Ein Neurowissenschaftler über GenAI: Wie wir die mächtigste Technologie unserer Zeit gesund nutzen. #106

Shownotes

Wir sind alle gerade Laborratten in einem riesigen Experiment. Und niemand hat uns gefragt, ob wir mitmachen wollen.

Was macht GenAI wirklich mit unserem Gehirn? Verdummen wir, wenn wir Claude oder ChatGPT nutzen? Und wie setzt man KI so ein, dass man davon profitiert statt langfristig das kritische Denken zu verlieren?

Im Gespräch mit Podcast-Host Zackes Brustik gibt Benjamin Bargetzi Antworten, die im KI-Hype völlig untergehen. Er ist Neurowissenschaftler und Psychologe mit Forschungserfahrung in Oxford, war in Führungspositionen bei Google und Amazon, gründet Startups an der Schnittstelle von KI und mentaler Gesundheit und berät Regierungen.

✅ Was neurobiologisch passiert, wenn wir kritisches Denken an die Maschine abgeben und ob man es zurückbekommt. ✅ Wie du dein Gehirn offline pflegst, damit du online wirklich profitierst. ✅ Die drei einzigen sinnvollen Anwendungsfälle für KI und warum Prompt Engineering nicht dazu gehört. ✅ Warum KI Europas letzte Chance sein könnte, wenn wir sie mit europäischen Werten angehen.

Nebenbei erfährst du, wie wir als Eltern unsere Kinder sinnvoll auf den Umgang mit KI vorbereiten. Und wie Frontheimkehrer in der Ukraine psychologisch durch KI unterstützt werden, aber anders als du vielleicht vermuten würdest.

Eine Folge für Entscheider, CEOs und Sustainability Manager, die KI nicht nur nutzen wollen, sondern wirklich verstehen.

SHOWNOTES:

💌 Einmal im Monat teilt Podcast-Host Zackes seine persönlichen Erkenntnisse aus Interviews und Konferenzen: www.zackes.com/newsletter

Über Benjamin Bargetzi: Benjamin Bargetzi ist Neurowissenschaftler, Psychologe und Unternehmer an der Schnittstelle von KI und mentaler Gesundheit. Er hat an der Universität Oxford geforscht, war in Führungspositionen bei Google und Amazon tätig und berät heute Regierungen sowie den Chairman des World Economic Forums. Sein Buch „Nie wieder sinnlos. 42 Impulse, die dein Leben verändern und wie sie neurowissenschaftlich funktionieren" ist im Handel erhältlich. Aktuell entwickelt er MindGuard, eine App für die mentale Gesundheit von Heimkehrenden der ukrainischen Frontlinie. 🔗 https://www.linkedin.com/in/benjaminbargetzi/ 📙 Buch: „Nie wieder sinnlos" https://benjaminbargetzi.com/de/nie-wieder-sinnlos/

Über Podcast-Host Zackes Brustik: Zackes Brustik ist Keynote Speaker, Moderator und Host des Podcasts „Gewinne Zukunft" – einer der meistgehörten Podcasts für ESG-Profis und Entscheider in Deutschland. Nach über 100 Interviews mit Pionieren des zukunftsfähigen Mittelstands bringt er die Erfolgsgeschichten derer auf die Bühne, die einfach machen. 🔗 https://www.linkedin.com/in/moderator-zackes-brustik/ 🔗 www.zackes.com

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Benjamin Bargetzi: Ein Mensch, der sich nicht reflektiert, verliert sein kritisches Denken aufgrund der Maschine. Ein Mensch, der seine Neurobiologie im Griff hat und pflegt, der profitiert von der KI. Erfolg in der Welt der KI ist nicht technologisch, sondern neurobiologisch. Wenn man als Unternehmen, als Konzern keinen Nordstern hat, wenn man nicht weiss, wofür man eigentlich steht, wofür es uns eigentlich gibt, Wenn ich nicht weiss, was mich anders macht als die ganzen anderen Unternehmen auf der Welt, die das Gleiche wie ich machen, wenn man nicht weiss, was eigentlich unser authentischer Brand und unsere authentische Vision ist, Dann ist nicht KI dein Problem, sondern die Sinnesfrage. Ich glaube, Leadership der Zukunft wird viel mehr nicht Technologie einkaufen gehen, weil das irgendwann trivial werden wird. Es wird menschliche Motivation, Respekt davor, wie sich das Gehirn in dieser neuen Welt verändert, gehen, aber noch viel mehr. Okay, das Gehirn ist jetzt wieder online, wir sind alle super, die Technologie ist eingekauft, top, jetzt sind wir zehnmal produktiver als vorher. Warte mal, zehnmal produktiver wofür? Und so, noch mal mein Satz, Ein Zeitalter der KI muss immer auch ein Zeitalter der Philosophie sein, weil sonst wird aus der zweiten Renaissance schnell mal ein zweites Mittelalter.

Zackes Brustik: Eine Frage, die mich persönlich aktuell am brennendsten interessiert ist, was macht die Nutzung von Gen AI mental mit uns? Verdummen wir alle langfristig oder verändert sich sogar unsere eigene Hardware, nämlich unser Gehirn, bei der Nutzung von Gen AI? Und wenn ja, wie sollten wir Claude oder Chet Chippity und Co. Wirklich nutzen? Denn machen wir uns nichts vor, die Fallstricke sind zahlreich. Wir kennen es schon von den Plattformlogiken von Social Media, die Algorithmen arbeiten selten wirklich in unserem Sinne und schon gar nicht für unsere mentale Gesundheit. Ist jetzt auch ein kleines bisschen so in der Art und Weise, wie Gen AI Tools programmiert sind. In dieser Folge geht es also in erster Linie unsere persönliche mentale Nachhaltigkeit und darum, wie wir die mächtigste Technologie unserer Zeit in unserem Sinne und im Sinne 1 prosperierenden, gesunden Menschheit nutzen können. Vertraue mir, das wird inmitten von diesem Jenny-Eye-Hype, wo du alle 3 Wochen neues Update dazu bekommst, was besser ist als Chetchipiti oder Claude oder welche Version du nutzen solltest, Ist das die Folge, mit der wir wirklich einen Schritt zurück machen und auf das Thema an sich schauen? Ich verspreche euch, das wird eine der wertvollsten Folgen zum Thema. Denn ich habe einen der wenigen Menschen eingeladen, die genau an der Schnittstelle arbeiten, die für so eine Folge braucht. Er ist Einerseits Neurowissenschaftler und Psychologe, hat zum Beispiel an Oxford geforscht, war aber auch in Führungspositionen von Tech-Unternehmen wie Google und Amazon, ist selbst Gründer von Startups an der Grenze von KI und mentaler Gesundheit, aber berät zum Beispiel jetzt auch Regierungen wie zum Beispiel den Chairman des World Economic Forums. Und als wäre all das noch nicht genug und er ist wirklich in meinem Alter, ich weiß nicht wie man das schafft, er hat auch noch ein Buch geschrieben, Nie wieder sinnlos, 42 Impulse, die dein Leben verändern und wie sie neurowissenschaftlich funktionieren. Sein Name ist Benjamin Baggetzi. Ihr merkt also, das ist wirklich eine Folge, die weit über unsere Jobs als Sustainability-Profis hinausgeht. In den nächsten Minuten bekommst du richtig vielfundierte Antworten auf 3 Themen. Wie du KI und digitale Tools langfristig gesund einsetzt, was es braucht, damit du und dein Team wirklich Wirkung entfalten können, aber auch welche Gefahren und welche Chancen in KI gesellschaftlich wirklich liegen. Und damit herzlich willkommen bei Gewinn in Zukunft, dem Nachhaltigkeitspodcast der Pioniere und Professionals. Mein Name ist Zakas, ich freue mich wie immer, dass ihr mit an Bord seid. Gerade bin ich kurz davor nach Paris zur VivaTech zu reisen. Also, wenn ihr wissen wollt, was ich da alles an Inputs mitbekomme, abonniert den Newsletter zakas.com slash newsletter, z-a-z-k-e-s dot com slash newsletter. So, Los geht's! Moin Benjamin, richtig cool, dich hier im Podcast zu haben. Guten Morgen, hallo. Ich weiß, du bist schwer zu bekommen, jetzt gerade auch wieder erwische ich dich im Hotel. Also vielen Dank, dass du dir in deinem Busy Schedule diese Stunde rausgeschnitten hast. Ich habe dich letztens gesehen, das war bei 1 anderen Konferenz. The Session, Shoutout an Nadine Wieser von Dekonium, die uns das zusammengebracht hat, dich als Speaker, mich als Moderator. Ich hab dich auf der Bühne gesehen und ich dachte, mega, diesen Mann brauch ich, weil der hat die Antworten auf Fragen, die mich wirklich umtreiben und die in all diesem AI-Hype komplett untergehen. Vorweg muss ich aber noch was loswerden, was ich echt sympathisch finde. Du hast nämlich gesagt, dass ganz ursprünglich am Anfang deiner Reise vor vielen Jahren dein Grund, dich mit KI zu beschäftigen, auch als Neurowissenschaftler, war zu schauen, ob man damit vielleicht einen Weg findet, Tierversuche überflüssig zu machen. Was war da der Hintergrund, kurz?

Benjamin Bargetzi: Ich bin ein großer Tierlieber. Seit ich 5 bin, esse ich kein Fleisch, kein Fisch und nichts. Ich habe damals meine Mama gefragt. Mama, ich sehe immer Apfelbäume oder im Fernsehen ab und zu Bananenbäume. In welchem Land wächst eigentlich Salami? Dann hat sie mir eine Antwort gegeben. Dann war ich out of the club. Seitdem habe ich allgemein Tierrechte sehr am Herzen. Ich war immer sehr interessiert an Biologie. Ich habe es immer schon geliebt. Allgemein Molekulargenetik, aber auch biochemische Prozesse. Aber dann schlussendlich auch die Neurologie des Ganzen. Aber wenn du biologisch arbeitest, kommst du oft nicht ums Sezieren herum. Das war immer so etwas, das Sezieren geht dir noch, wenn es nicht lebende Tiere sind. Aber du hast auch Tierversuche, wenn es Medikamenttestungen geht usw. Was mich fasziniert hat, ist, das machen wir viel mit Ratten, eine Ratte ist schon noch mal anders als ein Mensch aufgebaut. Von dem her sind auch die Tierversuche nicht mal abschließend aussagekräftig. Wenn eine Ratte klappt, heisst es auch, dass ein Mensch auch klappen muss. Und deswegen, je näher du etwas an einem Menschen testen kannst, desto besser, weil es dann auch ethischer ist und zweitens klare Datengrundlagen. Ich fand diese Idee so spannend, dass wir z.B. Mit künstlicher Intelligenz, aber auch Robotik-Simulationen, ein Umfeld kreieren, aus den Daten heraus, wo wir wirklich am Menschen arbeiten. Nicht einem echten Menschen, aber in einem Datenraum, der auf die biologischen Daten trainiert ist. In 1 solchen Welt könnte wahrscheinlich auch das Machine Learning-Modell mit ziemlich zufriedenstellender Werte sagen, ob wir glauben, dass dieses Medikament Schaden errichten wird oder nicht. Was dir halt auch in meiner Hoffnung, dass die Modelle irgendwann so gut sind, dass du dort wirklich auch die Tierversuche sparen kannst und direkt in die Human Trials rein kannst, weil die Human Trials sind ja meistens sehr gut reguliert, geschützt und da ist ja meistens eine sehr gute Ethik dahinter, die bei den Tierversuchen einfach fehlt.

Zackes Brustik: Ich finde das eine großartige Vorlage, weil im Prinzip sind wir alle gerade Laborratten in dem großen Versuch, was passiert, wenn wir Genii auf die Menschheit loslassen Und das hat handfeste Auswirkungen auf unser Gehirn, auf unser Wohlbefinden, auf unsere sozialen Interaktionen. Ich war Anfang des Jahres auf der South by Southwest, die, die das nicht kennen. Das ist so die coolste Konferenz der Welt überhaupt. Da kommen die führendsten Tech-Leute, Künstler, aber auch Wissenschaftler, Psychologen. Also es ist wirklich so quasi, wie man es in der Aufklärung hatte, genreübergreifend das Zusammenkommen von den klügsten Köpfen dieser Welt. Und da war eine Neurowissenschaftlerin, die meinte, Leute, wenn ihr euer kritisches Denken an die Chenny-AI abgibt, also diesen ganzen mentalen Workload, der schwierig ist, dann verliert ihr die Fähigkeit zum kritischen Denken. Was mich so alarmiert hat, ist, sie hat gesagt, wenn sie erst mal weg ist, können wir uns die nicht mehr zurückholen. Da hab ich Angst bekommen, weil ich dachte, ey, Claude, ich nutze das so gerne, ist so einfach, damit eine Podcast-Beschreibung aus meinem Text rauszuziehen. Seitdem interessiert mich das, als ich dich gesehen habe, dachte ich, geil, endlich der Mensch, der mir das beantworten kann. Was macht das, wenn ich Chlord nutze, wirklich de facto neurowissenschaftlich mit meinem Gehirn?

Benjamin Bargetzi: Also das Statement vorher finde ich spannend. Also ich finde, Es ist sehr wichtig, darauf hinzuweisen, wie der Konsum der Technologien auch psychologische und sogar neurobiologische Konsequenzen für uns haben. Das mache ich auch gleich. Andererseits ist es aber auch wichtig, das ist meistens so, wenn neue Technologien aufkommen, dann werden die Leute immer zuerst sehr, sehr in Panik versetzt. Das ist auch sehr biologisch. Ich meine, wir Menschen kommen aus der Natur. Wir sind eigentlich sehr ärmerliche Tiere. Wir können nicht mal richtig fliegen, wir können nicht gut schwimmen. Wir haben keine Krabbel-und-Reiß-Szene. Was wir können, ist, einen Schritt zurückzumachen, planen in der Gruppe und dann gemeinsam angreifen, das Mammut erlegen oder den Säbelzahntiger angreifen. Also ich glaube, dieser Grundinstinkt des Menschen, der in unserer Natur schlummert, immer erst mal einen Schritt zurück zu gehen, vom Schlimmsten auszugehen, dann in der Gruppe zu koordinieren und vorwärts zu laufen, das spielt hier auch ein bisschen mit. Ich bin immer noch sehr technologiefreundlich. Ich habe meine ersten Konferenzen und sonstige Events, die ich gemacht habe, schon vor gut 10 Jahren, zu dem ganzen KI-Thema. Von dem her, ich bin auch sehr erfreut, gerade auch in der Biotechnologie, und dass wir damit für Krebsforschung usw. Machen können. Also da bin ich ein großer Verfechter davon. Auf der anderen Seite, ja, die Studienlage fängt an zu wachsen, dass es auch Probleme für unser Gehirn gibt. Ich meine, stell dir nur mal dieses Ding vor, wie viele Nummern, die du mal auswendig kanntest von deinen Freunden, kennst du heute noch auswendig? Wahrscheinlich die wenigsten.

Zackes Brustik: Gar keine. Also ich weiß noch nicht mal mehr meine eigene Telefonnummer in meiner Kindheit und die hat sich ja ganz lange nicht verändert.

Benjamin Bargetzi: Und das ist eben so das, dass ich meine, du kannst auch argumentieren, hey, müsstest du das überhaupt auswendig wissen? Ist das genau was du unnötiges wissen? Das ist eine ganz andere Diskussion.

Zackes Brustik: Also ich weiß ja auch ganz ehrlich, das ist ja so wie wer von uns kann noch einen Baum benennen? Das war vor 150 Jahren wichtig, jetzt ist es auch nicht mehr wichtig. Können wir sagen, egal, brauchen wir

Benjamin Bargetzi: nicht mehr. Das ist bei mir in den Speeches immer so ein bisschen das Kernding. Ich möchte nicht sagen, Technologie, böse, Teufelszeug und so weiter. Was ich aber machen möchte, ist die Aufmerksamkeit hinbringen, dass das, was wir wiederholt tun, neurobiologische Konsequenzen hat. Wenn wir jeden Tag unser Hirn trainieren, diese Short-Former-Drills, also diese schnellen Impulse, dieses Flackernde, dieses Dynamische, dann baut sich metaphorisch gesprochen dein neurologischer Muskel ab, in hohe Aufmerksamkeit aufzubauen. Wenn du wiederholt deine Telefonnummern an dein Handy abdelegierst und das dem überlässt, dann speicherst du es nicht mehr bei dir ab. Wenn du wiederholt Gedichte schreibst, nur mit Chatter, Copy, Paste, dann wirst du die Fähigkeit zu dichten verlieren. Man kann immer fragen, ob man das überhaupt braucht. Ist es evolutionär besser für den digitalen Menschen? Homo sapiens schaffen wir jetzt ab, jetzt kommt der Homo digitalis. Jetzt müssen wir keine Aufmerksamkeitsspanne mehr haben. Wichtig ist, dass wir die Geräte bestmöglich nutzen können. Das überlasse ich jedem und jeder selbst, das zu entscheiden. Ich bin ein großer Freund davon, KI und Technologie dort einzusetzen, wo ich produktiver sein möchte. Im Arbeitsleben, in der Abwicklung von operativen Prozessen, in der Aufstellung von probabilistischen Modellen, die mir helfen, den Aktienmarkt oder allgemeine Geschäftsrisiken vorherzusagen. Solche Sachen fasziniere mich, KI zu machen. Dort aber, wo ich nicht schneller sein möchte, z. B. In meiner Freizeit, wenn ich mit meinem Grossvater am Tisch sitze. Da möchte ich nicht an meinem Handy etwas machen, sondern präsent sein. Oder wenn ich am Abend runterfahren möchte, indem ich langsam ein Buch lese, damit mein Körper in die Ruhe kommt, sollte ich doch nicht noch Social-Media-Reels konsumieren oder JGPT-Deepdives machen, die dich immer weiter in diesen Aufmerksamkeitstunnel reinbringen. Weil letztendlich, das können wir nachher drüber sprechen, wir sprechen sicher noch viel über Dopamin heute, aber wenn du etwas Aufregendes, Schnelles machst, wird dein Gehirn diese Dopamin-Prediction Error, nennt sich das, nach und nach aufbauen. Die halten einfach deinen Geist auf, auf Strom. Dann wird es schwer mit dem runterfahren.

Zackes Brustik: Genau da wollte ich kurz rein, weil das ist das Thema, was mich im Kern interessiert. Und wir reden nachher noch drüber, wie man Chachapiti auch in der Arbeit einsetzen soll und im Team und dergleichen. Das heißt, es kommen noch die ganzen hart professional based facts. Aber erstmal wirklich, und Ich finde, das ist das Wichtigste, worüber wir viel zu wenig reden. Du hast es in deiner Keynote gesagt, das fand ich wirklich spannend, dass unser Gehirn Neuronen recycelt. D.h., wenn ich drauf trainiert bin, ich bin als Kind noch aufgewachsen, hab tatsächlich lange sehr viele Bücher gelesen, Aber wenn ich jetzt daheim auf der Couch sitze und dann anfange, YouTube-Reels zu schauen, dann ist es wirklich so, wenn ich das richtig verstanden habe, dass das Gehirn anfängt, Neuronen, die es früher mal fürs Lesen verwendet hat, an anderer Stelle zu recyceln, möglichst schnell flickernde Bilder zu erkennen oder in einem richtig vollen Real Feed zu gucken, welches für mich das nächste spannendeste ist. Das heißt, es ist wirklich eine physische Veränderung in meinem Gehirn. Und dann kann ich ja nicht sagen, okay, ich habe jetzt ein halbes Jahr Reels geschaut, jetzt muss ich endlich mal wieder umschalten. Nee, dann hat sich wirklich de facto schon was verändert, oder? Wegen dieser Neuroplastizität.

Benjamin Bargetzi: Das ist so, genau. Und also klar, das ist sehr komplex, wenn man es sich auf der zellulären Ebene anschaut, aber grundsätzlich ist das genau, wie das Hirn funktioniert. Das sind die Heptian-Regeln, what fires together, wires together. Also Im Sinne von, welche Neuronen oft gemeinsam aktiviert werden in 1 Konstellation. Da bilden sich dichtere synaptische Verbindungen, was das zur prädominanten Antwort deines Gehirns macht. Was heisst, wenn du Ich komme nach Hause, trinke Bier. Wenn das deine Routine geworden ist, wird dein Gehirn das als dein Automatismus, als deine Gewohnheit etablieren. Aristoteres schreibte schon über 400 Jahre vor Christus, du bist, was du wiederholt tust. Da hat er recht gehabt. Im Sinne von, was du deinem Gehirn wiederholt signalisierst, meistens durch Aktion, also durch deine Taten, signalisiert dem Gehirn, was in deiner Umwelt für eine Gewohnheit erfolgsversprechend ist. Das ist ein super Mechanismus, wenn man gute Gewohnheiten antrainiert, aber auch gefährlich für die schlechten. Wir müssen uns bewusst sein, dass alles, was wir tun, wenn wir es wiederholt tun, als Gewohnheit, sich im Hirn als Brücken fest verankert, zwischen unseren verschiedenen Hirnarealen, im Sinne von Brücken, dass das unsere Gewohnheiten wird. Wenn du dich darauf trainierst, nur noch kurzlebige, schnelle Sachen zu schauen. Da bist du immer umfähiger, zum Beispiel mal wieder einen alten Film zu schauen. Ich hatte neulich eine Diskussion über Star Wars. Da war ich immer ein großer Freund von den ersten 6, die neuen 3 fräglichen Verbrechen an der Menschheit. Aber die ersten 6, die fand ich toll. Und da hat mir jemand gesagt, Star Wars 4, 5, 6, das seien schlechte Filme, das sei so langsam alles, oder? Das war natürlich eine ganz spannende Aussage. Das macht schon Sinn, die Person war noch einiges jünger als wir. Das macht schon Sinn, wenn du dein Gehirn immer nur trainiert hast auf schnelle, rasante, immer extremere Reize, dann verlierst du auch die Fähigkeit, mal etwas auszuhalten. Deswegen ist mein großer Appell, dass wir uns öfter mal wieder dem Langweiligen hingeben. Also das, was langweilt. Ein Spaziergang durch den Wald, ein langsamer Spaziergang, ein Buch, ein Gespräch mit jemandem, ohne gleich wieder flüchten zu wollen, ins Handy. Ich meine, oftmals Wieso sind Menschen zusammen am Tisch und fliehen dann ans Handy? Weil sie das Gespräch nicht mehr spannend finden oder weil sie keine Stimulation mehr kriegen von diesem Gespräch und deswegen neue Stimulationen auf dem Smartphone suchen. Ich meine, das ist das, was ich dir während des Springen möchte. KI ist 1 der grössten Geschenke seit dem Feuer, was der Menschheit je widerfahren ist. Das ist ein zweiter Prometheus-Moment in meinen Augen. Wenn wir es sauber aufsetzen, das kann natürlich auch in die andere Richtung gehen, wie das Feuer auch übrigens. Das kann Schaden wie auch Gutes zugleich anrichten. Die große Herausforderung der Zukunft ist aber, dass wir in dieser ganzen Geschwindigkeit, die wir ermöglichen durch den neuen Peak der industriellen Revolution, in der wir uns jetzt befinden, die beste KI der Welt, nämlich die in unserem Kopf oben, nicht aufhören zu pflegen. Das ist mein Appell. Nicht technologiefeindlich, nicht alles weg damit, sondern Vollgas-KI dort, wo wir es brauchen, in der Forschung, in der Technologie, in der Nachhaltigkeit. Man kann unglaublich viele tolle Dinge tun, darüber sprechen wir später. Aber sich auch bewusst sein, je mehr wir Was wir wiederholt konsumieren, ist unser Schicksal. Wenn du im Fitnesscenter einen Muskel aufbaust und aufhörst, bauen sich die Muskeln wieder ab. Das ist genau das Gleiche wie im Gehirn. Was du wiederholt nutzt, wird ein Anker von dir, eine Fähigkeit. Was du aufhörst zu nutzen und abdelegierst, geht weg. Und so sehe ich doch viel Unschönes an einem Leben, wo du am Morgen aufstehst, das 1. Mal deine Nachrichten prüfst und deine Social-Media-Reels, dann arbeiten gehst, den ganzen Tag mit KI-Agenten und technischen Laptops operierst, nach Hause kommst, das 1. Mal Uber Eats essen bestellen, Netflix oder Movies schauen. Wo bist denn du irgendwo noch in diesem ganzen Hamsterrad bist. Und wo du einmal in der Stille und im Langsamen bist. Das ist nicht nur ein Live-Advice, sondern, wie ich vorher sagte, wenn dein Leben aus diesen digitalisierten, gemütlichen Komfortroutinen besteht, dann wird sich das biologisch in deinem Hirn verankern. Und du wirst zu einem Menschen, der mit Anstrengung Mühe kriegt. Du wirst zu einem Menschen, der mit Disziplin Mühe hat, der Mühe hat, wieder durchzubeißen. Du richtest dir dein eigenes Hirn zugrunde, wenn du nur noch im digitalen Komfort lebst.

Zackes Brustik: Jetzt sind wir genau da, wo ich reinwollte. Wir müssen noch mal zurückgehen, bevor wir darüber sprechen, was Chatbots mit uns machen und wie wir sie richtig nutzen. Wir müssen erst mal gucken, wie geschädigt wir schon durch Social Media sind. Du hast es angesprochen, Stichwort Dopamin, Dopaminsucht. Was ist deine ganz konkrete Hygiene? Was sind deine Praktiken, mit denen du neurowissenschaftlich fundiert, Ich sag mal, mit dem ganzen Thema umgehst, aber auf gesunde Art und Weise. Ich glaube, ich habe irgendwo mal gelesen, dass du zum Beispiel am Wochenende kein Smartphone in der Hand hast.

Benjamin Bargetzi: Ich sehe noch meine Aspiration, jetzt wo ich CEO von Techfirmen bin, ist es immer schwerer geworden, dass ich am Wochenende wirklich ganz offline bin, leider. Als ich noch angestellt habe, das war eine fixe Routine von mir. Freitagabend, 20.00 Uhr, Handy aus, und erst am Montagmorgen, 8 Uhr in der Früh, wieder an. Warum? Weil ich meinem Gehirn beibringen wollte, wieder mit dem Langsamen und der Stille umgehen zu müssen. Ich wollte mich dazu zwingen, dass ich auch wieder in 1 natürlichen Welt lebe, die eben nicht digitalisiert ist. Im Geschäft Vollgas KI, weil dort will ich produktiv sein, aber in der Freizeit entschleunigen, damit ich wieder die Kraft tanken kann und in der nächsten Woche Vollgas weiterzumachen. Weißt du, ich möchte Technologien nutzen, meine Probleme zu lösen. Ich möchte nicht zum Sklaven meiner eigenen Geräte werden. Und dazu braucht es Distanz.

Zackes Brustik: Da muss ich noch mal kurz nachhalten, weil ich kenn's von mir selber. Moderator ist mit Menschen nah, ist die Technologie nicht drin, wenn ich in der Konferenz bin. Aber als ich den Podcast gestartet hab, war LinkedIn wichtig. Ich hab abends davor gesessen, Post geschrieben, Kommentare geschrieben, viel gepusht. Mittlerweile hab ich LinkedIn vom Telefon gelöscht, dass ich es nur noch am Desktop habe. Und ich versuche auch, abends wirklich weg davon zu bleiben. Weil es ist, wie du sagst, du sitzt den Tag über vorm Rechner und arbeitest. Dann ist es ja idiotisch, abends noch mal 2 Stunden vor einem toten Stück Glas zu sitzen und Social Media zu kommunizieren, Reels. Ich hab selber gemerkt, weil ich keine andere App hab, bin ich bei YouTube-Reels gelandet. Weil ich extra alle Social-Media-Apps gelöscht hab. Ich merke, ich kann den Netflix-Film nicht mehr gucken. Ich muss mich für die Podcast-Folgen dazu zwingen, Bücher zu lesen. Aber wäre diese Deadline nicht, würde ich da auch komplett versagen.

Benjamin Bargetzi: Ich finde das so schön, diese Ehrlichkeit. Das kann ja alles nur so gut.

Zackes Brustik: Und Ich glaube auch, dass ich mich damit ein bisschen in Burnout manövriert habe und es mir auch lange mental nicht gut ging. Ich meine, LinkedIn, dieser ganze Druck, alle sind so erfolgreich, alle geben Gas. Und wenn du das am Wochenende, während du runterfahren sollst, konsumierst, habe ich für mich gemerkt, tödlich, weil mein System sich gar nicht mehr beruhigt.

Benjamin Bargetzi: Ja, und vor allem diese Dopaminkirks. Dopamin ist ja dieses Molekül, das uns Sachen erstreben lässt. Es arbeitet aus der Zukunft rückwärts. Was ich mit dem meine, ist, Dopamin ist ein Prediction-Molekül. Es macht Vorhersagen über die Welt, wo es glaubt, welche Handlung oder welchen nächsten Step einen Wert für uns hat. Dann gibt es uns rückwärts die Energie, eine Aktion zu tätigen, dahin zu kommen. Das Ding ist, Dopamin ist Ein geniales Ding. Damals in der alten Welt, Steinzeit, stellst du dir vor, wir hatten so oft Dürren oder Fluten, wo wir weite Strecken laufen mussten, als hat das Gehirn einen Dopaminstoß für Zucker aufgebaut. Was absolut Sinn macht. Du brauchst Zucker oder Pflaumen, wenn du weite Strecken laufen willst. Und was haben wir heute? Die Industrie hat überall in das ganze Essen Zucker geworfen. Jetzt haben wir ein globales Gesundheitsproblem. Das kommt daher, dass ein genialer Mechanismus der Natur ausgenutzt wurde. Informationen übrigens, Lästern, also über andere Leute lästern, ist auch evolutionär adaptiv. Du wolltest in der alten Welt genau wissen, welchem Stamm du vertrauen kannst, wo das gute Essen ist, wo es einen Säbelzahntiger gibt usw. Informationen sind auch etwas, was für unser Hirn überlebensnotwendig ist. Außer, schütten Informationen auch Dopaminstöße aus. Das Problem ist, das Gehirn ist sehr schlecht darin zu filtern, was die nützlichen und unnützlichen Informationsquellen sind. Wenn du in diese Social-Media-Reels reingehst und anfängst, zu scrollen und weiter und weiter runterzubuddeln, ist das die panische Versuchheit deines alten Gehirns, irgendwo in diesen Informationen etwas Nützliches zu finden. Und da hast du auch den Sankt-Kost-Bias, also die Tendenz des Menschen, dass, wenn er schon viel Zeit in etwas investiert hat, lieber noch weiter macht, als sich einzugestehen, dass er Zeit verschwendet hat. Plötzlich bist du in diesen Stunden, wo du durch diese Reels, durch LinkedIn, dich irgendwo durchwühlst, in der Hoffnung, irgendwo noch was Sinnvolles zu finden. Das Dopamin feiert brav weiter. Und plötzlich gestehst du dir ein, das war wirklich für die Katz. Dann hast du einen kompletten Shutdown von deinem System, weil deine ganzen energetischen Ressourcen in die Dopamin-Predictions für die Reals reingehen. Dann hast du diese innere Lehre, die später kommt. Es gibt einen Grund, dass ich ein Buch geschrieben habe über 42 Wege, wie man neurologisch fit bleibt im Kopf in 1 hochdigitalen KI-Welt. Aber das Buch heisst nie wieder sinnlos. Also im Sinne von, es geht Sinn auch. Meine Behauptung ist, dass letztendlich, wenn man sich immer wieder diesem kurzlebigen, intensiven Reizen aussetzt, dass das einfach dazu führt, dass du innerlich immer leerer und leerer wirst, wenn du sie eben nicht mehr hast. Also doch sehr viele parallelen damit, wie jemand einen Alkohol-, Zigaretten- oder Drogenentzug hat.

Zackes Brustik: Das heißt, das ist ein bisschen wie Zucker fürs Gehirn und wir haben quasi nicht so ein unendliches Reservoir an Dopamin oder Bausteinen, die wir dafür brauchen. Ist das verfeuert, fallen wir in ein Loch.

Benjamin Bargetzi: Ganz kurz, es ist nicht so, dass das Dopamin limitiert wäre. Die Neurodose hat genug, 29 m. Es ist, dass die Zellen abgestumpft werden. Es ist eine Abstumpfung. Du überreizt sie und irgendwann sind sie abgestumpft und brauchen immer härtere Kicks, wieder was zu fühlen. Es ist nicht, dass es uns Dopamin ausgeht. Eine Dopaminspritze würde dir nix bringen. Kokain zum Beispiel, Diese ganzen Drogen, das sind ja auch einfach synthetische Dopaminen, die die Leute zu sich nehmen. Also weißt du, wenn du sagst, hey, ich habe einfach einen Dopaminmangel, da kannst du einfach die Drogen nehmen oder sonst was. Nee, nee, nee, das klappt überhaupt nicht. Das macht es noch schlimmer, weil du dann eben noch mehr deine ganzen Zellen überreißt. Die haben einen Burnout irgendwann. Also deine Zellen kriegen einen Burnout und wenn genug Zellen einen Burnout haben, dann hast du es auch bald. Also das ist so ein bisschen, es geht eher die Abstumpfung, mehr noch als dass uns das Dopamin ausgehen würde. Was schwerer ist, weil wenn es uns ausgehen würde, kannst du Pillen oder sonst was schlucken, es auszugleichen. Dann hast du das Problem gelöst, aber es geht die Abstimpfung. Das Einzige, was das wirklich heilen kann, ist, dass du dich fernhältst von den Überreizungen. Wenn du einen Satz erlaubst Du hast es erwähnt, ich bin an Konferenzen, da bin ich offline und so. Das klappt leider nicht. Die Konferenzen sind auch stimulierende Dinge. Du hast extrem viele Leute dich, du kriegst viele Impulse. Das ist auch Lernen, Das ist Inspiration, das ist Speed. Das ist das Gleiche wie ein Social-Media-Read am 3.00 Uhr. Das kickt dein Gehirn in die Höhe hoch. Es geht eben nicht digital versus nicht digital. Es geht überreizt versus in der Stille. Das ist das Gefährliche. Wenn man dann, wie du und ich, in den Konferenzen ist, da wieder Einladung, da wieder geht was los, dann noch das Digitale, dann noch in die Geopolitik, wieder Zeitung lesen, wieder im Kopf voll, im Geschehen sein, dann wieder LinkedIn, dann kommst du einfach nicht zur Ruhe. Und irgendwann gibt der Körper dir das Signal und sagt, jetzt schalte ich den einfach ab, den Körper, weil ich mag nicht mehr. Und das ist eben das Gefährliche, dass man sich nicht auf dieses Digital versus Nicht-Digital verlassen kann, sondern es geht werde ich hier überstimuliert oder komme ich zur Ruhe? Und das ist das Schwierige daran.

Zackes Brustik: Wir steigen jetzt mal noch direkt den Sprung nach vorne in die KI. Also das war jetzt alles, ich glaube, das kennen wir aus eigener Erfahrung mit Social Media. Im Bereich mit Chatbots ist es noch recht neu. Ich glaub, da haben wir vielleicht auch gar nicht so ein Gefühl dafür, wie ähnlich zu Social Media Wirkungslogiken von so einem Chatbot sind, die nicht in unserem Sinne arbeiten. Also eine Dinge, die ich gelesen hab, ist so dieses KI-Fatig. Oder quasi der Chatbot fragt ja immer, und jetzt, soll ich noch das machen, soll ich noch jenes? Das heißt, der Chatbot sagt, nee, super, das haben wir erreicht, nimm dir eine Pause. Das heißt, ich laufe da auch in so eine Leere rein, weil ich immer wieder gefordert bin, immer das Gefühl habe, ich könnte auch noch mehr machen und hier noch und da noch und da noch. Das heißt, ist das real, so diese KI-Fatig?

Benjamin Bargetzi: Also je nachdem, welche Generation du dir anschaust, Gen Z zum Beispiel, die haben, habe ich in einem Artikel in der Schweiz in den Zeitungen geschrieben, da gibt es eigentlich schon 40 Prozent, gut, haben mal experimentiert, eine Beziehung zu führen mit einem Chatbot. Und ich meine, wann ist das nachher ein Social Media? Auf der anderen Seite sind es keine Menschen, sondern die KI, mit der du sprichst. Aber es gibt Leute, die leben lieber über ihre Beziehungsprobleme oder ihre mentalen Gesundheitsprobleme mit 1 KI, als dass sie mit einem Menschen darüber sprechen. Das heißt, die KI wird zum Social Media. Das ist ja nachher auch ein Social Media. Du nutzt es für soziale Zwecke, für den sozialen Austausch. Wenn du KI nur nutzt, dir Informationen zu suchen, wie zum Beispiel Google, dann ist es eine Suchmaschine. Wenn du anfängst, mit der zu sprechen, und ein Menschen dazu, dann geht es zum Social Media. Dann kannst du dir vorstellen, dass die Befunde genauso anwendbar werden, vielleicht sogar noch extremer. Es ist auch so bei Social Media, wenn du einfach dein Newsfeed am Durchscrollen bist versus intensiv mit jemandem am Schreiben bist online. Das sind auch verschiedene Intensitätslevel. Und noch wichtig, ich möchte es nachher noch ausführen, weil es mir sehr wichtig ist, in der KI-Welt zu unterscheiden, zwischen industrieller KI und Consumer AI. Und Consumer heißen diese Jetbots und auch Netflix-kuratierte Feeds und so weiter, Instagram, was ich alles nicht habe. Und die Schweizer, die nennen mich ja immer so lieb den KI-Pionieren. Dann hat der Terr nicht mal einen Netflix-Account, kein Uber Eats, ich hab kein Instagram, TikTok, gar nichts. Also ist doch lustig. Sorry, ich muss

Zackes Brustik: das nochmal festhalten. Das kommt hier von jemand, der hat an Oxford studiert, er kennt Psychologie, er hat für Tech-Unternehmen gearbeitet Und ein Mensch wie du hat bewusst und wegen wissenschaftlichen Hintergründen all diese Apps nicht. Ich finde, da sagt richtig was aus. Auch da muss ich noch mal kurz ergänzen, Fun Fact. Ich hab den letzten, generell einen der coolsten KI-Podcasts empfohlen, Hart Fork von der New York Times. Und da war, ich glaube, er heißt Jack Clark, ist 1 der weniger bekannten Mitgründer von Entropic, also dem Unternehmen hinter Claude. Und er meinte, seine Kinder müssen täglich Journaling praktizieren. Also sich kritisch mit Stift und Papier auseinandersetzen. Das kommt von einem der Menschen, der diese Tools mit erfunden hat.

Benjamin Bargetzi: Ja, das ist auch lustig, wenn ich auf der Bühne immer sage, dass ich meinen Kindern versuchen werde, bis 14, 16 keine Handys zu geben, dann lachen immer alle. Hahaha, unmöglich, oder? Und dann sage ich so, ja, wisst ihr, wer das auch gemacht hat? Die ganzen Tech-CEOs der Silicon Valley-Firmen. Die haben auch ihre Kinder ferngehalten von dem ganzen Zeug. Also, es ist schon spannend, wie wir die Gesellschaft dermaßen digitalisiert integrieren mit den Geräten, dass plötzlich weg sein Ich meine, ich mache 2 Wochen mein Handy aus. Ich mache 2 Wochen das Phone aus. Weißt du, wie viele Leute denken, was ist passiert? Was ist hier los? Wir machen eine Kulturtransformation aufgrund der Geräte und bewegen uns in neue Gewohnheiten, wie man sich zu verwalten hat, die es immer schwerer machen. Stell dir vor, du machst deinen Job, und dann stößt du in dein Natel aus. Dann wird dein Chef irgendwann sauer, weil die glauben, du arbeitest nicht. Das ist immer auf Erreichbarsein. Das hat irgendwie auch was zu tun mit, keine Ahnung, es wird so wie so ein Kulturgut. Und das sind halt diese Dinge, wo ich halt finde, wir sollten es wieder viel normaler in der Gesellschaft machen, zu sagen, ja, Der Typ ist aber mal eine Woche offline und der kommt dann schon wieder. Und das ging ja früher auch. Das war übrigens dieses so toll an dieser Zeit, wo ich offline war die ganze Zeit an Wochenenden. Ich hab gesagt, mein Freund, wir treffen uns 15.00 bei der Bäckerei. Und die waren

Zackes Brustik: alle 15.00. Gezwungenermaßen. Wieso?

Benjamin Bargetzi: Wir mussten nicht zu spät sind, ich hab keine Ahnung, wir bitten uns nicht, oder? Und das sind halt alles so diese faszinierenden Sachen, wo ich sage, hey, es ging doch früher auch ohne. Also von dem her, lasst uns, und das ist vielleicht ein bisschen eher so mein, wieder Mein grundphilosophischer Stand, auch in meinem Buch, nie wieder sinnlos. KI sollte uns erlauben, dass wir eine höhere Produktivität im Leben erreichen, was theoretisch heisst, Wir haben nachher mehr Zeit. Aber jedes Mal in der Menschheitsgeschichte, wenn wir Technologien entwickelt haben, bei denen wir nachher mehr Zeit hatten, haben wir dafür einen Umfug empfunden, wodurch wir am Schluss wie immer gleich gestresst waren. Ich glaube, dass ein Zeitalter der KI auch ein Zeitalter der Philosophie werden muss. Du musst dir die Fragen stellen. Wenn ich bald diese ganzen Agenten habe, die ich mit Voice Control Ich sage schon lange, wir gehen weg von Tippen, weg von Geräten, vom Laptop. Wir machen bald alles nur noch mit der Sprache. Du redest mit deinem Device. Vielleicht ist kein Handy mehr, vielleicht wird es ein Earplug, vielleicht wird es eine Aprilia oder sonst was. Du redest mit diesen Dingern und gibst ihnen Befehle, Sachen im Internet zu machen. Du sagst einem Ding, bitte geh online und buche mir meine Flüge nach Vietnam. Das und das Budget, das und das Timing. Dann geht das online, nimmt die Kreditkarte, nimmt den Pass und macht das für dich. Das ist eine Welt, in die wir hingehen, wo wir theoretisch alle viel mehr Zeit kriegen. Wo zum Beispiel ich als Keynote-Speaker bei der KI sage, hey, mache mal ein Slide-Deck, das und das ist das Briefing. Und dann kommt das perfekt raus und du gehst nur noch auf die Bühne und deliverst.

Zackes Brustik: Aber da muss ich kurz mit rein, das ist ja genau der Fehlschluss. Damit wird uns das versprochen, wir werden produktiver, wir gewähren Zeit. Was kommt dabei raus? Oh, die Präsentation ist fertig. Chef guckt auf mich und sagt, ja, ich habe hier noch 3 weitere Kunden. Dann mach mal bitte noch die nächsten 3 Präsentationen fertig.

Benjamin Bargetzi: Ja, genau. Oder das, zum einen ist der wirtschaftliche Druck, weil da merkst du halt, ach, wachst du bis nach oben unendlich. Also dann squeezen wir einfach noch mehr aus den Leuten raus. Genau, das ist eine Konsequenz. Und die andere, dass du die ganze freie Zeit, die du am Abend hättest, wieder mal was für dich zu machen, so verbringst, dass du, keine Ahnung, doch wieder deine 3 Stunden auf Social Media von deinem Leben verschwenden gehst. Deswegen, was ich meinte, es ist ein philosophisches Problem. Wenn wir wissen, was unser Nordstern ist, was unsere Werte sind im Geschäft wie auch daheim, können wir das sehr gut nutzen, diese erhöhte Produktivität. Aber wenn wir einfach produktiver werden, ohne eigentlichen Sinn dahinter, dann werden wir einfach weiter den Planeten zerstören, weiter uns zerstören und weiter Vollgas geben, ohne wirklich einen Sinn. Und dann bringt das Ganze halt auch nicht wirklich was. Ich glaube, wenn wir dieses 2. Feuer jetzt gerade kriegen, wo wir wirklich Unglaubliches tun können in der Menschheitszivilisation, dann sollten wir auch wirklich ein philosophisches Framework haben, in welcher Form und Weise wir das sauber nutzen können.

Zackes Brustik: Da würde ich nachher noch mal kurz drauf zurückkommen. Wir parken das für eine Sekunde. Wir ergänzen zwischendurch wirklich die ganzen vielen praktischen Tipps, die ich versprochen hatte. Wie arbeitest du mit KI versus andere Menschen? Also ein Thema, da kannst du auch mal kurz fact-checken sozusagen, das war auch ein Thema, ein Statement auf der SAUS bei SouthWest, war, ja nutzt diese Modelle und diese consumerorientierten Chatmodelle, aber instruiert sie euch immer zu challengen. Also dass die Modelle euch zwingen mitzudenken, kritisch zu denken, dass sie nicht einfach nur, das war die englische Formulierung, don't offload the workload.

Benjamin Bargetzi: Ich glaube nicht so sehr an dieses Prompting, dieses Prompt Engineering und besser Prompten und so. Also ich habe eine Art und Weise, wie ich mit den Dingern rede, dass ich sage, hey, da kommt was Sauberes dabei raus. Ich glaube aber, irgendwann geht es auch zur Eigenverantwortung. Im Sinne von, dass du verstehst, dass du mit einem statistischen Modell gerade sprichst, das dir ein Feedback gibt auf deine Frage. Oder dann hast du einfach mal eine Probabilistik. Und diese Probabilistik ist eine Wahrscheinlichkeitsverteilung, dass das stimmt, was das Ding sagt, das kannst du dann in dein Human Judgment einfließen lassen. Ich bin seit gut 10 Jahren in dieser ganzen KI-Welt unterwegs. Und ich werde langsam auch müde ab dem Wort. Also künstliche Intelligenz, da bin ich als neuer Forscher Es ist immer gedreht, wenn ich so was höre. Da gehen wir gleich die Debatten los. Aber ich glaube, es wird hilfreicher sein, wenn wir KI über das definieren, was sie eigentlich tut. Im Sinne von, das ist ein Algorithmus, der maschinell aus Datensätzen lernt, Muster lernt, die ihm erlauben, 3 Dinge zu tun. Dann weisst du auch, was ich KI nutze. Nummer 1 erlaubt Aktionen mit eher wenig Uncertainty, also mit eher wenig Unsicherheit. Oft sagen Leute, das seien repetitive Aufgaben. Das ist kein guter Fall für KI. Repetitiv würde man einfach einen normalen, regelbasierten Algorithmus nutzen, ein deterministisches Modell, kein statistisches, was ja die KI by default ist. Du brauchst einen Prozess, der gut dokumentiert ist, aber eine bestimmte Uncertainty aufweist. Das sind wunderbare Beispiele für KI. Also, ich sage mal, beispielsweise eben Slide-Exponen oder so was wie, hey, ich weiß genau, was mein Brand ist, meine Linie, meine Thematiken. Oder die KI weiß ein bisschen was. Wir kriegen einen User-Input, ein Briefing, ein detailliertes. Und dann hat sie da ein bisschen Varianz drin, ein bisschen Spielraum. Aber weil sie weiß, was genau unsere Themen im Kern ausmacht, bringt sie das ganz sauber hin. Das sind Beispiele, wo die KI dir Arbeit abnimmt, die du vielleicht nicht selber machen möchtest, wodurch du mehr Zeit kriegst, wiederum mehr Zeit kriegst in der Theorie, oder Momentum ist vielleicht ein besseres Wort, Momentum kriegst, die Sachen zu machen, in denen du richtig gut bist. Das 2. Ist, die KI kann probabilistische Modelle der Zukunft herstellen. Nicht deterministisch, probabilistisch. Im Sinne von, du gibst ihr historische Daten, Events, die in der Welt passieren. Du gibst eher Inputs, Kontext. Dann erstellst du in der Wahrscheinlichkeitsverteilung, wo ein bestimmter Prozess oder, sag ich mal, du hast einen Energiebetrieb oder das sagt dir, hey, predictive analytics, wo wird irgendwas kaputt gehen, wo ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass irgendein Fehler passiert, welche Technologie oder welche Umstellung könnte dir am ehesten eine bessere Effizienz oder eine bessere Verträglichkeit hinbringen oder Sachen wie, wenn du investierst, wenn du dein Finanzportfolio operierst, hey, welche Aktien glaubst du gehen durch die Decke, welche Bereiche, welche Länder kommen, was kommt und dann hast du mal diese Wahrscheinlichkeitsverteilung und da musst du als Mensch innerhalb dieser Wahrscheinlichkeiten immer noch deine Entscheidung treffen. Aber es hilft mir, das mache ich auch zum Beispiel sehr aktiv beim Investieren, das hilft mir immer schon ein bisschen so, wenn ich im Bauchgefühl ganz sicher bin, hey, XYZ, das ist eine gute Idee und die Maschine sagt, 0, 1 % Erfolgswahrscheinlichkeit, dann ist das für mich nicht die Wahrheit, sondern ich möchte mal reingehen, was die Argumente sind, oder was hat die Maschine gesehen, was ich nicht sehe. Wir haben einmal das Ausdelegieren von Aufgaben mit ein bisschen, aber nicht zu viel Varianz. Wir haben einmal probabilistische Zukunftsvorhersagen über hochvariable Felder, wo du als Mensch einfach wissen musst, dass das Wahrscheinlichkeiten sind und kein Schicksal. Und das 3. Ist der Sparing Partner. Der Sparing Partner im Sinne von, ich mache das schon oft, dass ich in meiner Firma eine Business-Entscheidung treffe. Dann rede ich gut 5 Minuten in dieses Ding rein und erzähle einfach Gott und die Welt alles, was ich an Annahmen habe, wieso ich glaube, dass es eine gute Idee ist, wieso ich das machen möchte. Und dann sage ich am Ende, tell me five ways how I may have a cognitive bias or fallacy here, also wo ich einen Denkfehler begehe. Und dann lese ich diese 5 Sachen mal durch. Wenn ich das komplett quark finde, bin ich ziemlich confident in meiner Entscheidung. Aber wenn sie mir Sachen gibt oder Kontextualitäten, die ich wirklich überschaut habe, können sie mich vom Riesenfehler bewahren. Wenn mir übrigens noch der Side-Kommentar erlaubt ist, Wenn ich mit meiner Frau manchmal Disagreements habe, und ich ganz sicher bin, ich habe recht, die Welt kann es nur so sehen, spreche ich das auch in die Maschine rein und sage, sag mir doch bitte 3 Wege, wo ich vielleicht falsch liege. Dann lese ich das und gehe mich entschuldigen. Die Welt ist wieder in Ordnung, alle sind glücklich. Du siehst, KI kann auch Ehen retten. Das sind die 3 Wege, wie ich die KI wirklich nutze. Ich delegiere agentisch, also sehr frei, Prozesse ab, die mir nicht so wichtig sind, wenn es schiefläuft. Ich möchte Zeit sparen. Das ist das eine. Wirklich voll argentisch. Also das ist jetzt zum Beispiel das Pitch Deck Ding. Da habe ich eine Integration gebaut zwischen verschiedenen Tools. Also da nutze ich nicht nur die Mainstream Tools, sondern auch Nebentools, wo man das einfach gemacht wird.

Zackes Brustik: Ganz kurz, ganz schnell runtergerattet, einfach nur das Tool Name Dropping.

Benjamin Bargetzi: Das ist zum Beispiel, was ich meinem Claude sage, mach mit dem perfekten Mid-Journey Prompt. Der Mid-Journey Prompt geht online, mach mit dem Widmuth Journey Builder, ich finde es eben noch am schönsten. Wobei das neue GPT-2, Das ist schon auch ziemlich gut in den Bildern. Du kannst wahrscheinlich diesen Sidestep bald auch sparen. Dann pulst du das direkt. Da hast du ein Crawling, wo du direkt die Bilder aus dem Output nimmst und dir ins Deck wirfst, während dann der nächste Prompt rennt. Das muss ich nicht mehr manuell machen, das ist voll automatisiert. Das sind Sachen, wo ich Lebensqualität zurückgewinne und dann schon als Mensch noch mal drüberschaue, ob das etwas ist, wo ich mich authentisch wiederfinde. Nur KI-Abdelegieren nimmt dir nicht nur die Fähigkeit, Pitchdecks zu bauen. Ich muss mich fragen, ob ich Pitchdeckbauer sein möchte. Aber es nimmt dir auch die Authentizität, wenn du dich nur am statistischen Mittelmaß orientierst. Deswegen spannenderen Lösungen als dieses vollautomatisierte, was übrigens auch das ist, was die Jobs wegmacht. Wo alle nach Jobverlust sagen, alle werden arbeitslos. Das ist die 1. Anwendung von KI, wo man ganze Prozesse auslagert. Das finde ich am wenigsten spannend. Was ich viel spannender finde, ist diese probabilistische Welt. Du stellst eine Kurve, zum Beispiel, welche neuen Arten von Molekülkombinationen könnten Krebs heilen. Dann nimmst du diese generierten Modelle und lässt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darüber, vielleicht wirklich ein neues Medikament herauszufinden, das wir nicht an Tieren testen, sondern direkt an der KI-Simulation, wirklich Menschenleben und Tierleben retten zu können. Wunderbar, oder? Oder eben dieses Spiel, das ich mit der KI mache, wo sie mir probabilistisch den Aktienmarkt vorrechnet und ich mit meinem Wissen, mit meinem Wertesystem entscheiden kann, wo mein Geld hinfließt. Oder das 3. Beispiel, wo die KI als Sparing Partner nutzt, dein eigenes Denken zu challengen. In diesen 3 Bereichen sprechen wir oft immer nur über die 1., die Auslagerungsebene, was auch mit dem Jobverlustpanik zu tun hat. Viel weniger aber über diesen Sparing Partner, der alle von uns kritisch denkender machen sollte, wenn wir das sauber nutzen. Oder diese probabilistischen Zukunftsmodelle, die uns auch unglaublich helfen, Businessentscheidungen zu treffen. Nur ein Satz, damit ich den Bogen nicht geschlossen werde. Das stimmt, was die Dame in deinem Event gesagt hat. Wenn du dich darauf trainierst, immer nur alles aus der Maschine zu nehmen und das als Wahrheit anzusehen, zu copypasten, das noch als LinkedIn-Post hochzuladen, als E-Mail zu versenden oder gar nicht mehr kritisch hinterfragst, was du hier kriegst, dann, wie alles im Leben, ist das eine neue Routine von dir, dass du das Denken an die Maschine auslagerst. Und genau wie du damals die Telefonnummer vergessen hast, verlierst du jetzt auch dein kritisches Denken. Und von dem, was die Dame gesagt hat, würde ich nicht so absolut sehen. Ich würde sagen, ein Mensch, der sich nicht reflektiert, verliert sein kritisches Denken aufgrund der Maschine. Ein Mensch, der seine Neurobiologie im Griff hat und pflegt, der profitiert von der KI. Erfolg in der Welt der KI ist nicht technologisch, sondern neurobiologisch.

Zackes Brustik: Und da müssen wir uns nochmal ganz schnell ergänzen. Du machst ja viele Dinge, die wir nicht machen. Und da sind ja wirklich die wichtigen Details wichtig. Das heißt, was ich für mich schon mitnehme, ist nicht zu gucken, was wurde gerade auf LinkedIn gepostet, was ist das aktuellste Tool, was ist die Kette zwischen deinem Cloud-Prompt und Mid-Journey, damit die Slides schneller kommen, sondern es passiert, wenn KI aus ist, was macht Benjamin, neurologisch wirklich sein kritisches Denken zu pflegen? Was sind da deine größten Empfehlungen? Ist das Journaling? Und wenn ja, wie?

Benjamin Bargetzi: Ich würde sagen, es ist allgemein Passion. Ich war gerade wieder in Celle. Mein Großvater kommt ursprünglich aus Dänemark runter nach Celle bei Hannover und flüchtete dann in die Schweiz. Ich war dann in Celle und habe dort diese ganzen Wölfe erforscht, wo plötzlich ein Hannoverkönig in England auf dem Thron saß usw. Ich bin in die Museen rein, mit einem analogen Notizblatt, mit einem Buch, habe das Zeug abgeschrieben, habe versucht nachzudenken, aber das Museum sagt das so und so, Was gibt es sonst noch da draußen? Das trainiert einfach diesen Muskel, metaphorisch, diesen Muskel in deinem Kopf, Sachen zu hinterfragen. Es ist ganz einfach. Je öfter du tust, je öfter du dir Sachen durchdenkst, je öfter du Sachen nicht annimmst, sondern darüber nachdenkst, desto besser wirst du darin. Ein

Zackes Brustik: Ding, was ich

Benjamin Bargetzi: der Dame an deiner Konferenz vehement widersprechen muss, es ist unglaublich schnell geschehen, dass sich eine schlechte Gewohnheit ins Hirn einschleicht. Aber es ist nie vorbei. Du kannst immer wieder alles neu verdrahten. Genauso wie wir unsere Aufmerksamkeitsspanne wie Goldfische herunterschrauben können, genauso wie wir unsere Dopaminkenten in der industriellen Welt geschrottet haben, genauso wie wir uns den Komfort als Routine antrainieren, geht auch das Gegenteil. Das ist schade. Du brauchst gut 90 Tage, dir eine gute Routine aufzubauen, und rund 3 Tage, sie wieder zu verlieren. Willkommen im menschlichen Leben. Und das wird halt immer und schlimmer, je mehr wir uns auf diese hyperdigitalisierte Komfortwelt einlassen.

Zackes Brustik: Ganz kurz, einfach nur als Einschub, weil mich das persönlich als Vater interessiert, aber ich glaube ganz viele, die zuhören, haben wahrscheinlich auch Kinder, machen uns nichts vor. Mein Sohn hat das iPad für sich entdeckt. Mit all dem, was du angesprochen hast, er weiß auch schon, er kann mit dem iPad sprechen, dann hängt er irgendwo auf einem, ich trau mich das gar nicht zu sagen, aber in einem Spiel auf Roblox und sagt seinem anderen Mitspieler, das ist cool, er macht's auf Englisch, da bin ich schon stolz drauf. Aber er kommt durch die Türe von der Schule zurück. Das 1., wonach er fragt, ist das iPad. Das heißt, wenn ich ihn wirklich in diese Welt schicken will, mit gesunden Gewohnheiten, mit der Fähigkeit zum kritischen Denken, muss ich wahrscheinlich einfach dieser arschige Vater sein, der am Wochenende das iPad verbietet und dann halt mit ihm zusammen ins Museum geht oder das macht, das finde ich, das macht seine Schule, der geht in den D-Mark zur Schule, die sind ein bisschen cooler, die müssen am Ende des Wochenendes immer so ein paar Sätze schreiben, was sie erlebt haben, das heißt so eine Mini-Form des Journaling. Also das heißt Kinder, die ja nicht wie wir noch vor digital aufgewachsen ist, dem muss man das wirklich auf arschige Weise reindrillen.

Benjamin Bargetzi: Nein, nein, aber es ist wieder das gleiche, wie ich es vorher gesagt habe. Schau, das iPad an sich ist nicht das Problem. Es ist das Problem der Dopaminstöße. Das Problem ist, dass du deine Dopaminzentren schlecht trainierst. Wenn du am iPad 50 Minuten lang Philosophen recherchierst, Aristopeles, Nietzsche usw., und irgendwie die DNA verstehen lernst, das ist super. Das ist kein Problem fürs Gehirn. Weil es langsam ist, Langweilig. Es weilt lange an, oder? Das ist kein Problem. Das Problem sind kurzlebige, schnelle, intensive Reize, die Gehirn durch die Decke kicken. Das ist das Problem. Das ist nicht das Gerät an sich. Ich glaube auch, dass gerade mit KI-Agenten in Schulen viel Gutes gemacht werden kann. Zum Beispiel bei Kindern mit Autismus oder ADHS, wo sich die KI viel besser, empathischer als Metapher, auf das Kind einlassen kann, als es ein durchschnittlich trainierter Lehrer oder Lehrerin kann. Das ist eine große Chance. Spezifisch für die Kinder würde ich sagen, wenn man Tage ohne Geräte sicher gut war, freut man sich auch wieder mehr auf den Konsum, wenn er kommt. Sonst wird der Konsum einfach zur Gewohnheit, statt zum Besonderen. Es ist immer gut, wenn das Schöne rar ist. Das ist übrigens ein Nebeneffekt. Ich glaube, das ist auch das große Problem von Europa derzeit, dass das Schöne zur Gewohnheit geworden ist, statt etwas ist, wofür man dankbar ist. Deswegen halt dann auch, dass das Gehirn keine Freude und Dopaminstöße mehr empfindet ab den schönen Sachen, für die man auch dankbar sein kann. Stichwort Gesundheitssystem. Leistbare Museen

Zackes Brustik: und all die Privilegien, die wir die letzten 70 Jahre genießen durften.

Benjamin Bargetzi: Dass wir nicht mehr 10 Kinder pro Familie brauchen, sondern wunderbare Sachen, die wir in der Menschheitsgeschichte errungen haben, dank Technologie übrigens. Dank den vorherigen Technologien und der menschlichen Neugierde im Gehirn gemeinsam mit dem Kapital, was noch jemand zur Verfügung stellen musste. Und das ist genau so. Aber da gehe ich wieder in meine, ich habe ja diesen großen Glaube daran, dass wir in Europa, wenn wir diese Technologie nutzen, mit der richtigen Philosophie, dass wir eine 2. Renaissance herbeiführen können. Du kannst dir schon denken, dass meine Freude an dieser Technologie groß ist. Ich war lange genug hier und habe gewartet, dass dieser Durchbruch kommt. Aber zurück zu deinem Sohn. Man sagt immer, Kinder sind so schön neugierig. Kinder sind so lernend, so schön. Das ist neurologisch nichts anderes als zu sagen, Kinder sind noch viel dopaminsuchender als wir Erwachsene. Sie suchen ständig Dopaminkicks. Die können sie aus dem Lernen ziehen, aus dem Ausprobieren. Aber sie können sie einfacher aus den Geräten und dem Zucker ziehen. Jetzt weißt du, wieso Kinder Zucker so lieben und wieso Kinder diese Geräte so lieben. Es ist die einfachste Art, diese Dopaminstöße, diese Kicks zu kriegen. Das heisst aber, als Eltern haben wir plötzlich eine Verantwortung, dopaminerg die Zukunft unserer Kinder mitzudenken. Im Sinne von, was kann ich meinem Kind bieten, was seinem, ihrer Charakter entspricht, und wo sie aus 1 sinnvollen Tätigkeit gleich viele gute Dopaminkicks kriegen wie aus der simplen Ablenkung.

Zackes Brustik: Das heißt für mich, Fazit, iPad ja,

Benjamin Bargetzi: aber eher 50-Minuten-YouTube-Video als Short Videos of YouTube. Diese Short Reels haben nichts Gutes für die Welt getan. Ich glaube, YouTube, diese langen, edukativen Formate, das ist wirklich gut, das ist ein Fortschritt. Also Bildung ist super. Aber diese kurzen, stumpfen Videos, ein paar von denen sind educational, ein paar sind auch gut. Aber im Schnitt ist das Ganze immer extremer, immer schneller, immer noch komischer. Da wird dein Gehirn auch immer schneller und komischer, wenn du es konsumierst.

Zackes Brustik: Wir haben noch ein paar kurze Themen. Das eine, was ich unglaublich schön finde, du hast selber verschiedene KI-Startups. Aber 1 ist eine Schnittmenge von mentaler Gesundheit und KI, und zwar MindGuard. Das hast du extra entwickelt gemeinsam mit noch anderen zusammen für Frontheimkehrer in der Ukraine. Also sei es Soldaten, sei es Krankenschwestern oder Soldatinnen, die dann plötzlich im richtigen Leben wieder klarkommen müssen. Und das Spannende ist, dass es nicht ist quasi, wir setzen KI ein, den Therapeuten zu ersetzen, sondern du setzt KI an 1 ganz anderen Stelle ein. Magst du das kurz ausführen?

Benjamin Bargetzi: Ja, das ist genau das. Also ich habe irgendwann gemerkt, hey, warte mal, wenn ich doch so viel weiß über das Gehirn und Technologien, wieso mache ich da nichts Sinnvolles für die Welt draus? Und bin in die Ukraine gereist, habe geschaut, wo haben die ein Problem im Gesundheitswesen, wo kann ich helfen und habe mir dann halt angesehen von der WHO eine Statistik, dass du heute schon 9, 6 Millionen Ukrainer, Ukrainerinnen hast mit bis zu schwerwiegenden mentalen Gesundheitsproblemen. Nach dem Krieg werden noch mal 15 Millionen dazukommen, wenn das Ganze sich mal setzt und verarbeitet wird. Das bedeutet 25 Millionen Menschen im Land von 40 Millionen, die dringend psychologische Hilfe brauchen. Hast aber in der ganzen Ukraine nur etwa 3000 traumaspezialisierte Therapeutinnen und Therapeuten. Da kannst du die Mathe sehr schnell machen, das wird niemals aufgehen.

Zackes Brustik: Plus auch in einem Land, das sowieso nicht besonders aufgeschlossen für das Thema Therapie ist, einfach kulturell.

Benjamin Bargetzi: Genau, ein Ex-Sowjet-Land, wo Psychiatrien noch genutzt wurden, Menschen loszuwerden, die sie nicht mochten. Psychiatrien waren ein Machtinstrument, mühsame Menschen wegzusperren. In diesem Land habe ich mir überlegt, was man hier macht. Ganz sicher machen wir kein JetBot für die Leute. Ich möchte, dass wir in Europa wieder grösser denken. KI ist nicht nur JetBot. Es ist die 1. Amerikanische Welle, die jetzt kam. Aber wir als ein Land der Industrien, als ein Land der Energiekonzerne mit Siemens, mit all diesen Unternehmen, können KI auch nutzen, diese Prozesse besser zu machen. KI im Hintergrund, nicht der Konsum. Amerika war schon immer America's greatest consumer product. Disneyland, Starbucks, McDonald's, jetzt JGPT. Amerika ist super, die Dopaminzentren der Welt auszunutzen und Milliarden damit zu machen. Da muss man ihn lassen. Aber was können wir Europäer? Wir haben schon immer dieses Ingenieurwesen, das in Europa super war, Architektur, aber auch allgemein wissenschaftliche Forschung. Lass uns doch dort die KI nutzen, richtige Durchbrüche zu kriegen. Nicht wieder einfach nur Amerika kopieren und uns dann wundern, wieso wir ewig die Nummer 2 bleiben.

Zackes Brustik: Was heißt das konkret bei MindGuard? Was macht ihr anders, was so eine typische KI-App machen würde?

Benjamin Bargetzi: Genau, was wir machen ist, wir haben ein Machine-Learning-Modell, das nimmt die Variable-Daten von Menschen. Wir haben Geräte an, wo sie ihre Körperdaten messen können. Im Spital kann man bald auch Bluttaten hochladen. Man macht einen Persönlichkeitstest auf der App. Dann durchforscht sie die Daten. Sie versteht die Biologie von dir, sie versteht aber auch die psychologische Dimension und macht daraufhin einen Resilienzplan für dich. Das ist nicht ein Text, das ist wirklich die App. Sie wird zu 1 Routine-App, die dir hilft, die eine Routine aufrechtzuhalten, die dir am besten durch den Krieg und deine Stresssituationen durchhilft. Und das kann wirklich, je nachdem, was die KI lernt, sein, dass sie dich einmal in der Woche matcht mit einem anderen Veteranen für einen Kaffee. Veteranen reden nicht gerne mit Psychotherapeuten, wie wir gefühlen, aber sie reden gerne mit anderen Veteranen. Eine Lösung. Eine andere Lösung ist Sport und eine Routine. Am Morgen aufstehen, das 1. Mal Breathwork oder einfach schwitzen gehen. Das hilft bei vielen Männern auch mit Stress und so. Vor allem bei Männern. Da haben wir auch Gender-Effekte, z.B. Bei weiblichen Veteraninnen. Da nehmen wir auch die hormonellen Entwicklungen des Monats in Betracht, besser helfen zu können. Was es auch gibt bei uns in der App, ist, wenn jemand religiös ist, wird die App zu 1 Bibel-App. Wir sehen in den Studien ganz klar, dass wenn du dieses Glaubenssystem des Christentums annimmst, oder 1 anderen Religion, in der Ukraine sind 87 % christlich, dann hast du halt unglaubliche Reduktionen deiner Stresslevel, weil du einen grösseren Sinn in dem Ganzen siehst, was dir widerfahren ist. Von daher machen wir das mit KI, was Maschinen tun sollten. Sie bleibt im Hintergrund, sie analysiert, sie rechnet, sie macht Vorhersagen und Sie gibt dadurch den Ärztinnen, Ärzten und den Nutzern einen Resilienzplan an die Hand, wo sie gemeinsam mit anderen Menschen in der Selbstarbeit mit sich selbst, aber nicht am Handy. Die Leute gehen in die Aktion. Sie gehen und treffen jemanden auf einen Kaffee, die gehen und machen Sport. Wir bringen Menschen dank Technologie dazu, im echten Leben mit echten Menschen, mit echten Körpern an ihrer Heilung zu arbeiten. Und da sehe ich Genau diese Schnittstelle von Technologie und Mensch, die mir wichtig ist. Technologie sollte Menschen dienen und ihn erweitern, weder ihn ersetzen noch ihn abstumpfen lassen.

Zackes Brustik: Das heißt, ganz wichtig, also ihr nehmt das wirklich, damit Sie eben Wieder gesunde Gewohnheiten, das ist ja das Leitthema dieser Folge, gesunde Gewohnheiten etablieren jenseits der digitalen Tools mit echten Menschen. Gerade bei front-heim kehrenden Menschen quasi unglaublich wichtig, dass man nicht in so ein Loch fällt, wo man ein Leben hatte, was unglaublich strukturiert war. Jetzt muss man selber die Struktur wiederfinden. Das heißt, da euer Beitrag. Aber das Spannende ist, was du gesagt hast, diese Customization, dass du jetzt zum Beispiel bei dem einen merkst, es muss christlich ausgerichtet sein. Bei dem anderen merkst du, es muss auf den Sport ausgerichtet sein. Das geht nur mit Automatisierung und KI. So viele Teams könntest du gar nicht beschäftigen, dass die für, keine Ahnung, 20 Millionen verschiedene Veteranen in quasi 10.000 verschiedenen Apps baut. Jeden noch einen eigenen

Benjamin Bargetzi: Plan schreiben, das kriegst du. Das ist Genau diese Skalierung. Für mich ist KI nicht etwas, das Menschen ersetzt oder auch Arbeitsplätze mitnimmt. Es ist ein Tool, das skaliert. Ganz ehrlich, wenn du als CEO schlechte Prozesse in deiner Unternehmung hast und dann einfach KI draufwirfst und hoffst, dass das funktioniert, bist du kein Tech-Pionier, sondern ein schlechter Leader. KI skaliert Prozesse hoch. Aber wenn die Prozesse keinen Sinn ergeben, wenn die Geschäftsmodelle falsch sind, wenn die Menschen nicht mit auf die Reise genommen werden, bringt dir alle künstliche Intelligenz nichts, weil dir die echte biologische Intelligenz fehlt. Und das ist dieses Fundamentale. Ich meine, meine alten Freunde im Silicon Valley, die haben jetzt diese ganzen Entlassungswellen gehabt. Und jetzt hiren sie alle Menschen wieder zurück, weil sie merken, oh, ganz ohne Menschen geht es doch nicht. Und die Tokens der KI sind teurer als das Jahressalär der Menschenwaren, die wir rausgeworfen haben. Die MIT-Studien sind auch ziemlich klar. 90 Prozent der KI-Transformationen gehen schief. Wenn man da aber wieder mal in die Daten genauer reinblickt, findet man plötzlich, dass gut 90 Prozent dieser 90 Prozent an menschlichen Faktoren scheitern. Dass die Mitarbeiter die Maschine nicht sauber füttern, dass sie vage Anforderungen geben, keinen Zugriff auf die Daten, die sie brauchen, zu performen, oder dass Menschen absichtlich die Tools sabotieren, weil sie Angst haben, sie entwickeln das Ding, was ihnen nachher den Job wegnimmt. Zu verstehen, dass diese KI-Transformation gleichzeitig tolle Dinge machen kann, wie neue Architekturen, neue Molekularstrukturen, neue Energienetze, neue Arten der Nachhaltigkeit mit uns gemeinsam herauszufinden. Wir brauchen dafür aber die Mitarbeit aller Menschen, die der Maschine auch beibringen. Wir sind wieder beim Lernen, wie das genau gemacht werden muss, was gut genau heißt und was die Situation ist. Die KI kann nur performen, wenn sie versteht, was eigentlich Sache ist. Gleichzeitig aber, wie jetzt in 1 Weltleben, das ist gerade dieses Wochenende geschehen, wo Amerika plötzlich die besten Modelle abschaltet und Europa im Dunkeln lässt. Wir müssen also dringend eine europäische Souveränität und Infrastruktur aufbauen. Gleichzeitig müssen wir die Menschen bevorraten mit den ganzen geopolitischen Krisen, mit der Geschwindigkeit von KI. Unsere Dopaminzentren sind kaputt. Wir flüchten in die Ablenkung von Netflix und anderen Tools. In dieser Welt leben wir, in dieser Welt führen wir, und in dieser Welt müssen wir unsere Kinder großziehen. Aber glaubt mir, wenn wir unser Gehirn im Fokus halten, wenn wir wissen, wofür wir brennen, wenn wir nicht jeden Tag von einem Ast zum anderen springen, sondern uns auch möglichst mal einlassen auf ein Ziel und sagen, das ziehe ich jetzt durch, gesunde Routinen wieder einführen, die Technologie nicht verteufeln, sondern dafür nutzen, was sie machen sollte, nämlich Menschen helfen und gleichzeitig aber auch menschlich bleiben in der Mitte bei uns, dann kommt es gut. Da glaube ich von ganzem Herzen daran.

Zackes Brustik: Das war schon fast das Schlussstatement, aber wir ergänzen das noch ein bisschen. Ich hatte dich vorhin unterbrochen, als du angefangen hast, die wichtigste Frage im Umgang mit diesen Tools ist die Sinnfrage. Und den Gedanken zu enge zu bringen und diesen Loop zu schließen, das heißt, was wäre hierfür noch wichtig? Und dann ist es ja wahrscheinlich sogar bei Nachhaltigkeitsmanager in einem Unternehmen gar nicht so schlecht aufgehoben, weil bei denen diese Themen automatisch auf dem Tisch landen. Die großen Themen, wohin steuert unser Unternehmen, in welcher Welt ist unser Unternehmen unterwegs, welche Welt wollen wir mit unserem Unternehmen erzeugen? Was brauche ich, diese Themen zu verhandeln? Verhandle im Sinne von, dass

Benjamin Bargetzi: du sie durchgesetzt kriegst, oder dass du sie selber rausfindest für dich?

Zackes Brustik: Selber rausfinden und die in der Organisation dann wirklich voranbringen.

Benjamin Bargetzi: Also ich glaube, selber rausfinden, das ist wirklich eine Frage. Hey, wenn ich morgen alles in meinem Leben, alles, an einen KI-Agenten abdelegieren könnte, und der macht alles hervorragend, wo würde ich meine Zeit investieren? Wenn du die Frage beantworten kannst, dann weißt du, was dir wirklich wichtig ist. Und ich würde hier immer an diese japanische Philosophie des Ikigai appellieren. Such dir etwas aus, worin du gut bist, was dir auch Spaß macht. Es muss nicht immer das Gleiche sein. Du kannst super in etwas sein, aber es macht dir keinen Spaß. Etwas, was dir deine Miete zahlt, weil eine finanzielle Grundsicherheit braucht, blühen zu können. Aber am wichtigsten, die auch für andere einen Mehrwert darstellt. Wenn du wirklich vom Geben rückwärts denkst, und nicht nur, was kann ich anderen nehmen, sondern auch, was kann ich geben, dadurch dann eine klare Vision entwickelst, an die du auch glaubst, deinen Nordstern aufbaust, für was du am Morgen aufstehst, wofür du eigentlich deine ganzen gesunden Routinen machst, dann hast du auch plötzlich einen ganz anderen Zugang zu Produktivität. Weil Produktivität wird dann ein Weg für dich, schneller an deinen Nordstern zu kommen. Und dann hat es ja auch einen Sinn. Wenn du diesen Nordstern aber nicht hast, dann wirst du nur produktiver und schneller. Und dann macht es ja gar keinen Sinn, schneller zu sein. Also flüchtest du dich in die Ablenkungen und die einfachen Dopaminfallen wie Snacks und die digitalen Geräte. Wenn du aber weißt, was du gerade tust, z.B. Mit einem Projekt, wo wir den spätelern Menschen helfen, dann bin ich dankbar für die KI, weil die mir hilft, noch schneller, noch mehr helfen zu können. Plötzlich hat die Technologie nicht mehr so ein Feindbild, sondern sie wird zu einem Freund, der mir hilft, meinen Nordstern für andere schneller zu erreichen. Wenn man als Unternehmen, als Konzern keinen Nordstern hat, wenn man nicht weiss, wofür man eigentlich steht, wofür es uns eigentlich gibt, wenn ich nicht weiss, was mich anders macht als die ganzen anderen Unternehmen auf der Welt, die das Gleiche wie ich machen, wenn man nicht weiss, was eigentlich unser authentischer Brand und unsere authentische Vision ist, da ist nicht KI dein Problem, sondern die Sinnesfrage. Ich glaube, Leadership der Zukunft wird viel mehr nicht Technologie einkaufen gehen, weil das irgendwann trivial werden wird. Es wird menschliche Motivation, Respekt davor, wie sich das Gehirn in dieser neuen Welt verändert, gehen. Aber noch viel mehr. Okay, das Gehirn ist jetzt wieder online, wir sind alle super, die Technologie ist eingekauft. Top, Jetzt sind wir zehnmal produktiver als vorher. Warte mal, zehnmal produktiver wofür? Und so, noch mal mein Satz, ein Zeitalter der KI muss immer auch ein Zeitalter der Philosophie sein, weil sonst wird aus der zweiten Renaissance schnell mal ein zweites Mittelalter.

Zackes Brustik: Das war für mich das perfekte Schlussstatement. Und da geht ein Gedanke auf, den ich tatsächlich gar nicht vor Augen hatte, während wir in diese Folge reingegangen sind. Das ist nämlich das, was du meintest. Das sollte und könnte die große Chance gerade für Unternehmen oder für unsere Gesellschaft hier in Europa sein. Machen uns nichts vor, die amerikanischen Tech-Konzerne haben sich von der Sinnhaftigkeit schon längst verabschiedet. Facebook trainiert die KI an den Tastaturbewegungen der eigenen Belegschaft. Musk nutzt die Stimme und Biodaten seiner Angestellten, Sexbots zu trainieren. Das ganze Ding mit, wir fliegen auf den Mars, die Menschheit zu retten, wissen wir auch. Ernst nehmen brauchen wir das nicht. Es geht einfach nur darum, die 1. Trillionen einzusammeln. Und das heißt, sie hier als Europa zu positionieren, mit einem klar ausverhandelten Wertefundament, mit der Fähigkeit, mit 1 langen philosophischen Historie und zu sagen, wir versuchen nicht, Amerika hinterherzurennen oder China hinterherzurennen, sondern wir füllen diese Lücke als verlässlicher, werteorientierter Partner mit Tools, die einen Nordstern bieten. Ich glaube, das ist ein richtig spannendes Thema. Dem werde ich in anderen Folgen

Benjamin Bargetzi: auf die Spur gehen. Und wenn du mir das erlaubst, wir sollten in Europa unbedingt weniger Angst vor der KI haben, Respekt, aber weniger Angst, und selber wieder Zukunftstechnologien bauen. Aber nicht einfach die amerikanischen kopieren und noch I am made a Europe drauf, sondern überlegen, was ist in Europa die Volkswirtschaft, auf die wir setzen können? Wie kommen wir aus dem jetzigen Schlamassel raus? Weil momentan läufen bei uns sehr viele Dinge gerade nicht so gut wie. Ich meine, nach dem Ende des Kalten Kriegs, nach dem Fall der Berliner Mauer, hat Europa eine sehr schöne Position. Günstiges Öl aus Russland, günstige Arbeit aus China, und Amerika zahlt für die Sicherheit. Schauen wir uns die Welt an. Der Typ, der uns das Öl geliefert hat, bombardiert Europa. China ist die neue Weltgrossmacht. Das ist nicht mehr Made in China, sondern The World Made by China. Und USA ist auch nicht gerade auf dem europafreundlichsten Kurs und stellt uns jetzt schon die Tech-Systeme ab. Ich weiß nicht, was die Statistiken jetzt sind. Ich weiß noch, vor ein paar Jahren lagen 90 Prozent der europäischen Daten auf amerikanischen Servern. Wenn wir das 1. Beispiel gesehen haben, wo die einfach mit einem Knopfdruck uns das Zeug abschalten, merkt man plötzlich, wir sind ziemlich tief in der Patsche. Wenn wir jetzt in Europa wieder eine Innovationskultur aufbringen, wo die Menschen an die Zukunft glauben, ausprobieren, wo wir eine Fehlerkultur haben, wo wir auch Geld mal verbrennen, aber ganz ehrlich, In der jetzigen Lage, nicht nach vorne zu gehen mit neuem Denken, neuen Modellen, ist gefährlicher, weil der Status quo führt uns in den Abgrund. Da habe ich schon diese Hoffnung, dass, wenn KI wirklich so ein Ding ist, es deine Produktivität verzehnfacht, vielleicht sogar verhundertfacht, wenn diese Modelle besser und besser werden. Wiederum, ich rede nicht nur von Consumer-Modellen, sondern auch von industriellen Forschungsmodellen usw. Dann können wir die letzten 30 Jahre auch wieder damit aufholen. Plötzlich ist KI nicht mehr dieses böse Ding, was da kommt, sondern es könnte Europas letzte Chance sein, dass wir ökonomisch noch mal China und die USA aufholen, weil diese KI-Revolution dermassen massive ökonomische Vorteile bringt, dass es uns dieses Delta, diesen Nachgang, den wir haben, auf die anderen Regionen aufholen lässt. Wenn man das plötzlich so sieht und auch daran denkt, dass man noch Cooles damit machen kann, während man die Risiken nicht blind zur Seite schiebt und das eigene Gehirn in der Routine pflegt, dann glaube ich, schaffen wir das. Wir haben das Kapital, wir haben die schlauen Leute. Jetzt müssen wir einfach die Unternehmer auch mal ein bisschen weniger bestrafen. Das Problem ist, Trump ist immer so stolz, dass all die guten Entrepreneurs in Amerika sind. Die meisten von ihnen sind Europäer, Chinesen und Inder, die aus ihren Gebieten geflüchtet sind, weil es in Amerika einfacher geht, Firmen aufzubauen. Wenn wir in Europa zusammenkommen können, die Philosophie und das Unternehmertum vereinen, sagen wir, wir wollen Innovation, aber nicht auf alle Kosten. Dadurch kriegen wir auch eine Sonderstellung in der Welt. Momentan machen alle Vollgas auf Entwicklung ohne Ethik. Und wenn wir auch saubere, neue Innovationen liefern, mit europäischer Philosophie, authentisch, dann könnte das wirklich unser großer Nordstein auch als Region sein, der uns in die Zukunft trägt.

Zackes Brustik: Das lasse ich unkommentiert genauso als Schlussstatement stehen. Unglaublich schön mit dir zu sprechen Benjamin. Es gibt noch so viel weitere Themen und Fragen, die ich gerne vertiefen würde. Aber zum einen hast du ein großartiges Buch geschrieben, Nie wieder sinnlos, 42 Impulse, die dein Leben verändern und wie sie neurowissenschaftlich funktionieren. Holt euch das Buch, ich lese es supergerne. Ich bin noch gar nicht zum Ende gekommen, weil auch ich mich quasi noch aus meinen YouTube-Shortslides, aus diesen Loops raustrainieren muss und die Geduld aufbringen muss. Aber auch für solche Menschen ist das Buch perfekt, weil es sind kurze Kapitel. Wenn du

Benjamin Bargetzi: kannst du kurz das Cover zeigen? Weißt du, was ich die Eule genommen habe? Die Nacht-Eule. Einfach mal wieder am Abend statt Instagram einkuscheln im Bett und einfach mal wieder ein bisschen Philosophie lesen. Deswegen auch Eule.

Zackes Brustik: Die Eule auf dem Cover. Den Link findet ihr natürlich in den Shownotes. Ansonsten auch folgt Benjamin auf LinkedIn. Er hat unglaublich coole Projekte am Laufen, zum Beispiel MindGuard, ganz speziell für fronteimkehrende Menschen in der Ukraine. Unglaublich wertvoller Beitrag. Und passenderweise werde ich hier gleich auflegen und dann reise ich sofort nach Paris zur VivaTech, wo es genau die Frage geht, wie kann sich Europa souverän und mit einem eigenen Angebot positionieren. Was ich daraus mitnehme, findet ihr im Newsletter zackes.com slash Newsletter. Vielen, vielen Dank Benjamin.

Benjamin Bargetzi: Danke dir. Vielen Dank.

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