soweit von der Realität weg, dass eben dann handelsrechtlich, und das ist das echte Geld, nicht das kalkulatorische, handelsrechtlich diese
Zackes Brustik: 24, okay, aber jetzt realistische Auswege aus dieser Misere. Also welche Wege hätten wir, abgesehen von dem Netzpaket 2026?
Tim Meyer: Technisch und energieökonomisch sind die Wege ziemlich simpel, muss man sagen, und die sind ziemlich gut beschrieben in dem Monitoringbericht, den ja die Frau Reich beauftragt hatte. Da ist Riesensammlung von Sachstandsbeschreibungen, aber auch von Maßnahmen, die fordern die auch massiv ein. Es hat viel mit Modernisierung der Netze zu tun, neuen Geschäftsmodellen, Flexibilisierung des Systems, diese ganzen Effizienzen rausholen, die da drinstecken, Elektrifizierung, aber auch der Mobilität, der Wärme und so weiter. Also das ist wissenschaftlich gut untersucht und beschrieben und alles klar. Interessanterweise, wenn du dir durchliest, die Szenarien auch großer Industrieverbände, wie vom BDI beispielsweise, die kommen aufs Gleiche. Wir haben bei dem, was zu tun wäre, sage ich immer, locker 80 Prozent Übereinstimmung in der Einschätzung, in der Meinung von erneuerbarem Verband bis zum BDI. Wir streiten um die 20 Prozent. Das ist nämlich die Frage, wie viel Gas brauchen wir oder soll es mal blauer Wasserstoff sein, da kloppen wir uns, aber 80 Prozent Modernisierung, Elektrifizierung und so weiter, sind wir uns einig. Das heißt, auf der technoökonomischen Ebene ist das Problem gar nicht oder den konkreten Wegen, die wir gehen müssten. Es ist ein politisches Problem und das hat ganz viel mit Deutungshoheiten zu tun. Wir hatten es eben davon, es ist für mich unerklärlich, warum wir so viel weiter auf Gas setzen, wo völlig klar ist, wie teuer das jetzt schon ist und dass es günstigere Alternativen gibt, auch vorrechenbar belegbar und so weiter. Also ist ein politisches Thema und das gilt jetzt für die Netze besonders, hat auch viel mit Föderalismus zu tun, weil eben stell dir vor, du musst mit 850 Eigentümern verhandeln, dass das jetzt mal alles anders wird, das ist schwierig, dann hast du dazwischen noch eben kommunale Befugnisse und Hoheiten Du hast föderale, du hast Bundessachen, du hast eine Bundesnetzagentur, du hast technische Standards, die du auch wirklich setzen musst. Das muss ja auch jemand machen. Da gibt es natürlich dann hunderte Meinungen zu. Das ist sehr, sehr anstrengend und unbequem. Dann brauchst du viel politischen Willen, um das zu machen für ein undankbares Thema, weil das so dermaßen nerdy ist. Das kannst du öffentlich kaum erklären, sodass es auch wirklich jede und jeder versteht.
Zackes Brustik: Seien wir realistisch. Das wird noch ein paar Jahre so weiterlaufen. Das klingt so ein bisschen nach dem gordischen Knoten und weit und breit kein Alexander, der ihn durchschlägt, ist Befürchtung.
Tim Meyer: Meine Hoffnung zugleich ist aber, dass gerade Unternehmen, da sind wir in diesem Podcast wunderbar aufgehängt. Ich würde mir wünschen, dass Netzkunden, das sind wir nämlich alle, die zahlen das nämlich. Die zahlen diese Ineffizienz, die zahlen auch diese politische Untätigkeit, dass Netzkunden den Mundstärker aufmachen und Also einerseits brauche ich einen leistungsfähigen Stromanschluss, weil ich will irgendwas elektrifizieren. Ich will meine Logistikflotte elektrifizieren, weil ich erkannt habe, das ist günstiger, ich kriege aber den Strom nicht bei oder ich will Wärme elektrifizieren oder ich will was anderes vom Netz, Netzbetreiber. Und das dauert so lange und es ist so teuer, dass die Netzkunden den Mund aufmachen. Und liebe Regierung, weil du bist die einzige Stelle, wo wir uns hinwenden können. Mangels Wettbewerb, tu mehr. Ich glaube wirklich, der Druck muss da von unten kommen. Man erkennt langsam, dass es kein Zustand mehr ist, aber man kommt einfach nicht ins Handeln. Und das geht dann nur, wenn der politische Druck entsteht.
Zackes Brustik: Und da ist ja einiges unterwegs. Ich glaube, 15 der Bundesländer Energieminister haben auch einen offenen Brief ans Ministerium geschrieben. Es gibt super viele Verbände, die Briefe schreiben. Was mache ich als Sustainability Manager oder auch als CEO in der Zwischenzeit bei meinem Mittelständler. Also was die richtige Strategie Vor ein paar Jahren haben sich ganz viele die PV aufs Dach geschraubt. Jetzt überlegen sie vielleicht macht es Sinn, da noch einen Speicher dazu zu bauen. Andere überlegen lasse ich das lieber. Wir hatten eine PV geplant, aber jetzt lassen wir lieber die Finger zu, weil vielleicht werden da Gelder oder Förderungen gestrichen in diesem ganzen Wirrwarr fangen wir an mit der politischen Unsicherheit, lasse ich gerade von allen lieber die Finger und warte.
Tim Meyer: Also die Förderunsicherheit, die muss man immer, ich sage mal, halbwegs tagesaktuell im Blick behalten. Es ist so, aber ich würde mich davon nicht leiten lassen, weil die Vorbereitung von Maßnahmen dauert immer länger, als im Zweifel die Politik von links nach rechts steuert. Also man muss sowieso seine Projekte, die no regret sind, wo man weiß, das muss ich so oder so tun, früher oder später, die muss man sich bereitlegen. Und solange da nicht irgendwie jetzt eine Förderung aktuell weggekappt wird, dann sollte man es tun. Ich glaube, die Überforderung im Stromnetz, im Verteilnetz, wie du sagst, die wird eine Weile bleiben. Es gibt eine ganz natürliche Folge davon und die sehen wir auch schon so ein bisschen. Das ist nämlich, dass sich die Unternehmen noch mehr selber auf den Weg machen, Dinge anzupacken hinter dem Zähler, wie man sagt, Also eben nicht im öffentlichen Stromnetz, sondern behind the mieter, weil da habe ich viel mehr Freiheit. Da gibt es auch keine Strompolizei, die mir ganz viel verbietet, sondern ich kann mich selber optimieren, auch in der Sektorenkopplung. Und das heißt eben, dass ich neben der PV natürlich mit an eigene Flexibilisierung denke, die muss ich so oder so machen, das ist völlig klar. Ich kann nicht in 10 Jahren noch ein Betrieb sein, der seine eigene Flexibilität nicht kennt und nicht nutzt, weil Flexibilität Geld wert ist. Ich kann günstiger einkaufen, kann Verbrauch vermeiden, wenn es teuer ist. Das ist Flexibilität. Ich kann mir Batteriespeicher hinstellen, super Sache jetzt schon. Ich kann mich allein oder unabhängiger von diesem ganzen Netzdrama und der Regulierung auf den Weg machen. Also ich glaube, der Druck hinter den Zähler wird größer. Das heißt, Unternehmen machen sogar mehr selbst. Da gibt es auch eine Studie übrigens aus 2024 glaube ich, von der LBBW, die es mal ermittelt hat, wie sehr Energieinfrastruktur Standortfaktor ist, nehmen zwei Drittel der Unternehmen als sehr wichtig wahr. Und ich glaube, 90 Prozent der Unternehmen haben gesagt, wir investieren jetzt selbst in Effizienz, in Erneuerbare, in Speicher. Und das ist der Weg.
Zackes Brustik: Welche drei Maßnahmen hätten da so den größten Hebel? Und es ist schwer pauschal zu beantworten, weil ich keine Ahnung, du hast einen Bäckermeister mit Betrieben, du hast jemanden, der produziert mit großen Energiemengen, du hast jemanden, das ist ein Serviceunterneh. Aber vielleicht wenn wir die zwei Kategorien aufmachen, ich bin eher so im Servicebereich unterwegs und ich habe halt Personal, Gebäude und ein bisschen Logistik oder Leute, die rumfahren und auf der anderen Seite der zweite Fall, ich habe wirklich Stromverbräuche in der Produktion und dergleichen.
Tim Meyer: Also das erste ist ja immer Transparenz schaffen. Überhaupt mal wissen, was habe ich denn eigentlich und zwar auch ein bisschen schräg gedacht, glaube ich gar nicht nur in den klassischen Nachhaltigkeitslinien, sondern wirklich mal gucken, wo habe ich zum Beispiel Flexibilität im Energieverbrauch, sei es auf der Stromseite, sei es gekoppelt mit der Wärme, dann auf der Gas oder Stromseite oder Dampfseite. Also überhaupt mal Transparenz reinbringen ist glaube
Zackes Brustik: ich ganz ganz wichtig und Flexibilität heiß muss das Gerät jetzt gerade zwischen 14 und 15 Uhr laufen, genau jetzt in
Tim Meyer: diesem Augenblick laufen oder kann ich es eine Stunde schieben, kann ich es einen Tag schieben? Und super spannend ist, wenn man sich auch die Cases der großen teilweise Grundstoffindustrie anguckt, die sich auf die Suche machen nach Flexibilität. Erstaunlich was man findet. Also selbst tiefen kleinen Nebenaggregaten wie Druckluft findest du immer was, aber einmal auch sogar bis in Lieferketten reindenken. Muss ich wirklich das Werkstück dann auf den Hof des Kunden genau dann morgen um 12 oder habe ich da paar Stunden Zeit? Das geht bisschen Schichten Planung langfristig sogar rein, dass man sagt, muss ich genau meine Arbeit so organisieren auf durchnudeln oder kann ich da auch das so atmen lassen, dass es prognostizierbare Zeiten günstigerer Energie stärker nutzen? Da findet man ganz ganz viel und sich darauf einfach gedanklich vorbereiten ist wichtig. Auch mit den Daten, die Projekte, die sich dann rechnen, einfach machen. Das sind glaube ich no regrets. Und spannend ist aus meiner Erfahrung in Unternehmen etwas, was man strukturell auch anpacken muss, was glaube ich viele Unternehmen als Riesenherausforderung haben, nämlich ich sage mal das Gespräch zwischen Fertigung und Nachhaltigkeitsbereichen und Management und Energieeinkauf neu zu organisieren. Natürlich hat kein Fertigungsleiter dieser Welt ein Interesse daran, bestehende Systeme zu ändern, weil das immer auf irgendwelche Kenn Kennzahlen drückt, Durchsatz, Qualität irgendwie, das will der halt nicht. Ist ja logisch. Energieeinkäufer denken wieder ganz anders. Die gucken nur, wo kann ich jetzt am besten auf drei Jahre sicher mal irgendjemand eine Menge reinholen und wie viel ist denn das eigentlich? Das müsst ihr mir bitte sagen, ihr Produktionsbereiche. Und dann kommen die Nachhaltigkeitsleute, ja Moment, wenn wir es ganz anders anpacken, wäre es ja viel besser. Und das in überhaupt ein gemeinsames Verständnis oder am besten einen gemeinsamen Management Rahmen zu bringen, das ist, glaube ich, super wichtig, weil dann auf einmal merkt man, ach mal guck, ich kann ja doch zumindest bei der Anschaffung der neuen Maschine darauf achten, wie ich sie einbinde und den Prozess flexibler machen und ach so, das wirkt ja auf den Energieeinkauf, dann kann ich ja günstiger einkaufen, das wirklich mal gesamtkostenhaft zu betrachten. Ich glaube, dass die wenigsten Unternehmen das wirklich sauber getan haben mit diesem neuen Preisschild, Flexibilität drauf. Man guckt immer nur auf, im Jahr habe ich so viel Energiekosten, aber dieses zeitliche Verschieben ist, glaube ich, unterbelichtet.
Zackes Brustik: Also seien wir ehrlich jetzt hier das Argument, was absolut gerade gegessen ist und ich glaube, da sind sich alle in der Sustainability Bubble einig, man braucht jetzt gerade nicht mit irgendwelchen Co Zielen um die Ecke kommen, weil da sagt der Sea Level A gerade andere Probleme oder guck mal, das kicken die eh. Die Reiche schraubt jetzt auch schon an der Methan Verordnung. Also das heißt, da können wir uns darauf verlassen, dass die Bundesregierung uns da wieder in Schutz nimmt. Das heißt, was ich brauche, ist ein Business Case. Ich muss ganz klar sagen können, also lieber Werksleiter, ich weiß, du hast überhaupt keine Lust drauf, aber es wird sich signifikant rechnen.
Tim Meyer: Also und alleine die Risikokosten, guck mal, wir hatten bei der Ukraine auf einmal waren ganz viele Unternehmen natürlich Energie ist ein Thema, lass mal gucken, da wurden viele Punkte angeschoben, die sind in der Schublade wieder verschwunden. Gut, ist ja gar nicht ganz so schlimm bekommen, jetzt kommt das Golfkriegsthema wieder. Und einfach deutlich zu machen, welches Risiko da drin ist für die gesamte Organisation, fürs Geschäft, wenn man sich solchen Preisschlägen einfach blind ausdenkt und sagen, ne, wir haben einen Hebel, haben wir selber, wir können es davon unabhängiger machen. Und das hat glücklicherweise viel auch gleichzeitig mit Nachhaltigkeit zu tun. Ist auch ein mühsamer Weg, aber ich glaube, mit dem Argument dringt man heute deutlich besser durch, weil das haben alle auch Sea Level Leute mittlerweile mehrfach erlebt, wie hart es zuschlagen kann, wenn plötzlich Energie so teuer wird.
Zackes Brustik: Aber realistisch, wie groß ist der Business Case? Welche Einspar oder Potenziale habe ich? Welche Gewinnpotenziale habe ich, wenn ich, wie du sagst, wirklich behind the meter meine Strategie umstelle und irgendwie auf PV sitze, Speicher aufs Unternehmensgelände stelle und so weiter und so weiter.
Tim Meyer: Das ist eben total unternehmensabhängig. Was mache ich da genau Und wie ist mein Energiemix? Wie viel habe ich Gas, Dampf, Strom? Was habe ich denn da eigentlich, welche Aggregate? Meine Vermutung ist, du findest ja in jedem Betrieb dann auch Cases, ob kleines Projekt, ein bisschen PV und ein bisschen Batterie oder irgendwie allein die Dampferzeugung, die Drucklufterzeugung umstellen. Ich glaube, das findest du immer. Wichtig ist, die Fragestellung mal richtig anzuschauen, anzupassen, sich klar zu machen, die alte Energiewelt ist vorbei. Die alte Energiewelt war ziemlich simpel, natürlich, sehr fossil und sehr statisch. Die ist vorbei, nachhaltig vorbei, weil wir werden die Erneuerbaren zum Glück nicht mehr los. Die werden sich weiter durchsetzen, weil sie so günstig sind. Die Volatilität bleibt damit auch auf der Strompreisseite und die alte Welt ist vorbei geopolitisch. Wo sagt mit dem Gas und dem Öl, das klappt schon immer so, das ist auch vorbei. Also sich da im Unternehmen quasi runter tischmässig zusammenzucken und okay, was machen wir jetzt damit? Wie bringen wir das in Deckung? Und da bin ich überzeugt, dieses in Deckung bringen führt alle Bereiche nach vorne in Richtung Dekarbonisierung, weil die Interessen sind wunderbar, Allein die sind wirklich in die gleiche Richtung.
Zackes Brustik: Wir müssen trotzdem ein paar Detailthemen jetzt kurz durchgehen. Es gibt ja verschiedene Wege. Ich kann die PV aufs Dach setzen, dann kann ich ein PPA abschließen, also ein Power Purchase Agreement. Das heißt zum Beispiel, das muss man auch gleich kurz erklären, aber ich habe eine Produktion von, ich weiß nicht, Seife, was auch immer und schaue dann eben, wo ist der nächste Windparkbetreiber und mache mit dem Vertrag über die nächsten 20 Jahre oder sowas, dann ich kann den Speicher hinstellen, wie mache ich den wirklich, wie baue ich den ein, dass er wirklich auch gewinnbringend ist. Also was gibt es da zu beachten an sich verändernden Rahmenbedingungen. Fangen wir bei der PV an.
Tim Meyer: Die gute Nachricht ist also klar, jetzt PV selber bauen ist ja meistens oder häufig eher im Bereich des Asset Managements, gar nicht im Energieeinkauf. Da ist die Schnittstelle wichtig zu klären, wer redet da mit wem, wann und ich kann es in den Energieeinkauf reinziehen, über was du PPA angesprochen hast. Also eine eigene PV Anlage macht mir selber den Strom vor Ort über mein Asset Management vielleicht und ersetzt eine Menge, die dann der Einkauf nicht mehr kaufen muss aus dem Netz. Das PPA ist spiegelbildlich, der Einkauf kauft aus den Netzen eine Menge Solar oder Windstrom mit einem ganz ähnlichen Profil. Da gibt es aber auch verschiedene Produkte, auch das Risiko der Schwankungen oder der Prognosefehler von wann scheint die Sonne, dass das mein Lieferant schon übernimmt. Da gibt es ganz viele auch coole Unternehmen, die solche neuen Strukturierungen von Energieeinkauf anbieten. Das ist die reine Energie Einkaufseite.
Zackes Brustik: Macht es Sinn zum Beispiel jetzt gerade eher auf PPS zu setzen anstatt PV, weil einerseits fällt die Förderung Weg für kleine PV Anlagen, wahrscheinlich so ab 2027, dann sollen die negativen, also die Stunden mit negativen Börsenstrompreisen auch nicht mehr vergütet werden.
Tim Meyer: Also es hängt von der immer wie alles von den konkreten Kostenstrukturen ab. Es wird mich ein bisschen überraschen, weil du hast ja schon auch bei der selbst erzeugten Strommenge immer noch die Vorteile, dass du auch Netzentgeltbefreiungen hast, Umlagen nicht zahlst, Steuern und so weiter, die du bei Bezug übers Netz alle zahlen musst. Das heißt, der Case ist immer noch sehr stark pro Eigenerzeugung und wenn ich das eben kombiniere mit einem Batteriespeicher, dann kann ich mehr von dieser Eigenerzeugung selber nutzen. Das heißt, ich schütze mich auch vor Negativpreisen im Markt, die ich gar nicht dann realisiere oder mein Strom dann nicht da negativ reindrücke sozusagen, sondern speichern einfach zwischen. Insofern ist glaube ich schon dieser Druck hinter den Zähler gehen, selber machen der bleibt erstmal intakt aus dem genannten Grund.
Zackes Brustik: Okay, dann wird das Ganze wahrscheinlich deutlich wirtschaftlicher, hast du ja auch gesagt, wenn ich die Flexibilitäten selber steuern kann, wenn ich einen Speicher habe vor Ort, also PV ist da oder Wind, habe ich auch auf dem Gelände stehen, jetzt muss ich aber gerade meine Anlage nicht betreiben, aus welchem Grund auch immer, den Speicher hinstellen. Was braucht es, damit so ein Gewerbespeicher wirtschaftlich wird?
Tim Meyer: Also man muss wirklich nur konkret kalkulieren. Da gibt es ganz verschiedene Geschäftsmodelle, die man für sich selber fahren kann und die muss man sich durchrechnen oder durchrechnen lassen. Du kannst deinen eigenen Strom Einkauf optimieren, einfach sagen, ich kaufe, wenn es halt billig ist, ein bisschen mehr Speicher inzwischen und nutze ihn später. Ich kann meinen Eigenverbrauch optimieren, ganz ähnliche Logik. Ich speicher ihn halt, wenn ich das nicht brauche und der günstig ist und verbrauch ihn später, wenn ich sonst aus dem Netz teuer beschaffen würde. Ich kann auch meine Leistungsspitzen kappen. Ich kann also dafür sorgen, dass der Zeitpunkt im Jahr, wo ich die maximale Leistung aus dem Netz ziehe, dass das runtergeht. Dann spare ich an Leistungspreis Geld.
Zackes Brustik: Das ist ein sehr signifikanter Punkt, weil ich glaube, das weiß man als Sustainability Manager vielleicht nicht, aber dann eben als Energieeinkäufer. Das ist ein richtiger Kostentreiber.
Tim Meyer: Das ist richtig, ist ein fetter Posten häufig. Und es gibt auch eine sehr spannende Regelung für viele, das nennt sich atypische Netznutzung. Das ist ein Sonderfall, wo ich richtig massiv Netzentgelte sparen kann. Und jeder Netzbetreiber gibt für jedes Quartal des Zukunftsjahres sozusagen vor gewisse Uhrzeiten. Und wenn ich also schaffe, meine Leistung in diesen Uhrzeiten unter gewissen Werten zu halten, dann kriege ich auf mein gesamtes Jahr massiv reduzierte Netzentgelte. Und das ging früher für viele nicht gut. Mit einem Batteriespeicher kann ich das aber viel viel einfacher schaffen. Diese Zeiten, wo das Netz nämlich zu stark ausgelastet ist. Das ist die Idee von dieser Regelung. Wenn das Netz eh zu stark ausgelastet ist, dann leiste ich einen Beitrag, es zu entlasten und dafür zahle ich viel weniger Geld. Also solche, das hat auch wieder Leistungspreis Komponente, also solche Netzanschlussleistungsoptimierung, die kann ich machen mit der Batterie. Und dann gibt es noch eine dritte Komponente, die auch einige anbieten. Ich kann natürlich auch mit dem eigenen Speicher selber Stromhandel machen. Ich kann selber auch Erlöse damit erzielen. Das ist noch ein Case. Es gibt einen vierten, den ich sehr spannend finde, Der hat mit der Leistungsspitze zu tun. Häufig ist es mittlerweile so, dass ich als Gewerbebetrieb, wenn ich was elektrifizieren möchte oder einfach nur wachse, ich brauche mehr Leistung und der Netzbetreiber kann das aber gerade nicht, dann kann ich mit dem eigenen Batteriespeicher meine meine Leistungsgrenze nach oben schieben, die ich selber zur Verfügung stellen kann. Ich kann also auf einmal doch meine Fahrzeugflotte elektrifizieren, auch wenn die Ladeleistung zu groß wäre, dann verteile ich es halt innerhalb meiner Liegenschaft mit dem Batteriespeicher über die verschiedenen Uhrzeiten und so weiter. Also da gibt es ziemlich ein Zoo von Möglichkeiten. Ist jetzt leider wieder komplex, aber umso mehr lohnt es sich da rein zu gucken, weil das ganz häufig unterschätzt wird, weil viele noch in den Köpfen haben, dass Batterien teuer sind und das ist vergangen. Der Preisverfall ist so rapide durch diese Skalierungslogik, die da läuft, dass mittlerweile sich ganz viele Sachen rechnen. Selbst wenn man sich vor zwei, drei Jahren mal angeguckt hat, schmeiß die alte Rechnung weg, mach eine neue. Das ist komplett neuer Case.
Zackes Brustik: Also es gibt viele, viele Möglichkeiten. Welche die beste ist, das können wir in dieser Folge nicht beantworten. Das heißt, der erste Schritt ist wahrscheinlich wirklich sich ein Unternehmen zu suchen, was einen berät. Im ganzen Management ist ein Fuhrpark mit dabei, Bin ich dabei zu überlegen, den zu elektrifizieren. Habe ich Ladesäulen auf dem Gelände? Wie sieht mein Betrieb aus? Produziere ich, produziere ich nicht. Also ultra komplex. Aber was ich herausgehört habe, ist, man kann unabhängig davon, was die Regierung entscheidet, in welche Richtung das geht, ob die Strompreise in Deutschland steigen oder sinken werden, das werden sie vermutlich nie, egal welchen Weg wir einschlagen. Aber ich kann mich unabhängig davon machen,
Tim Meyer: zumindest unabhängiger als man denkt.
Zackes Brustik: Ein K Wert haben wir da doch noch. Und das ist jetzt sagen wir, okay, ich werde von den Fossilen unabhängiger. Wenn jetzt zum Beispiel der iRank sich zieht oder noch mal was ähnliches kommt, das war der Ukraine Krieg, der Iran Krieg, wer weiß, was da noch kommt. Aber ein realistisches Szenario ist ja auch ein Krieg zwischen China und Taiwan und alles, was wir, glaube ich, an Elektronik kaufen, dass wir einen PV kaufen, dass wir einen Speicher kaufen, kommt zu 90 Prozent aus China. Wenn ich mir jetzt diesen Speicher hinstelle oder auch die PV Anlage. Und dieses Szenario ist gar nicht so unrealistisch, dass das die nächsten 4, 5 Jahre passiert. China greift Taiwan an, wie stehe ich dann da? Steht das genauso still wie jetzt die Straße von Hormuz, weil China einfach sagt, so als Druckmittel schalten wir jetzt eure ganzen Speicher und PV Module ab oder ich kriege die auch einfach nicht mehr geserviced oder was auch immer.
Tim Meyer: Ja, also schon ein wichtiger Punkt ist auch schon, sich auf diese Abhängigkeiten mal einen Blick zu werfen. Was passiert da allerdings? Das ist mir jetzt wichtig, das findet ja ganz viel in Diskussion statt. Ja, hier die eine Abhängigkeit durch die andere setzen bringt ja nichts. Erst was ich klarmache, das ist eine komplett andere Art von Abhängigkeit in Anführungszeichen. So, die erste Dimension ist nämlich, wenn fossile Energie wegfällt, das ist, wie ich eben sagte, per Knopfdruck, die ist sofort weg. Ich habe sofort eine Riesenkrise Gesamtwirtschaft betroffen. Die Gigawatts an Solarmodulen, die wir hier haben, die produzieren wir weiter 20 Jahre lang Strom. Das heißt, wenn wir mal aus China aus geopolitischen Gründen keine Solarmodule mehr kriegen oder Batterien, dann ist es im Hier und Jetzt erstmal überhaupt kein Drama. Das ist nur nach vorne hin für die weitere Dekarbonisierung erstmal relevant, weil wir weniger neue Komponenten reinkriegen. Zweiter wichtiger Ich kann Fertigungskapazität für Photovoltaik und Batterien kann ich aufbauen. Fossile Rohstoffe kann ich mir nicht aufbauen, die habe ich oder ich habe sie nicht. Das heißt, da könnten wir in so einem Fall sagen, jetzt fahren wir endlich, ist eh überfällig, auch wieder stärke eigene Fertigung hoch. Spannenderweise entstehen auch gerade alternative Lieferanten. Es gibt ein neues Wettrennen zwischen Indien und China. Treppenwitz. China hat Indien vor der WTO verklagt, weil Indien mit Subventionen die eigene Solarmodule und Solarzellproduktion so anschiebt, dass China sagt, unsere Module haben einen Wettbewerbsnachteil. Das haben wir schon mal woanders gehört. Das heißt, Indien macht sich unabhängig auch in der Wertschöpfung der Lieferkette für Photovoltaik, was gut geht. Und da haben wir auf einmal auch einen neuen Lieferanten Also man sieht schon diesen strukturellen Unterschied der Abhängigkeit. Das eine kann ich durch Fertigungshochfahren ersetzen aus China, aus Indien oder wir machen es halt selbst. Der zweite Unterschied ist, das eine ist mit dem Knopfdruck weg, das andere nicht. Jetzt kommt der entscheidende Punkt, auf den du ja auch mit angesprochen hast, die, ich sage mal, elektronische oder digitale Angriffsfähigkeit. Da müssen wir echt aufpassen. Also wenn wir ausschließlich Elektronik aus China hier hätten und noch die Software Schicht, die er steuert, mit irgendeiner Backdoor drin, klar könnten die uns per Knopfdruck das Licht ausschalten, muss man so deutlich sagen. Und da müssen wir höllisch aufpassen. Da sind wir gerade auch ein bisschen naiv. Jetzt habe ich eine gute Nachricht. Wir haben in Deutschland, auch in Europa, in Deutschland noch mehr eine unfassbar gute und leistungsfähige Elektronikindustrie. Wir können Wechselrichter, wir können Steuerungstechnik, wir können Software, wir können das alles richtig gut, auch gerade mit Cyber Security und so. Das sollten wir nur mehr nutzen. Das heißt, lasst uns das so machen, dass wir diese ganze Steuerungsschicht bitte europäisch halten, zu größten Teilen zumindest. Dann bleiben wir resilient. Dann können wir gerne Solarmodule oder auch viele Solarmodule darunter schieben oder auch Batteriespeicher, überhaupt kein Problem. Das heißt, das wo das Herstellen dieser Commodity Komponenten wie PV Modul und Batterie erfolgt, gerne importieren. Sollten auch mehr selber bauen wegen mir, aber wird ein bisschen teurer, aber die können wir importieren. Solange wir diese Steuerungsschicht europäisch halten, ist alles safe.
Zackes Brustik: Wow, vielen, vielen Dank, Tim. Ich glaube, wir könnten tatsächlich, es gibt ja nicht umsonst lauter Energie Podcast, dieses Thema noch über viele Minuten und Tage wahrscheinlich behandeln. Es ist einfach ultra komplex. Aber an der Stelle sage ich, machen wir gleich eine Schleife drum. Ich glaube zum Abschluss, was habe ich mitgenommen? Also die ganze Debatte grundsätzlich um die fundamentale Politik von Deutschland, die ist echt sehr komplex. Aber es sind auch viele Narrative im Umlauf, die, wie du selber gesagt hast, nicht technisch basiert sind, sondern eher aus politischen Gründen oder aus Deutungsgründen im Umlauf sind. Es gibt wirklich smarte Wege aus der ganzen Misere. Einfach ist es nicht, weil Deutschland mit dem föderalen System und mit den hunderten kommunalen Betreibern einfach echt einen gordischen Knoten an der Backe hat, den vielleicht andere Länder wie zum Beispiel Frankreich, was viel zentralistischer ist oder Dänemark, was einfach überschaubarer ist, nicht haben. Und deswegen sind die uns teilweise wirklich große, große Schritte voraus. Spanien ist sozusagen gerade der Model Case, über den alle sprechen. Die haben einfach andere Voraussetzungen. Das ist so. Aber es gäbe ein riesen, riesen Potenzial nach vorne, hast du selbst gesagt. Das sagt auch deine Studie mit unserem bestehenden System, indem wir einfach nur cleverer und intelligenter managen. Das unterstreicht übrigens auch die Internationale Energieagentur. Jetzt gerade wegen der Iran Krise haben wir allein hervorgehoben, dass allein produzierende Industrie, also wirklich heavy Industrie, könnte 20 Prozent Energiekosten sparen, indem sie nur intelligenter managt. Und das kam jetzt nicht von irgendeiner linksgrünen NGO, sondern es kommt von IEA. Also da ist unglaublich viel Potenzial geht das an. Du hast es selber gesagt, es startet damit, dass wir die Strukturen im Unternehmen anders aufstellen. Mit wem sprecht ihr als Sustainability Manager? Sind es die Energieeinkäufer? Sind das die Werksleitenden? Also da muss man wirklich einen neuen Rahmen finden und ganz klar den Business Case vor Augen haben und es lohnt sich wirklich. Das spannendste persönliche Erlebnis, was ich hatte, ich war in Texas auf der South by Southwest, da habe ich jemanden getroffen vom Green Tech Hub, der D Hub Initiative, also der deutschen Start up Initiative in Rostock. Und die sind mit einer Delegation von Rostock nach Texas geflogen, um zu gucken, wie die Texaner, und ich glaube, es gibt nun mal keinen republikanischeren und auch keinen ÖL fokussierteren Staat als Texas, wie die das machen, ihre Rechenzentren mit PV und WIN zu kombinieren und warum die da so einen großartigen Business Case haben und uns da in Deutschland voraus sind. Also das heißt, es geht auch wirklich anders. Wenn man den Business Case vor Augen hat, dann ist sowas in Texas möglich und auf eine Art und Weise, die selbst mittlerweile so einen demokratisch dirigierten Staat wie Kalifornien. In den Investments überholt hat. Also wenn wir anfangen, den Business Case vor Augen zu haben und nicht mehr parteipolitisch drauf gucken, dann ist richtig, richtig viel möglich. Das wäre so meine Zusammenfassung unserer Folge. Was willst du den Leuten noch mit auf den Weg geben? Tim?
Tim Meyer: Ich gebe dir eine Zusammenfassung vorher mit und ja, ich gebe den Leuten immer gerne mit sich. Da durchaus klingt jetzt komisch, aber mit ein bisschen einer breiten Brust auch ins Gespräch reinzubewegen, Nicht so sehr aus dieses, ja, wir müssen doch irgendwie Co sparen, sondern wir haben jetzt historisch diese einmalige Situation, dass der Case, dass die wirtschaftliche Logik, dass auch das Risikomanagement in Unternehmen völlig in der gleichen Richtung unterwegs ist, wie das, was wir eh wollen, nämlich wir nennen das Energiewende, also dekarbonisieren, elektrifizieren und so weiter. Das müssen die Köpfe jetzt reinkriegen. Das ist schon noch ein bisschen Überzeugungsarbeit, aber wir haben die Fakten auf unserer Seite und das hat tierisches Momentum. Das müssen wir jetzt echt nutzen. Und so pervers das klingt, aber da sind natürlich solche Energiepreisschocks, die jetzt wieder ausgelöst im Golf auch von Hilfe.
Zackes Brustik: Und wer noch wirklich viel, viel tiefer einsteigen will, der kann die Studie von Tim lesen, die verlinke ich in den Shownotes, Sein großartiges Buch Strom und folgt natürlich Tim auf LinkedIn. Dort hat er regelmäßig fast täglich richtig guten Content, der euch auch abholt, wenn ihr nicht die absoluten Strom oder Energieexperten seid. Vielen, vielen Dank Tim.
Tim Meyer: Ich danke dir.
Zackes Brustik: Und abonniert natürlich den Podcast. Schnell die Glocke drücken, damit ihr die nächste Folge nicht verpasst. Da werden wir in den Sustainable Transformation Monitor einsteigen mit zwei der Studienautoren. Freut euch schon drauf.
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