CO₂-reduziert, resilient und automatisiert: So produziert BISON Polymers wettbewerbsfähig in Deutschland! #113

Shownotes

„Nachhaltigkeit rechnet sich nicht mehr!“ Dieses junge Unternehmen aus dem Siegerland liefert Dir den Gegenbeweis. Und wie! Es wächst rasant, während alle anderen über Energiepreise und Personalkosten jammern. Und das ausgerechnet bei Nitril-Handschuhen, einem Cent-Produkt, bei dem Europa bisher komplett von günstiger Massenproduktion in Asien abhängig war.

Als ESG-Profi erwartet Dich in dieser Folge ein faszinierender Einblick, wie es das Gründer-Team von BISON Polymers schafft, dank Wärmerückgewinnung, Wasserkreislauf und Automatisierung den Marktnachteil hoher Energie- und Personalkosten auszugleichen.

✅ Wie entscheidend das besondere Anlagen-Design ist.

✅ Mit welchen Argumenten man sich bei Großkunden wie Rossmann durchsetzt.

✅ Welche Rolle CO₂-Fußabdruck, gute Qualität und Lieferkettenresilienz spielen.

Mitgründer und CEO Hans-Christian Kämpfer erklärt, warum Nachhaltigkeit nie ein Nachgedanke war, sondern die Voraussetzung des ganzen Geschäftsmodells. Auch in der Vorlieferkette setzt BISON Polymers fast ausschließlich auf europäische Partner, vom Maschinenbaustahl aus dem Siegerland über Chemieprodukte bis zum Versandkarton. Doch wie abhängig wird BISON dadurch von der Chemieindustrie vor Ort? Und was bleibt für Menschen zu tun, wenn alles automatisiert ist?

Eine superspannende Mutmacher-Folge, die zeigt, dass sich Nachhaltigkeit, Automatisierung und Resilienz rechnen. Diese Folge bietet Dir als Sustainability Manager:in belastbare Argumente für interne Diskussionen!

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SHOWNOTES & LINKS:

Über Hans-Christian Kämpfer: Mitgründer und CEO von BISON Polymers, einem Unternehmen aus dem Siegerland, das seit Ende 2024 Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland entwickelt und produziert. Die Anlagentechnik und die Rezepturen hat das Team selbst entwickelt. Aktuell arbeiten dort über 80 Mitarbeitende, am fertig ausgebauten Standort sollen es 120 bis 130 werden. Die Idee entstand während Corona, als versorgungskritische Produkte nicht mehr aus Europa kamen. 🔗 https://www.linkedin.com/in/hans-christian-kaempfer-85009584/ 🔗 www.bison-polymers.com

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Hans-Christian Kämpfer: Das ist nicht bei uns Nachhaltigkeit son Nachgedanke. Lass uns doch mal gucken, was können wir auch nachhaltig machen? Wir wussten eigentlich, dass wir das gestartet haben oder richtig gestartet haben, wo wir gesagt haben, jetzt machen wir das mit vollem Vorwärtsgang ohne Handbremse, dass das nicht irgendwie 'n schöner Nachgedanke ist, sondern wenn wir das nicht schaffen hinzukriegen, dann wird das nicht funktionieren. Also wir brauchen das als Basis dafür, dass wir das hier erfolgreich umsetzen können unser Projekt. Wenn unser Standort fertig ausgebaut ist, wir sind ja noch im Aufbau, dann würden wir im Jahr mehr als 24 Millionen Liter Wasser in unseren Wasserkreislauf wiederverwenden, versus einfach benutzen und wieder raus Also 24 Millionen Liter ist ja schon eine Riesenzahl. Über 60 Prozent der Prozesswärme, die wir benötigen, wird aus der Wärmerückgewinnung wieder wieder zugeführt. Und wir haben über 90 Prozent weniger Kühlenergie bei der bei der Wasserkühlung, die wir aufgrund unserer, sagen wir mal, nachhaltig gedachten Systeme haben. Man braucht da 'n unglaublich breites Know how Feld tatsächlich für. Also das ist eher Rocket Science als ich bau Lego Systeme auf.

Zackes Brustik: Nach 4 Folgen voller Deep Dives in echt knifflige Themen ist es mal wieder Zeit für eine dieser motivierenden Geschichten. Eine dieser Geschichten, die uns zeigen, dass es geht, egal, was uns die anderen weiß machen wollen. Dafür hab ich auch 'n Unternehmen ausfindig gemacht, das eigentlich fast niemand in Deutschland kennt, die aber tatsächlich in Europa Einmaliges geschafft haben. Sie haben die Produktion von einem echt entscheidenden Artikel für unsere Gesellschaft von China, zurückgeholt nach Europa, nach Deutschland und produzieren hier nicht nur nachhaltiger, sondern auch wettbewerbsfähig. Und das ist nicht bei irgend sonem Hightechprodukt, was echt anspruchsvoll ist, sondern bei einem Wegwerf-Cent-Artikel, der hunderttausend-, millionenfach gebraucht wird. Es wird um Einmalhandschuhe gehen, wie wir sie zum Beispiel aus Arztpraxen oder aus dem Krankenhaus kennen. Klingt speziell, ist es auch, aber das Spannende ist halt, dass während reihenweise Mittelständler bei uns in Deutschland pleitegehen, oft werden die Energiepreise dann im gleichen Atemzug genannt, sind sie kräftig am Wachsen, nicht nur mit den Mitarbeitern, sondern auch mit den Anlagen. Und sie scheinen die Formel geknackt zu haben von lokaler, nachhaltiger und resilienter Produktion. Ich will wissen, wie und was sich davon auf andere Unternehmen übertragen lässt, vielleicht sogar auch auf euer Unternehmen. Dafür hab ich einen der 3 Gründer hier zu Gast, CEO Hans-Christian Kämpfer. Ich freu mich schon mega auf den Talk mit ihm, denn BISON Polymers hat es nicht nur geschafft, hier vor Ort zu produzieren. Wir werden gleich auch noch hören, was dafür alles wichtig ist, der hohe Grad in Automatisierung, die Energieeffizienz und so weiter, sondern Sie haben auch eine fast komplett europäische Lieferkette, vom Anlagenstahl bis hin zum Versandkarton. Wie Sie das geschafft haben, also hier scheint sich das Leben echt nicht einfach zu machen. Ich bin megagespannt. Und damit herzlich willkommen bei Gewinne Zukunft, dem Nachhaltigkeitspodcast der Profis und Pioniere. Mein Name ist Zackes. Ich freu mich enorm, dass ihr wieder mit an Bord seid. Wie immer die Einladung, abonniert natürlich den Podcast sofort, wenn ihr hier zum ersten Mal mit dabei seid. Und am besten auch meinen Newsletter, denn hier gibt's pro 6 Wochen ungefähr immer noch son bisschen Behind the Scenes, Infos von Konferenzen, auf denen ich mich umtummel oder auch richtig coole wertvolle Ressourcen, www.zackes.com/newsletter. In der aktuellen Ausgabe gibt's zum Beispiel 2 Tickets für das Impact Festival zu gewinnen. So, los geht's. Moin Hans-Christian, schön dich an Bord zu haben.

Hans-Christian Kämpfer: Hi, freu mich, hier zu sein.

Zackes Brustik: Echt richtig spannend. Vorneweg erst mal, warum müssen wir über Einmalhandschuhe reden? Also warum ist dieser Artikel so spannend, nicht nur aus Nachhaltigkeitslicht, sondern auch für unsere Gesellschaft? Ist ja ein kurioses Produkt, da muss man erst mal drauf kommen.

Hans-Christian Kämpfer: Ja, also es ist tatsächlich so, die Idee für das, was wir hier machen, ist während Corona entstanden, wo man gemerkt hat, dass ja so versorgungskritische Produkte alle nicht mehr aus Europa oder Deutschland kommen, ne. Die in der privaten Welt haben die meisten Leute über Masken gesprochen und das mitbekommen, aber bei den Profinutzern in Krankenhäusern, Pflegeinstituten, Ambulanzen, Polizei, Feuerwehren, wirklich überall sind diese Nitril-Einmalhandschuhe noch ein fast größeres Thema gewesen. Ich mein, beispielsweise in Deutschland werden nach unseren Zahlen über 20 Milliarden dieser Handschuhe jährlich benutzt und in Europa über 100 Milliarden.

Zackes Brustik: Und das Krasse ist, bei diesem Artikel sind wir tatsächlich irgendwie zu 100 Prozent abhängig gewesen. Also nicht irgendwie zu 80 oder 90 Prozent, sondern wirklich 100 Prozent dieser 100 Milliarden Handschuh in Europa kamen aus Asien.

Hans-Christian Kämpfer: Ja, das ist so. Die Industrie ist vor, ja, mehreren Jahrzehnten, kann man mittlerweile sagen, schon abgewandert von Europa nach Asien. Und das liegt im Wesentlichen daran, dass die dort halt günstiger produzieren können aufgrund der Personalkosten, aber auch Umweltauflagen und den und den Energiekosten. Und es ist aber so, solange die Produkte günstig hier rüberkommen, Du hast es eben gesagt, Centprodukte, die hier superwichtig sind, ist das alles gar kein Problem. Aber während Corona zum Beispiel, aber auch während der Irankrise jetzt, während der Huthi-Angriffe, also immer wenn Transportwege gestört sind, wenn geopolitische Sachen auftreten. Und ja, dann merken wir hier, dass wir 'n Problem haben, was dann passiert ist. Nicht nur, dass sich auf einmal von jetzt auf gleich die Preise vervielfachen, teilweise kommen die Produkte auch gar nicht mehr her und dann haben wir halt ein richtiges Problem.

Zackes Brustik: Deswegen haben wir jetzt ja gleich eine Dreiviertelstunde Zeit, weil da steckt so viel drin in eurem Thema. Du hast es ja schon selber gesagt, ne. Energiepreise in China niedriger, Umweltauflagen in China vielleicht vor allem früher noch niedriger, das ändert sich ja langsam, Personalkosten sowieso. Also ich mein, das sind ja genau die Themen, über die jeder Mittelständler, egal welcher Branche in Deutschland redet, die ihm das Leben hart machen, weshalb wir quasi fast tagtäglich davon lesen, dass superviele Unternehmen pleitegehen. Ich glaub, ich hab sogar einen Post von einem deiner Mitgründer gesehen. Wie viel sind das? Ich glaub 10.000 Arbeitsplätze, die jährlich wegfallen oder so.

Hans-Christian Kämpfer: Ja, ich glaub 15.000 Industriearbeitsplätze, die grad jeden Monat verloren gehen.

Zackes Brustik: Also es ist 'n echt ernst zu nehmendes Thema. Und genau in dieser Situation sagt ihr, Leute, wir haben da eine Idee, wir machen das genau andersrum. Da wird ja jeder den Kopf schütteln, deswegen muss ich echt verstehen, was ihr anders macht und warum ihr euch das zugetraut habt. Jetzt finde ich superspannend, weil eine Sache, ich hatte vor ein paar Folgen Matthias Albrecht zu Gast vom KLUG, das son Krankenhausverband, die sich auch auf Nachhaltigkeit spezialisieren und Krankenhäuser nachhaltiger machen wollen. Ich glaube, der hat gemeint, dass son Krankenhaus die Einkaufsliste 1,6 Millionen Produkte umfasst. Viele davon natürlich mehrfach dann sozusagen beziehbar, aber jetzt von diesen 1,6 Millionen Produkten kann man ja sagen, so okay, die sind alle systemkritisch, ne. Wenn der Faden fehlt, kann ich nicht operieren. Wenn das mittels zum Desinfizieren fehlt, kann ich nicht operieren. Aber logisch, dass irgendwie einmal Handschuhe wahrscheinlich wirklich 1 der allerkritischsten sind, wenn es Hygiene geht oder auch andere Produktionen braucht. Auch die Autoindustrie braucht sie. Das heißt also wirklich, ein superrelevanter Artikel. Worauf ich hinauswill, ist, dass ja eigentlich 'n Thema wegen dieser Vielfalt, wo jetzt grade im Krankenhausbereich, wenn ich da Nachhaltigkeitsmanager, würde ich, also würde ich einfach den Kopf in den Sand stecken, weil Du kannst ja eigentlich gar nicht anfangen, ne. Also was setzt Du auf der Prio Liste nach oben, wo Du sagst, okay, den müssen wir jetzt in Europa beziehen, damit wir in 'ner Krise, wenn eben sozusagen China sagt, nee, wir behalten die Handschuhe für uns, dass wir wirklich noch weiterlaufen können. Es ist ja gar nicht lösbar sozusagen im Risiko-Assessment, was an dieser Vielzahl an Produkte uns am Laufen hält. Also hast Du das Gefühl, dass bei euren quasi jetzigen Kunden das relevant ist? Oder sagen Sie, ja, es ist schön, dass ich die Handschuhe von dir bekomm, Hans-Christian, aber ich brauch halt auch noch 100.000 andere Produkte, sonst geht die Operation nicht weiter.

Hans-Christian Kämpfer: Also die Handschuh sind tatsächlich einfach ein superrelevantes Produkt für Krankenhäuser, aber auch andere Nutzer. Vielleicht mal ein Beispiel, leitende Krankenschwester hat hat uns mal gesagt, von 'ner Intensivstation, wenn Sie keine Masken haben, dann finden Sie irgendwie im Notfall eine andere Lösung, binden sich was, Stoffe vors Gesicht. Aber wenn Sie keine Nitrilhandschuhe haben, dann bricht die Stationen zusammen. Und so kann man das, glaub ich, von der Wichtigkeit her einschätzen. Das ist vielleicht nicht die größte in Euro-Einkaufsposition von Krankenhäusern, aber es ist einfach superrelevant, was auch der hohe Verbrauch, den diese Handschuhe haben, zeigen, ja. Und insofern ist die Erkenntnis, dass man eine Versorgungssicherheit bei diesem Produkt braucht, die haben fast alle Marktteilnehmer, ne. Und das ist geboren aus Corona, aber auch in Krisen danach. Also wie eben schon mal angedeutet, auch der Irankrieg hat jetzt dafür gesorgt, dass die Meldung aus Asien kam, Preise verdoppelt. Und ob wir euch noch beliefern können, wissen wir nicht, wir melden uns in 'n paar Wochen wieder.

Zackes Brustik: Das Spannende ist ja trotzdem, es braucht diese Krise. Du sagst ja, wenn die Krise kommt, dann sind die Produkte teurer. Das kann kommen, vielleicht hat sich's grad verdoppelt, das ist ja nur 'n Cent Produkt und ob das jetzt von 1 auf 2 Cent jetzt platt gesagt, ne, wird 'n anderer Preis sein ist, da sagt das Krankenhaus vielleicht, ja grad kriegen wir's noch, wir melden uns, wenn wir die Krise haben, dann kaufen wir auch teurer ein. Bis dahin viel Spaß Hans-Christian. Das heißt, die Frage ist, ihr müsst ja trotzdem auch günstig sein. Ihr könnt ja nicht nur sagen, wir sind vor Ort, halt zu 'nem teureren Preis, sondern ihr müsst ja wirtschaftlich sein, auch in den Phasen, wo die Krise nicht da ist. Weil Einkäufer sonst echt wahrscheinlich 'n sehr kurzes Gedächtnis haben und denen dann das Thema Nachhaltigkeit, geringerer Footprint oder Verfügbarkeit einfach auf der Prio Liste nach unten rutscht und Sie sagen so, ich hab massiven Kostendruck, sorry, ist jetzt halt doch wieder der Asien-Lieferant?

Hans-Christian Kämpfer: Das ist insgesamt eine sehr spannende Fragestellung, die ja auch tatsächlich Kern von uns und unserem Unternehmen und dem Markt trifft. Weil es ist auch nicht nur bei Masken, auch bei den Handschuh nach Corona natürlich wieder passiert, dass sich die die der Supply, der hat sich normalisiert, die Preise haben sich normalisiert. Und dann geht's bei in unserem ja Gesundheitssystem, das ja auch kostenmäßig unter Druck steht, natürlich auch wieder den Cent bei bei Einkaufsprodukt. Aber unterm Strich ist so, das das haben wir erkannt. Und deswegen haben wir uns auch zum Beispiel bewusst für den Standort Deutschland entschieden und jetzt nicht nach Osteuropa, wo man vielleicht auch günstiger Energie und Personal einkaufen kann. Weil im Zentrum ist es hier, dass wir nicht nur die Versorgungssicherheit verkaufen wollen, sondern wir müssen auch außerhalb von Krisen wettbewerbsfähig sein, so. Und das geht halt nicht, wenn man die bestehende Anlagentechnologie aus Asien, was man in der Theorie machen kann, wir kaufen Anlage in Asien, bauen die hier auf. Dann kann man das halt nicht machen, weil einfach die Energiekosten, die Personalkosten, die Umweltauflagen immer in so Vielfaches höher sind, ne. Also die Lösung dafür ist, dass man halt die Technologie neu entwickeln muss mit dem Fokus auf das, was hier unser Nachteil ist. Und dann nehmen wir jetzt mal Personal und Energiekosten alles als wesentliche Treiber. Die ersten 2 Jahre, eigentlich wir sind Ende 2024 gegründet, haben wir gestartet mit BISON Polymers. Und die ersten 2 Jahre haben wir eigentlich nur Forscher und Entwicklung betrieben. Wir haben ein eigenes Labor, ein Chemieteam mit Fokus auf Polymerchemie, also auch 'n hoher Spezialisierung. Wir haben mittlerweile 20 Leute in unserem Engineeringteam, also hoch ausgebildete Ingenieure. Und wir haben uns darauf fokussiert, Anlagen selber zu entwickeln und auch die Chemierezepturen für die Handschuh selber zu entwickeln, erst mal aus Grund von Unabhängigkeitsgründen. Aber auch, weil wir dadurch die Anlagen so bauen konnten, dass der Energiebedarf signifikant niedriger ist als bei den bestehenden Anlagen in Asien. Und auch wir eine Automatisierung mit einbauen konnten, die, sag ich mal, der Personalbedarf so senkt, dass diese beiden großen Nachteile nicht mehr so stark ins Gewicht fallen und wir in einen ja, wettbewerbsfähigen, sag ich mal, Preisrahmen kommen, mit denen wir mit den asiatischen Preisen mithalten können. Wir werden niemals China unterbieten, das aber auch nicht unser Ansatz, weil wir sind nicht so weit weg, dass die Krankenhäuser sagen müssten, aus wirtschaftlichen Gründen können wir das nicht machen. Und auch muss man sagen, der Markt ist einfach riesig, ja. Also in Europa über 100 Milliarden Handschuhe. Man muss das, glaub ich, schon europäisch denken, aber in Deutschland über 20 Milliarden Handschuhe. Und wir könnten auch mit unserem Standort, selbst mitm Zweiten Dritten niemals den gesamten Markt bedienen. Und das ist auch gar nicht die Idee, sondern es geht da eine versorgungskritische Masse hier abzubilden und dafür dann halt einen leichten Aufpreis durchsetzen zu können. Und so wie wir das wahrnehmen, das Thema, kommt das am Markt auch an. Die Leute wissen, dass sie das brauchen, eine Versorgungssicherheit, eine Resilienz zumindest für 'n Teil ihres Verbrauch. Und dafür sind wir auch bereit, 'n leichten Aufpreis zu zahlen.

Zackes Brustik: Das klingt jetzt so einfach, wenn Du das erzählst, ne. Ich kenn ja aber auch andere Interviews von euch und die Gründergeschichte dahinter mit deinen mit deinen 2 Co-Gründern. 1 davon ist Konrad und der meinte, ihr habt halt diese Anlage geordert in China. Ich glaub, das waren fast 30 Container oder so was und was rauspurzelt und waren hauptsächlich Bambusstöcke. Also das heißt, ihr dachtet so, super, da kommen die 3 Container, jetzt können wir die Anlage hinstellen und loslegen. So einfach war's nicht, oder?

Hans-Christian Kämpfer: Nein, also das ist schon wirklich hochkomplex. Ich glaub, wenn man so eine also Produktionslinie, nur mal sich die Dimensionen vorstellen zu können, die ist bei uns über 70 Meter lang, 4 Meter breit, 12 Meter hoch. Da sind über einen Kilometer Kette verbaut. Also sone über einen Kilometer Strecke letztlich, die die Produktionslinie zurücklegt und mehrere 100 Tonnen Gewicht, die so eine Anlage hat. Also es ist hochkomplex, diese Produkte zu produzieren, weswegen wir halt ja, dass viel Trial and Error viel Geld investieren mussten, das auf die Beine zu stellen. Und deswegen hat das letztlich auch diese diese ein, 2 Jahre gedauert, bis wir hier die ersten hochqualitativ fertigen Handschuhe, so wie wir sie brauchten, rausbekommen haben. Es ist eine große Herausforderung, aber wir haben das gelöst.

Zackes Brustik: Was ich spannend fand, ist, sorry, das muss ich jetzt auch einfach mal auspacken, habt ihr selber schon erzählt, ne. Also bevor's made in Germany gab, musstet ihr erst mal Copied from China machen. Ich glaub, ihr habt tatsächlich YouTube-Videos von chinesischen Produktionsanlagen geguckt und gestoppt auch wirklich, wie viel Sekunden läuft da quasi sone Hand, die ins Tauchbecken von der Nitrilmasse geht und wieder rauskommt, wie viel Sekunden hängt sie in diesem Video in der Luft und so, eure Produktionsprozesse anzupassen? Ist ja eine komplett verkehrte Welt. Also all das, wo wir uns immer drüber beschwert haben, dass auf deutschen Leitmessen die Chinesen mit den Videokameras rumlaufen, von allem Fotos machen und uns dann sozusagen das Produkt eine Engineering klauen. Es ist mittlerweile sind wir in der Welt, wo es andersrum kommt. Deutsche gucken YouTube-Videos von chinesischen Anlagen.

Hans-Christian Kämpfer: Ja, also ist, glaub ich, 'n bisschen irreführend letztlich, aber vor dem Hintergrund, dass halt diese komplette Handschuhproduktion über Jahrzehnte gar nicht mehr in Europa existiert hat, ne. Und das ist ja nicht nur, dass hier nicht produziert wird, auch die ganze Anlagentechnologie gibt's hier nicht mehr. Die Zuliefererindustrie für die Anlagen gibt's hier nicht mehr. Und man muss halt irgendwo starten, ne. Und tatsächlich war der Staat, dass man einfach analysiert, wie machen die das denn eigentlich, Dann aber sagt, was müssen wir denn anders machen, damit wir hier in unserem Standort erfolgsversprechend produzieren können? Und so ist das Ganze gestartet. Wie gesagt, diese reine Übertragung und das Kopieren, das wird halt nicht funktionieren. Wir brauchen mehr Automatisierung, geringere Energieverbrauch, dann wirklich nachhaltige Themen, die für uns aber auch keinen Selbstzweck der Nachhaltigkeit haben, sondern einfach auch eine ökonomische Realität sind, ne. Wir müssen Wärmerückgewinnung betreiben, Wasserkreisläufe haben.

Zackes Brustik: Wettbewerbsfähig dank Wärmerückgewinnung und geschlossener Wasserkreisläufe, das klingt doch alles so logisch und sinnvoll. Aber seien wir ehrlich, bei den meisten Vorständen ist das immer noch nicht angekommen. Ich hab allerdings eine Intervention für euch, die wirklich reinhaut dank meinem Werbepartner dieser Folge. EY. Reinhauen ist echt das richtige Wort. Ich muss ehrlich sagen, ich hätte persönlich nicht damit gerechnet. Wir waren neulich mit dem ESG Stammtisch in Hamburg bei Carolin Borchard im EY Office in Hamburg zu Gast, weil sie gemeint hat, wir haben da sone interaktive Installation zu 4 verschiedenen wissenschaftlich basierten Zukunftsszenarien im Jahr 2055. Ich will dir aber noch nicht so viel verraten, Zackes, weil das muss man persönlich erleben. Nun habe ich ja schon wirklich alle möglichen Menschen auf dieser Welt gesprochen, hab zahlreiche Bücher zum Thema Nachhaltigkeit in Zukunftsszenarien gelesen. Ich hab gedacht, mich kann nichts mehr schocken. Aber diese Installation hat mich wirklich vom Hocker gehauen. Es ist kurz, es ist ungefähr eine Dreiviertelstunde, 60 Minuten. Ich kann euch versprechen, wenn ihr da reingeht mit eurem Team, kommt ihr definitiv anders raus und habt eine Grundlage, über dieses Thema zu sprechen, die ihr sonst in eurem Alltag oder im Office oder auch mit Szenarien und PowerPoint nie herstellen könnt. Ich will hier nicht so viel verraten, aber ich kann meine Hand dafür ins Feuer legen, dass wenn ihr mit eurem Team oder auch mit eurer Geschäftsführung wirklich emotional an dieses Thema anknüpfen wollt und das vielleicht sogar dann noch direkt vor Ort bei EY mit 'nem Workshop verknüpfen wollt, mal wirklich tief in eure Strategie einzutauchen, ist das die beste Intervention, die ihr grade finden könnt. EY tourt damit nach Hamburg. Jetzt seit dieser Woche, seit dem Fünften sind sie damit in München, passend Climate Week, die grade in München läuft. Bis zum zwanzigsten November habt ihr noch Zeit, das in München zu erleben. Ab dem vierundzwanzigsten November ist die Installation dann bei EY in Stuttgart. Ich kann euch versprechen, wenn ihr bisher noch nicht durchgedrungen seid in der Vorstandsetage, mit dieser Intervention knackt ihr das. Selbst in unserer kleinen Runde mit absoluten ESG-Profis vom Stammtisch Hamburg hatten die Gespräche im Anschluss eine ganz andere Tiefe. Den Link zur EY Four Futures Installation findet ihr in den Shownotes. Sprecht euch am besten direkt mit dem Team von EY ab, wann ihr die Installation besuchen wollt und wie ihr sie im Anschluss nutzen wollt. Lass uns da kurz reintauchen, weil das ist natürlich das Thema, was uns hier in dem Podcast am meisten interessiert. Also was macht jetzt so die Produktion von sonem simplen Handschuh für mich als Laien so komplex und auch so energieintensiv?

Hans-Christian Kämpfer: Ja, also mal ganz einfach gesagt, funktioniert die Produktion so, dass es gibt Keramikhandmodelle, damit nachher ein Handschuh rauskommen, ja. Der wird in verschiedene Chemierezepturen getaucht, ne. Dann bleibt das an der an dem Modell hängen und dann wird der Handschuh gebacken, ja. Und zwar vulkanisiert nennt sich der Prozess. Und das für einen längeren Zeitraum und bei konstanten Temperaturen von über 100 Grad. Und da geht dann halt wirklich sehr viel Energie rein, diese Wärme-, Luftführung und Ähnliches zu ermöglichen. Gleichzeitig muss auch viel gekühlt werden, weil zum Beispiel die Chemie nicht zu heiß werden darf. Also wir befinden uns eigentlich im permanenten Heiz- und Kühlprozess, für den zum Beispiel auch viel Wasser benötigt wird.

Zackes Brustik: Und da war bisher sozusagen, hättet ihr jetzt einmal gesagt, wir machen das so wie in China, dann wird halt irgendwo quasi mit viel Gas- und Stromverbrauch gearbeitet werden, da konstant die Temperatur zu haben. Und im besten Fall verpufft das auch alles irgendwie in die Umgebungsluft vom Standort, oder? Also das

Hans-Christian Kämpfer: ist jetzt 'n bisschen plakativ und übertrieben, aber wir haben auch einige Fabriken selber schon besuchen können in Asien. Und jetzt wirklich übertrieben formuliert ist es halt so, dass wenn Energie nichts kostet und man keine Umweltauflagen hat, dann machen wir das Dach oben auf. Es gibt 'n großen Schornstein, da geht die ganze Hitze und alles sonst so einfach raus, ne. Und wenn man sich mal vorstellen muss, dass eigentlich die Temperatur in den Öfen von über 100 Grad brauche, ich saug aber immer Luft an, die Raumtemperatur hat oder Außentemperatur und ich muss sie dann hochheizen auf über 100 Grad, kann man sich vorstellen, wie viel Energie da permanent reinfließt, ja. Und zum Beispiel durch Kreislauftechnik ist die Idee, Wärmerückgewinnung zu betreiben. Das das heißt, die heiße Luft nicht nur einfach rauszublasen, sondern möglichst viel davon wiederzuverwerten. Dann muss man immer nur von 100 wieder auf 120, 130 Grad hochheizen und nicht halt wieder von Raumtemperatur. Mal als Beispiel.

Zackes Brustik: Seid ihr direkt so gestartet oder habt ihr das eher so im zweiten Jahr rausbekommen und angepasst?

Hans-Christian Kämpfer: Gut, also die Realisierung, dass das notwendig ist, die war schnell am Anfang da, ne. Also Du hast es eben gesagt, Konrad hat diese Anlage aus China bekommen, hat dann auch festgestellt, dass es erst mal schwierig ist, sie ohne asiatische Hilfe aufzubauen, ja. Dann aber auch einfach die wirkliche Analyse und ehrliche Aufnahme des Standorts Deutschland, dass ja halt diese hohen Energiekosten und Personalkosten, dass es wirtschaftlich nicht passt, ja. Und dazu dann auch die Erkenntnis, Du hast das eben mal gesagt, man darf halt nicht nur in der Lage sein, während der Krise erfolgreich zu verkaufen, sondern auch wenn die Krise nicht da ist, wo wir eine höhere Preissensitivität am Markt haben.

Zackes Brustik: Okay. Und was genau macht die jetzt anders? Auch hier quasi so, weil das ja genau die Schnittmenge, die für die Sustainability Manager spannend ist, wenn Sie zum Beispiel mit Ihren Anlagentechnikern reden oder so, ne. Ich hab grade in meinem Newsletter son Beispiel, es ist so simpel, ganz anderes Thema, ne. Marmeladenhersteller, die haben halt die Leitung voll mit Marmelade. Und gibt's den Case, dass sie gesagt haben, okay, anstatt dass wir jetzt für die nächste Produktion immer alles komplett durchspülen, schicken wir son Molch, das ist so quasi son son kleiner Metallpropfen. Der wird einmal durch die Leitung geschoben und erst dann wird die Leitung gespült und dadurch sparen die irgendwie so 173 Tonnen Marmelade im Jahr, die sie zurückgewinnen können für den Verkauf, ne. Das ist sone leichte Umrüstung. Da sind ja so Themen, die nur passieren, wenn das Gegenüber in 'nem Anlagenbetrieb wirklich Bock drauf hat und sich mit den Nachhaltigkeitsmanager hinsetzt und denkt so, okay, was können wir machen? Wie aufwendig ist es, das dann wirklich umzusetzen? Welches Knowledge oder welches Know-how braucht es dann, eben sone Anlage wirklich energieeffizient hinzustellen? Wer muss da mit am Tisch sitzen? Was muss da reinfließen?

Hans-Christian Kämpfer: Also vielleicht mal son paar Beispiele, ohne da zu sehr ins Detail zu gehen, was was so Innovationsthemen sind und wozu die geführt haben bei uns, ja. Also wenn unser Standort fertig ausgebaut ist, wir sind ja noch im Aufbau, dann würden wir im Jahr mehr als 24 Millionen Liter Wasser in unserem Wasserkreislauf wiederverwenden. Wär so's einfach benutzen und wieder wieder rausspülen. Also 24 Millionen Liter ist ja schon eine Riesenzahl. Wir haben über 60 Prozent der Prozesswärme, die wir benötigen, wird aus der Wärmerückgewinnung wieder wieder zugeführt. Und wir haben über 90 Prozent weniger Kühlenergie bei der bei der Wasserkühlung, die wir aufgrund unserer, sagen wir mal, nachhaltig gedachten Systeme haben. Man braucht da 'n unglaublich breites Know how Feld tatsächlich für. Also das ist eher Rocket Science als ich bau Lego Systeme auf. Wir haben Verfahrensingenieure, wir haben Energietechniker, wir haben Automatisierungsprofis, wir haben Chemiker, die dann halt die Chemieführung machen müssen. Das ist wirklich sehr breit aufgebaut, weswegen das aber halt auch jetzt bei uns in dem Fall 2 Jahre gedauert hat, bis wir so weit sind, dass wir sagen, wir können das jetzt, ja. Und wie gesagt, das ist nicht bei uns Nachhaltigkeit son Nachgedanke. Lass uns doch mal gucken, was können wir auch nachhaltig machen? Wir wussten eigentlich, dass wir das gestartet haben oder richtig gestartet haben, wo wir gesagt haben, jetzt machen wir das mit vollem Vorwärtsgang ohne, wie nennt man das, ohne Auffangnetz, wenn man so möchte?

Zackes Brustik: Ohne Handbremse.

Hans-Christian Kämpfer: Und ohne Handbremse, dass das nicht irgendwie 'n schöner Nachgedanke ist, sondern wenn wir das nicht schaffen, hinzukriegen, dann wird das nicht funktionieren. Also wir brauchen das als Basis dafür, dass wir das hier erfolgreich umsetzen können, unser Projekt.

Zackes Brustik: Eben halt auch die Kosten für das Wasser, für die Energie et cetera zu sparen. Und jetzt muss man natürlich sagen, okay, ihr habt erst mal eine Anlage aus China geholt und habt gemerkt, nee, müssen wir doch selber bauen. Ist trotzdem was anderes als wärt ihr jetzt 30 Jahre im Business gewesen, habt da eine Anlage stehen, die eigentlich einigermaßen läuft, da muss man sich überlegen, lass ich die jetzt auslaufen, bau 'n komplett neuen Standard, bau ich Also würdest Du sagen, da lässt sich einiges auf andere Unternehmen übertragen, die vielleicht schon Anlagen haben, laufende Produktionen? Also wie groß ist da euer Vorteil, dass ihr jetzt platt gesagt aufn Greenfield angefangen habt?

Hans-Christian Kämpfer: Ja gut, also Sachen neu machen ist manchmal einfacher, als bestehende Sachen zu ändern. Ich glaube schon, dass das zutrifft. Aber ich glaube, im Kern ist es auch, dass dieses Thema Nachhaltigkeit sollte man gar nicht trennen, ich sag, zwischen ökologisch und ökonomisch. Und das ist einfach super sinnvoll. Und wir haben auch auch hier im Sieger Sauerland, unsere Region, wo's viele innovative Mittelständler auch gibt, auch einige andere Beispiele, die das schon erfolgreich denken, ne. Ich hab jetzt grad gestern hat 'n Austausch stattgefunden mit 'ner Firma aus der Region, die Hygienepapier herstellen, ich sag's mal nur als Beispiel, die 'n ähnliches nachhaltiges Konzept verfolgen, die sagen halt, okay, was können wir eigentlich machen, das nachhaltiger zu betreiben, dadurch aber auch wettbewerbsfähiger, ne. Und dass es ähnlich auch Energie und Wasser ist für Papierproduktion 'n großes Thema. Und diesen Ansatz müssen einfach die Leute verfolgen. Und dafür haben wir halt auch in Deutschland auch noch eine Superbasis aufgrund der gut ausgebildeten Ingenieure und Wissenschaftler, die wir hier haben. Was das natürlich erfordert, sind Investitionen, das ist ganz klar. Und da muss man auch Leute haben, die halt Willens sind, das Risiko einzugehen, da rein zu investieren und möglichst breite Unterstützung dabei erfahren.

Zackes Brustik: Auch ganz kurze kurzer Sidequest hier im Podcast sozusagen, wie groß war denn die Finanzierungsbereitschaft von euren Banken oder welche Partner habt ihr da? Und was ich an der Stelle gerne machen würde, son Reality Check, weil ein Argument, was ich sag mal so Berater, Podcaster wie ich oder so grad immer gerne ins Feld führen, wenn's drum geht, die Fahne für die Nachhaltigkeit hochzuhalten ist zu sagen, ja, Banken sind ja grad von der Kreditwesengesetz-Anpassung betroffen, also die gucken aktiv nach Investitionen, die nachhaltig sind, weil sie ihre Portfolios aufräumen müssen. Kommt das dann real aber bei sonem Projekt wie euch an, dass die Banken sagen, ja, meganachhaltig, dafür kriegt ihr wirklich 'n günstigeren Kredit? Oder ist das in der Realität dann eigentlich irrelevant?

Hans-Christian Kämpfer: Also wirklich eine 1 spannende Frage. Und jetzt ist bei uns die Besonderheit, dass wir hier sehr anlagenintensiv sind. Das, was wir machen, diese Produktionsanlagen kann ich halt nicht in der Garage kurz herstellen. Oder ich nehm 'n kleines Geld und gucke mal, ob das funktioniert. Weil im ersten Schritt braucht man zumindest mal eine Anlage, die funktioniert und dann auch aufgrund Skaleneffekten auch man eigentlich diesen ganzen Standort, den wir geplant haben, damit das auch wettbewerbsfähig produzieren kann. Und da bewegen wir uns halt insgesamt im Investitionsvolumen nördlich von 40 Millionen Euro. Kann man sagen, das sind letztlich auch öffentlich verfügbare Informationen, ne. Wir haben jetzt kürzlich eine große Finanzierung abgeschlossen über 27 Millionen Euro, die uns jetzt erlaubt, unseren Standort fertig auszubauen. Halt die weiteren Produktionslinien sozusagen Stück für Stück jetzt zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Und einfach ist das Thema nicht gewesen, ne. Einfach aufgrund der hohen Kapitalintensität, die das hat. Und gleichzeitig gibt's halt in Europa, wo die Banken natürlich dann schon hinschauen, keine andere Beispiele, dass das halt schon mal funktioniert hat, weil es noch niemand gemacht hat. Und das ist halt 'n sehr schwieriges Umfeld, dann eine Finanzierung zu kriegen. Und da würd ich sogar so weit gehen zu sagen, dass bei diesen Größenordnungen das Thema Nachhaltigkeit alleine auch nicht hilft. Weil im Endeffekt gucken natürlich auch grade Banken noch mit 'ner anderen Risikoprofil drauf als jetzt zum Beispiel Venture Capital Unternehmen oder ja, andere Risikoinvestoren. Was uns an der Stelle geholfen hat, und das ist auch aus meiner Sicht genau der richtige Weg, ist zum einen, wir sind finanziert jetzt über 'n regionales Bankkonsortium, Sparkassenkonsortium unter der Führung der Sparkasse Siegen, unsere lokale Bank hier, die sich da echt engagiert haben, weit ausm Fenster gelehnt haben, gemeinsam noch mit der NRW.BANK. Und wir haben eine Landesbürgschaft vom Land Nordrhein-Westfalen bekommen, weil die einfach gesagt haben, dass wir hier ein 1 Projekt haben, das für Reindustrialisierung, nicht Deindustrialisierung steht, wie es ja immer hier viel passiert und es einfach auch einen strategischen Willen gibt der gesamten Politik in Europa, muss man sagen mittlerweile. Diese wirklich versorgungskritische Güter, die Resilienz wieder zu stärken und das unterstützen.

Zackes Brustik: Quasi mal zusammenzufassen, also hätte euch jetzt nichts geholfen, euren Product Carbon Footprint wirklich genau berechnen zu können? Also wirklich zu sagen, das steht dann an Wasserverbrauch, am CO₂-Verbrauch hinter 'nem einzelnen Handschuh oder hinter einer Batch an Handschuhen oder eine Palette an Handschuhen und auch nicht im direkten Vergleich zu der asiatischen Alternative.

Hans-Christian Kämpfer: Ich sag's mal so, ohne diese Nachhaltigkeitsaspekte hätt das auch nicht funktioniert.

Zackes Brustik: Okay.

Hans-Christian Kämpfer: Weil die ökologisch und ökonomisch sinnvoll und notwendig sind.

Zackes Brustik: Das wär jetzt aber die Banken Stakeholder. Ihr habt ja noch viele andere Stakeholder, zum Beispiel eure Kunden. Ein Kunde, wo ihr gelistet seid, ist Rossmann. Ist das für die 'n entscheidend? Und könnt ihr da auch klar belegen sozusagen, das ist jetzt sozusagen eine Product Carbon Footprint von 'nem BISON-Polymers-Handschuh und das ist der von 'nem vergleichbaren Wettbewerbe aus Asien?

Hans-Christian Kämpfer: Also Rossmann ist 1 unserer Pilotkunden, da sind wir auch sehr stolz drauf, weil Rossmann ja insgesamt bekannt dafür ist, 'n hohen Anspruch an Qualität und auch an Nachhaltigkeit letztlich zu stellen. Und die haben unsere Handschuhe mit ins Programm genommen und dafür halt auch asiatische Importprodukte ausgelistet, obwohl unsere Handschuhe auch 'n Stück weit teurer sind, was wir eben diskutiert haben.

Zackes Brustik: Darf ich da kurz noch reinhaken? Was heißt 'n Stück weit, also sind das 5 Prozent, 10 Prozent, 50 Prozent grob?

Hans-Christian Kämpfer: Ja, also es gibt auch da Unterschiede aus Asien von der Qualität und von den Preisen her, ne, versus dem ganz Hochvolumen, ganz günstigen Handschuh, versus qualitativ Hochwertigen, die 'n bisschen mehr kosten. Und mit von unseren Vergleichsprodukten, was halt schon die qualitativ Hochwertigeren sind, liegen wir in 'ner Range von 10 bis 30 Prozent drüber. Genau, zu Rossmann zurück also, wie gesagt, haben 'n hohen Anspruch. Die haben sich da auch mit uns sehr intensiv auseinandergesetzt, was wirklich der nachhaltige Impact ist, ja. Das kann man sagen, wir haben, da gibt's ja auch verschiedene offizielle Berechnungsmethoden, Gutachten, Zertifizierungen, die man kriegen kann. Wir sind natürlich noch relativ am Anfang, weil wir auch grade erst mit Umsätzen und verkauften Produkten starten. Die ersten Linie läuft. Wir haben Gutachten und Externes erstellen lassen. Und Vergleichswerte gibt es relativ gut. Ganz einfach, weil viele der asiatischen Hersteller die Zahlen veröffentlichen müssen, weil teilweise börsennotiert oder ähnlich ist, sodass man eigentlich den CO₂-Footprint von dem, was die asiatischen Produkte haben und was wir haben, kann man sehr gut nachverfolgen, ne. Und ausm Gutachten ist rausgekommen, dass halt jetzt zum Beispiel im Vergleich zu einem der führenden malaysischen Hersteller unser CO₂-Footprint, also deren Footprint ist drei- bis fünfmal höher als unserer. Also wirklich 'n Vielfaches, da reden wir ja über eine Einsparung von 60 bis 80 Prozent. Und wenn man das mal umrechnet, liegen wir also bei 'ner CO₂-Einsparung bei uns auch der ganzen Ausbringungsmenge gerechnet von über 50.000 Tonnen.

Zackes Brustik: Also ihr habt eine massive Einsparung und eben spannend ist zu hören, dass eben auch asiatische Hersteller ihre Nachhaltigkeitsdaten veröffentlichen müssen. Das heißt, das war jetzt für Rossmann quasi Argument genug zu sagen, okay, ich bekomm Qualität 'n signifikant niedrigeren Footprint, weil ich sag mal jetzt, bei Rossmann ist ja die Verfügbarkeit nicht so relevant, oder? Also Rossmann ist kein Krankenhaus und da wird die Resilienz nicht das Argument gewesen sein.

Hans-Christian Kämpfer: Nicht das Hauptargument, ne. Wobei grundsätzlich auch Rossmann viele dieser Produkte verkauft und auch Einzelhändler das nicht so toll finden, wenn sie keine Produkte mehr haben zu verkaufen, ja. Also das mal vorsichtig zu formulieren. Und das Argument haben wir mit denen natürlich auch besprochen, zum Beispiel auch die europäische Lieferkette und Ähnliches. Also das ist relevant, aber da jetzt nicht so wie vielleicht in den versorgungskritischen Produkten, weil wo verkauft Rossmann hin? Das sind ja im Wesentlichen dann Heimnutzer, Handwerker, die vielleicht zu Hause auch pflegen. Reifenwechsel irgendwie zu Hause mit Flüssigkeiten arbeiten und so diese Heimnutzung. Da ist natürlich der das versorgungskritische Argument nicht ganz so relevant wie in anderen Bereichen.

Zackes Brustik: Was ich trotzdem spannend finde, weil ich hatte ja auch schon andere Beispiele im Podcast, ne, zum Beispiel Voelkel mit den Säften, die aus dem Bioläden raus und wollten auch ins ganz normale Einzelhandelsregal rein und da ist schon die Ansage, man hatte ja ganz prominent hier im Podcast sozusagen den O-Ton, lieber Jurik, das interessiert mich einen, wie nachhaltig dein Produkt ist, es muss drehen, sonst packe ich das nicht ins Regal. Also das heißt, es braucht wirklich Argumente, die über die Nachhaltigkeit hinausgehen für den Einzelhandel und dann aber auch für die B2C-Zielgruppe, die zugreift, die sagt so, okay, ich kann mir vielleicht drauf verlassen, dass nicht jeder 2. Handschuh platzt so während ich anhab und ich dann die Chemikalien daheim beim Putzen auf der Hand hab oder so. Aber ich find's trotzdem spannend, weil die anderen Beispiele, die ich hab, zum Beispiel Voelkel oder auch ganz prominent Frosch, ne, die sind immer 'n paar Prozentpunkte, manchmal 10, 20 Prozent teurer als das Standardprodukt oder das aus Asien, schaffen das aber mit der Kommunikation über den Primärnutzen sich damit zu halten und haben sich da lange das Standing mit aufgebaut und das Konzept geht auf. Also es ist nicht so, dass der Einzelhandel oder auch die Endkunden immer nur auf billig und günstig setzen, sondern wenn man den primär nutzen, Handschuh hält, ich kann mich drauf verlassen, keine Chemikalien auf den Händen oder der Ingwersaft ist tatsächlich mit Vitamin C und nicht mit irgendwelchen Zusatzstoffen voll oder bei Frosch das putzt tatsächlich, auch wenn es biobasiert ist und essigbasiert oder so. Also das Konzept geht auf. Find ich wieder ein weiteres Beispiel, das heißt, dass da sogar 'n paar mehr Prozent verkaufbar sind.

Hans-Christian Kämpfer: Also im Einzelhandel ist es so, letztlich entscheidet sich daran, dass ob die Kunden es nehmen und kaufen oder ob's im Regal verstaubt, ne. Und dann Rossmann wird das auch auf Dauer nicht machen, wenn die Leute es nicht kaufen würden. Und das funktioniert gut, also eigentlich genau, wie Du's sagst. Die Argumente funktioniert.

Zackes Brustik: Wir hatten unterschiedliche Stakeholder angesprochen. Banken war der eine, eure Kunden sei's der Großhandel wie Rossmann, seien's dann direkt quasi b-two-b-Industriekunden, wie jetzt die Automotivebranche, die die Handschuhe in der Produktion braucht. Die anderen Stakeholder sind ja in eurer vorgelagerten Lieferkette. Und was mich schon echt erstaunt hat, ich glaub, das war ein Posting von einem deiner 2 Mitgründer, ist, dass ihr eine ultralokale Lieferkette habt. Also Nitril, ne, an der Stelle vielleicht auch, das ist halt quasi das Material, was ihr nutzt. Ich hab das 1. Mal das Wort Nitril gehört. Ich sag mal in meinen Worten Gummihandschuhe sozusagen, aber ein wichtiges Chemieprodukt. Das kommt aus Europa, da bezieht ihr alle Vorprodukte von europäischen Chemieindustrie. Ihr habt Reinigungsmittel aus Zentraleuropa, Umkartons kommen aus Olpe, die Stretchfolie aus Sachsen, der Maschinenbaustahl aus dem Siegerland, klar, Energie kommt natürlich lokal, Schaltschränke aus Rittershausen. Also ich sag mal so, ihr hättet jetzt auch sagen können, wir produzieren hier, aber wir holen uns für all diese Themen dann doch die billigen Produkte aus Asien. Also ihr scheint's euch ja echt nicht einfach zu machen, sondern setzt selbst die Häkchen in der vorgelagerten Lieferkette. Warum und wie geht diese Formel auf?

Hans-Christian Kämpfer: Also der Kern der Strategie ist ja Krisensicherheit und Versorgungssicherheit. Und dafür brauchen wir halt eine möglichst große Unabhängigkeit von überregionalen geopolitischen Faktor, ne. Und das kriegt man halt unterm Strich nur hin, wenn man eine belastbare lokale Lieferkette hat. Und zwar nicht nur für die Verbrauchsprodukte, sondern letztlich auch für die Anlage selber, weil wir die auch warten müssen, Reparaturen, Ersatzteile und und auch das Know how, ne, das dann zu machen. Und das ist natürlich 'n Stück weit anstrengender, als einfach auch bestehende Teile aus Asien zu kaufen, aber für das, was wir hier machen, notwendig. Und auch entstehen auch andere Sachen da auch immer wieder nachhaltig gedacht, ne. Also wir haben hier teilweise auch natürlich auch mal Vergleichspreise von so Produkten in Ostasien uns eingeholt.

Zackes Brustik: Dass ich da direkt reingeh, Stretchfolie. Ich hätt jetzt gedacht, Stretchfolie ist wie Nitrilhandschuhe, wahrscheinlich auch 90 Prozent durch Asien dominiert.

Hans-Christian Kämpfer: Also die Stretchfolie, muss ich ganz ehrlich sagen, weiß ich jetzt ad hoc gar nicht, wo wir die her beziehen.

Zackes Brustik: Aus Sachsen steht hier.

Hans-Christian Kämpfer: Aus Sachsen, dann dann stimmt das. Ist aber prozentual bei uns gesehen kein relevanter Faktor. Und dann versuchen wir natürlich schon auch das, was wir als Kunde das zu machen, was wir auch als Lieferant machen wollen und und umzusetzen. Aber der nachhaltige Aspekt ist zum Beispiel auch, wenn wir hier eine, jetzt mal als Beispiel, einen Teil für die Anlage mit 'nem Partner selber entwickeln können, was man sonst in Asien kaufen müsste. Das kostet vielleicht dann das Doppelte, hält aber auch dreimal so lang und dann ist dadurch halt auch wieder ein finanzieller Nutzen entstanden.

Zackes Brustik: Ich will da raus, das sind vielleicht für die Details, die sind offensichtlich für dich, aber ich find's halt schon krass, dass das alles wirtschaftlich aufgeht, weil es wirklich an den Stellen ja immer heißt, so nee, dann holen wir uns das aus Asien, sonst können wir das gar nicht und ihr seid ja wirklich ein reales Beispiel, dass man ultralokal produzieren kann mit vorhandener Expertise, dass es vielleicht mehr kostet, die Rechnung aber eben langfristig aufgeht oder nur deswegen aufgeht. Das ist echt 'n krasses Beispiel. Eine trotzdem kritische Frage hab ich, ihr seid wirklich von der Chemieindustrie abhängig hier vor Ort, weil 'n paar eurer Vorprodukte, glaub ich, sind und korrigier mich gerne, Naphtha, Butadien, Butadien, Acrylnitril, ich hoffe, ich hab das alles ausspricht nicht ausgesprochen. Also da sind so Produkte, die bekommt ihr direkt hier von der lokalen Chemieindustrie, von den großen Anlagen. Steam-Cracker und dergleichen. Gleichzeitig lese ich halt dann so Nachrichten, dass so Chemieproduzenten zum Beispiel in Köln, das ist vielleicht nicht der, mit dem ihr zusammenarbeitet, aber die gehen reihenweise pleite wegen eben den hohen Energiekosten, ne. Das ist son typisches deutsches Chemieunternehmen. Ich glaub, die haben so rund 2000 bis 2400 Arbeitsplätze und sagen halt, Chemieprodukte in USA, die haben einfach wortwörtlich ein Zehntel der Energiepreise. Das ist so günstig, dass die nicht mithalten können und deswegen schließen die den ganzen Steam-Cracker, packen die Koffer und sind weg. Und dann fallen halt 100, 200 Arbeitsplätze weg. Das heißt aber auch, dass natürlich das ganze Ökosystem die herum, die ganzen Mittelständler, die Produkte brauchen, plötzlich keinen Ansprechpartner haben. Und das ist nicht son Einzelfall, sondern jetzt grade bei dem Beispiel, ich glaub, es ist so, dass schon 30 Prozent der Steam-Cracker in Deutschland geschlossen wurden, vielleicht noch weitere 20 Prozent wegfallen. Also wie relevant ist die Entwicklung für euch? Weil's ja schon, ernst klar können wir hier sagen, wir müssen nachhaltiger produzieren und die Formel geht auf und so, aber es ist schon real 'n Problem für große Teile der Industrie in Deutschland, dass die Energiekosten so sind, wie sie sind und dann noch die CO₂-Zertifikate oben drauf kommen. Das war auch 'n Faktor bei Ineos, dass die halt 100 Millionen für ihre CO₂-Zertifikate zahlen müssen plus dann das Zehnfache im Energiepreis. Und mich würd halt interessieren, wie Du das einschätzt, wie ehrlich wir da drüber diskutieren und wie langfristig eben dann der Schaden ist, weil's halt nicht nur einen Standort geht, sondern Mittelständler wie euch, die da dranhängen.

Hans-Christian Kämpfer: Jetzt erst mal ganz konkret auf uns bezogen, glaube ich, dass diese europäische Lieferkette, die wir aufgebaut haben, nicht akut gefährdet ist, auch nicht mit den aktuellen Entwicklungen. Das große Aber dahinter ist, ich halte das für superrelevant, dass wir diese Industrien hier halten können. Auch die energieintensiven. Das ist, für uns langfristig wär das so, weil unser Konzept endet halt nicht am eigenen Werkstor, sondern genau wie Du sagst, diese versorgungskritische und Resilienz, die klappt auch nur, wenn die europäische Rohstoffversorgung klappt. Und das ist 'n Thema, wo man dran arbeiten muss. Energiepreise sind auch für uns als Produzent, aber auch für unsere Vorlieferanten ein superkritisches Thema. Für mich auch 1 der entscheidenden Standortfaktoren, an denen unbedingt gearbeitet werden muss. Und dass wir diese Themen hier behalten, halt ich auch für superwichtig. Und das geht auch los. Und ich glaube, da müssen alle mit dran arbeiten. Jetzt haben wir eben durch kurz drüber gesprochen, dass wir versuchen, auch als Kunde unsere Zulieferteile hier aus der Region zu beziehen, wenn möglich oder aus Deutschland oder aus Europa bevorzugt, ja. Und ich glaube, so müssen viele denken und auch in der Politik dafür sorgen. Es gibt viele großöffentliche Auftraggeber, die europäisch einkaufen könnten, es im Moment aber noch nicht tun. Und dadurch halt die lokale Industrie, die wir hier aber dringend brauchen für Arbeitsplätze, aber letztlich auch dafür, dass man halt als Europa bei kritischen Themen unabhängig durch geopolitische Krisen agieren kann. Und die Chemieindustrie ist da sicherlich ein 1 superwichtiger Bestandteil.

Zackes Brustik: Weil ich glaube, das vergessen immer viele, ne, mit der, weil's so, ich sag mal so, wenn man wirklich super intrinsisch motiviert ist als Nachhaltigkeitsaktivist und Manager, denkt man sich, ja gut, dann ist halt eine Fabrik großen Schornstein weg, ne. Was tut's uns weh? Aber man vergisst, dass da ultraviel spezialisierte Mittelständler außen rum dranhängen. Auch in Stahlindustrie ist 'n ganz gutes Beispiel. Wenn son großes Stahlwerk da steht, die den Stahl hier machen, dann hängen ultraviele Mittelständler dran, die diesen Stahl dann zu Spezialprodukten verarbeiten und weiterverarbeiten. Und das sind also Ökosysteme, auch Knowledge Ökosysteme, ne. Dieses Wissen, was da durch die enge Zusammenarbeit entsteht, durch die Nachbarschaft zu den Universitäten, zum Hersteller oder wie bei euch, dass man dann zu dem lokalen Hersteller hingeht, gemeinsam die Lösung entwickelt. Es ist 'n Ökosystem und wenn da so große Anker wegbrüchen, dann bricht das ganze Ökosystem weg. Es ist wie in der Natur auch. Deswegen ist dieser Punkt richtig wichtig, vor allem im Wettbewerb mit China, weil die haben das verstanden. Die bauen ganze Ökosysteme auf und dadurch sind sie so erfolgreich, weil die diese ganzen Querverbindungen und Synergieeffekte haben. Eine Sache, die mich interessiert, ist schon das Thema Automatisierung, weil jetzt hast Du ja wirklich gesagt, so, wir sind deutlich automatisierter als China. Gleichzeitig hört man ja in anderen Branchen, die Chinesen sind ja jetzt nicht langsam, gerade was Robotik angeht, was Automatisierung angeht, sind die in der Regel eigentlich in anderen Bereichen viel schneller als wir. Grad in neuen Branchen in China, sei es jetzt Elektroautoproduktion oder so was, sind hier richtig gut drin, Dark Factory zu bauen. Also also das heißt auf Deutsch übersetzt, Fabriken, in denen's kein Lichtschalter mehr braucht, weil kein Mensch durchläuft, sondern nur 'n Roboter. Das heißt, hast Du das Gefühl, dass quasi der Hebel günstiger dank Automatisierung langfristig haltbar ist oder kommt's dann quasi zu sonem Rückkopplungseffekt? Die Chinesen merken hoppla, wie BISON Polymers, das macht das Gleiche wie wir, aber automatisierter. Warte mal, das können wir doch auch, weil neben mir da steht BYD, die gibt's uns richtig gut im Automatisieren. Dann lauf ich mal kurz rüber und schau, wie die das macht.

Hans-Christian Kämpfer: Ist tatsächlich auch 'n ganz spannendes Thema, was wir auch sehr viel mit, zum Beispiel auch im Finanzierungsprozess diskutiert haben, ne, mit den Finanzierungs, aber auch mit mit Kunden und ja, sehr spannend. Also im Grundsatz ist das so, Du hast natürlich komplett recht, ne. Also wenn China diese Anlagen automatisieren will oder technologisch weiter nach vorne kriegen will, dann können die das. Das hab ich also auch überhaupt keine Zweifel dran. Muss aber jetzt, glaub, 2, 3 Sachen einfach mal bedenken dabei. Der Anteil der Personalkosten und auch der Energiekosten, die die an den Produktkosten haben, ist dort einfach nicht so groß. Das heißt, wenn die da große Fortschritte erzielen würden, wird das die relative Preisposition nicht mehr signifikant verändern, weswegen das bei uns nicht so relevant ist nach unserer Analyse. In der Gegenseite, die Automatisierung da ermöglicht es uns hier, ähnliche Preise zu erzielen oder ähnliche Produktionskosten. Wenn die das nachziehen würden, kämen aber keine Riesenveränderung mehr raus, weil die Produktions, diese Teile der Kosten dort sowieso schon relativ niedrig sind.

Zackes Brustik: Also das heißt, wichtig festzuhalten, ihr seid damit auch relativ zukunftssicher.

Hans-Christian Kämpfer: Absolut. Und ich mein natürlich schon eine Strategie, die wir auch verfolgen, ist, dass wir sozusagen die technologischen Sprünge oder Innovationen, die wir jetzt hier entwickeln, umsetzen, die sind auch, sag ich mal, und das werden wir auch in Europa und Nordamerika uns schützen lassen.

Zackes Brustik: Eine coole Zwischenbemerkung, weil Du hattest es jetzt ja mal 'n paarmal gesagt auch, wir sind grad noch im Aufbau. Das ist jetzt aber nicht so, dass ihr irgendwie 'n Start-up seid, was noch irgendwo an der Uni im Lab produziert, sondern ihr habt schon eine laufende Anlage und ihr wisst jetzt schon, dass ihr unter Umständen sogar auf 6 Anlagen erweitern werdet. Also es ist 'n massives reales Business schon dahinter und 'n krasses Wachstum.

Hans-Christian Kämpfer: Ja, absolut. Also wir sind mittlerweile über 80 Mitarbeiter, ja. Also passen nicht mehr in die Garage oder in die Uni rein. Wir haben hier unsere 1. Produktionslinie, die ist am am Produzieren. Wir haben schon jetzt einige Kunden ausgeliefert aus, nicht nur Rossmann, auch Krankenhäuser, Einkaufsgemeinschaften, Großhändler, auch im PSA Bereich und die immer wieder bestellen, die mit der Qualität superzufrieden sind. Und was uns sozusagen jetzt der Schritt, den Ausbau und dann mit die Gesamtkapazität der Halle zu realisieren, war halt noch die Finanzierung, die wir jetzt dann Ende Mai abgeschlossen haben und der gemeinsamen jetzt Vollgas die anderen Linien hier hochziehen.

Zackes Brustik: Worauf ich hinauswill, ist, wir haben jetzt mehrmals gesagt, ihr seid hochautomatisiert. Und das ist ja eigentlich 'n Thema, was in bestehenden Betrieben, jetzt nicht bei euch, 'n riskantes Thema ist, weil alle bekommen Angst, wenn wir automatisieren, verliere ich meinen Arbeitsplatz. Und wenn wir quasi nur noch den Roboter in der Halle stehen haben, dann ist zwar schön, dass das Unternehmen in Deutschland steht, da hat aber die Belegschaft nicht viel davon. Das heißt, die Frage der sozialen Nachhaltigkeit. Wo entstehen denn bei euch die Arbeitsplätze? Und welche Art von Menschen braucht ihr? Also welche Art von Arbeitsplätze oder Wertschöpfung schafft ihr für die Region?

Hans-Christian Kämpfer: Also gut. Also natürlich stimmt, wenn wir jetzt die asiatischen Anlagen ja auch vorher hätten wir mehr Arbeitsplätze geschafft, aber nicht wirklich, weil das wär hätte ja nicht Bestand. Also hätten wir im Prinzip, damit würde man nichts nichts erzielen, ne.

Zackes Brustik: Und das wären wahrscheinlich auch Arbeitsplätze gewesen, die nicht viel weiterhelfen, weil das wär am absoluten quasi Lohnminimum gewesen.

Hans-Christian Kämpfer: Der Großteil davon, genau. Und jetzt bei uns ist es so, also wir werden hier schon an dem Standort, wenn wir in der Entwicklung das Ende erreicht haben, vielleicht 120, 130 Mitarbeiter beschäftigen. Und das ist natürlich schon auch teilweise in Bereichen Industriejobs, die hier uns rum, Du hast's eben mal gesagt, auch zurzeit reihenweise wegfallen, ne. Und das ist für die Region, glaub ich, schon auch eine gute Sache. Insgesamt für Deutschland und auch Europa ist das gut, dass solche Jobs hier noch entstehen können. Das ist wirklich sehr gemischt. Also wir brauchen von hoch ausgebildeten Chemikern und Ingenieuren bis hin zu jetzt der mehr in Betrieb gedacht, Anlagenführer, Mechatroniker, Schlosser, Schweißer, Maschinenführer, wirklich eine breite Basis an ausgebildeten Industriejobs, aber auch natürlich einfachere Betriebshelfer manchmal.

Zackes Brustik: Ja, ich glaub, wir haben schon superviele Themen besprochen. Wie geht die Reise weiter bei euch?

Hans-Christian Kämpfer: Ja, also wir sind grad schon in 'ner sehr intensiven Zeit und sind halt grad am Kapazitätsaufbau, ne. Wir versuchen den Standort, den wir hier haben, so schnell wie möglich fertig zu stellen, halt auch immer mehr Kunden liefern zu können. Wie eben gesagt, Linie 1 ist am Produzieren. Unsere 2. Linie ist kurz vor Fertigstellung und dabei in Produktion zu gehen. Und dann geht es mit Linie 3 4 5 6 weiter. Also wir hoffen, im Laufe des nächsten Jahres die Standortentwicklung fertig zu haben.

Zackes Brustik: Und seht ihr andere Produkte, wo ihr denkt, wenn wir das mal haben? Also ihr, ne, ich hab's ja gesagt, eure Vorgeschichte ist, ihr kam von Coronamasken. Jetzt seid ihr bei den Handschuhen, sagt ihr so, okay, Handschuhe können wir jetzt. Es gibt noch viele andere Produkte, die man theoretisch auch lokal, wettbewerbsfähig, nachhaltig produzieren könnte. Wie übertragbar ist das? Oder war das jetzt so das eine Produkt, bei dem's geht?

Hans-Christian Kämpfer: Ja, also unsere größere Vision ist nicht nur, bei den Handschuhen zu bleiben, sondern, hört's jetzt vielleicht 'n bisschen speziell an, aber ich sag mal, polymerbasierte Hochverbrauchsprodukte entweder durch 'n technologischen und oder nachhaltigen Ansatz, also durch andere Rohstoffe wieder in Europa produzieren zu können und wieder Versorgung zu schaffen. Und da gibt's andere Beispiele. Ich mein, ganz einfach, die Maskenproduktion ist auch wieder stark abgewandert nach Corona. Und das ist jetzt nur ein Beispiel. Das geht aber auch jetzt im medizinischen Bereich zu bleiben. Kittel, die man braucht. Wundversorgung, Inkontinenzprodukte. Also da gibt's wirklich 'n breites Spektrum an Produkten, die man ähnlich denken kann, entweder durch 'n neuen technologischen Produktionsansatz und oder durch eine nachhaltige Rohstoffversorgung.

Zackes Brustik: Also ihr seid noch nicht am Ende angelangt und theoretisch können das andere nachmachen. Also es ist ja so, ihr seid ja im Beweis angetreten, dass es funktioniert. Eigentlich sollte das uns ja Mut machen und andere inspirieren. Also ich hoffe, dass vielleicht 'n paar zuhören und auch quasi einfach mal den Weg zu ihrem Anlagenmechaniker im Werk gehen und schauen, was man hier gemeinsam angehen könnte, umzubauen, zu transformieren und sich resilienter und vor allem auch, wie wir gehört haben, nicht nur nachhaltiger, sondern auch wettbewerbsfähiger aufzustellen. Danke dir, Hans-Christian, für den Einblick. Wir sind munter hin- und hergesprungen zwischen all den verschiedenen Themen, aber es steckt halt auch echt viel drinnen bei euch. Also es ist wirklich ein Orchesterkonzert, damit das aufgeht, diese Vision und dieser Ansatz, ist mein Gefühl.

Hans-Christian Kämpfer: Sehr gerne. Man kann über jedes einzelne Thema, glaub ich, stundenlang sprechen, aber ich glaub, wir haben viel gute Punkte uns durchgearbeitet.

Zackes Brustik: Dann, wenn ihr Interesse habt, das herauszufinden, meldet euch bei BISON Polymers. Ich pack entweder das LinkedIn Profil von Hans-Christian in die Shownotes oder von Joalene, 1 eurer Mitarbeiterinnen, mit der ich im Austausch war. Dann könnt ihr schauen, ob ihr einen Kippspunkte habt, weil ich bin mir sicher, ihr seid sehr offen dafür, euer Know how oder wie ihr Dinge gelöst habt. Ich sag mal eher, das Wissen im Aufbau weiterzugeben für andere Branchen.

Hans-Christian Kämpfer: Sehr gerne Vernetzung hilft, Ideenaustausch hilft. Wir müssen einfach gemeinsam das Unternehmertum aufbringen und dafür sorgen, dass wir hier in Europa auch bei Themen, wo man erst denkt, das geht nicht, dass wir da wieder vorwärtskommen, und die Beweise antreten, dass das geht.

Zackes Brustik: Und es geht. Viele weitere Beispiele davon hört ihr natürlich in den nächsten Folgen oder kriegt sie auch im Newsletter. Abonniert www.zackes.com/newsletter. Es gibt viele coole Beispiele und viel zu wenige davon bekommen wir mit, weil es so im Rauschen des ganzen Doom and Gloom des Newsfeeds untergeht. Also schaut einfach nach den Beispielen, denn es gibt sie. Wenn ihr selber 1 habt, wo ihr denkt so megageil, das müsst ihr in dem Podcast, schreibt mir einfach an zackes@gewinnezukunft.de. Vielen, vielen Dank Hans-Christian.

Hans-Christian Kämpfer: Bitte, hat mich gefreut.

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