Kunststoffrecycling im Mittelstand: Weniger Moral, mehr Machbarkeit für den Kreislauf. #115
Shownotes
„Alle wollen recyceln, aber keiner will verzichten.“ Das sagt Axel Möhring, Geschäftsführer der Energenta Ersatzbrennstoffe GmbH. Und genau deshalb ist es gerade so schwer, als Mittelständler in Deutschland Recycling wirtschaftlich umzusetzen.
Während Gewinne Zukunft Host Zackes Brustik zwei Wochen Herbstpause macht, gibt es eine spannende Gastfolge aus dem Podcast Inside Packaging. Host Thomas Schmitt spricht darin mit Axel Möhring über die Lücke zwischen politischen Zielen und realen Marktmechanismen: warum hochwertiges Rezyklat am Einkauf scheitert, warum Recyclingbetriebe in die Insolvenz rutschen und warum Material wieder in der Verbrennung landet.
✅ Warum am Ende der Preis über Rezyklat entscheidet.
✅ Was Recycler zum Investieren bräuchten.
✅ Weniger Moral, mehr Machbarkeit im Kreislauf.
Axel Möhring zeigt dabei klare Haltung, auch über das Recycling hinaus. Eine Folge für alle Sustainability Manager, die Rezyklatquoten und Kreislaufziele einmal aus der Sicht eines Recyclers hören wollen.
Noch mehr Folgen mit wirklich guten Gästen und Themen aus der Verpackungsindustrie gibt es bei Inside Packaging:
SHOWNOTES & LINKS:
Über Axel Möhring:
Geschäftsführer der Energenta Ersatzbrennstoffe GmbH im Münsterland, die Kunststoffe recycelt und nicht recycelbare Kunststoffe zu Ersatzbrennstoff aufbereitet. Zuvor ist er zur See gefahren, hat Geschichte und Politik studiert und in der Industrie gearbeitet.
🔗 https://www.linkedin.com/in/axel-möhring-06442571/
🔗 https://www.energenta-ersatzbrennstoffe.de
Über Thomas Schmitt:
Host von Inside Packaging, dem Podcast für Entscheiderinnen und Entscheider aus der Verpackungsindustrie. Er kennt die Verpackungsindustrie aus Vertriebs- und Führungspositionen, von Faltschachteln und Wellpappe bis zu Displays und flexiblen Verpackungen. Heute unterstützt er als Personalberater Unternehmen der Branche bei der Suche nach Fach- und Führungskräften.
🔗 https://www.linkedin.com/in/ttriffts/
🔗 Originalfolge bei Inside Packaging: https://inside-packaging.de/kreislaufwirtschaft-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit/
Über Gewinne Zukunft:
Ab dem 17. November gibt es wieder frische Folgen mit Host Zackes Brustik. Abonniere bis dahin schon mal den Newsletter!
Transkript anzeigen
Zackes Brustik: Alle wollen recyceln, aber keiner will verzichten, sagt der Gast in dieser Folge und er sagt auch, genau deswegen ist es grad echt schwierig, als Mittelständler Recycling wirtschaftlich in Deutschland umzusetzen. Gesagt hat er das nicht zu mir, sondern zu Thomas Schmitt, einem echten Kenner der Verpackungsindustrie. Thomas hat wie ich auch einen Podcast und bei jeder Folge, wenn ich da reinhöre, denk ich mir so, ey, wie cool ist das denn? Genau die Frage hätt ich auch grad gestellt. Daher dachte ich mir, diesen Podcast kann ich euch nicht vorenthalten. Während ich also 2 Wochen Herbstpause mache, gibt es eine Folge, die perfekt in Gewinne Zukunft reinpasst, mit einem Gast, der als Geschäftsführer wirklich Haltung zeigt. Wenn ihr dann noch mehr Lust auf wirklich verpackungsindustriesspezifische Themen bekommt, geht auf inside-packaging.de. Dort findet ihr noch viele weitere Folgen mit richtig guten Themen und wirklich guten Gästen. Viel Spaß jetzt erst mal mit Thomas und seinem Gast Axel Möhring.
Axel Möhring: Umwelt können wir schützen. Ob wir aber auch sofort damit der Wirtschaftlichkeit erfolgreich sind und vom Ergebnis her steigen, das glaub ich nicht. Ja, wir gehen jetzt grad 'n Schritt zurück, aber wir nehmen Anlauf. Aber ich glaube, es ist unumgänglich, dass wir 'n Schritt zurückgehen müssen, auch in der Gesellschaft.
Jingle Inside Packaging: Inside Packaging. Ein Podcast von Thomas Schmitt.
Thomas Schmitt: Willkommen bei Inside Packaging, dem Podcast für Entscheiderinnen und Entscheider aus der Verpackungsindustrie. Mein Name ist Thomas Schmitt und heute spreche ich mit Axel Möhring, Geschäftsführer der Energenta Ersatzbrennstoffe GmbH. Wir sprechen heute über die Frage, wie sich die Kreislaufwirtschaft aktuell tatsächlich entwickelt und warum funktionierende Recyclinglösungen plötzlich nicht mehr marktfähig sind. Es geht den Widerspruch zwischen politischen Zielbildern und realen Marktmechanismen, die Frage, warum Material wieder in die Verbrennung geht und was das über den Zustand des Systems aussagt. Gleichzeitig wollen wir den Blick bewusst weiten. Was bedeuten diese Entwicklungen für unternehmerisches Handeln im Mittelstand? Wie verändern sich Rahmenbedingungen, Entscheidungslogiken und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen? Mich interessiert dabei nicht nur die fachliche Perspektive auf Recycling und Marktmechanismen, sondern auch die persönliche Einordnung. Wie blickt Herr Möhring auf diese Entwicklungen zwischen unternehmerischem Anspruch, Haltung und wirtschaftlicher Realität? Ich freue mich sehr auf dieses Gespräch, sage herzlich willkommen bei Inside Packaging, Herr Möhring und vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Gespräch nehmen und mich hier bei Ihnen in Ochtrup zu Gast haben.
Axel Möhring: Ja, vielen Dank, lieber Thomas. Das ist total spannend. Vielen Dank für die Einladung und vielen Dank für die Gelegenheit, mich als Person und uns als Unternehmen hier einmal zu präsentieren. Ja, mein Name ist Axel Möhring, ich bin 48 Jahre alt. Ich bin Papa von 3 tollen Kindern und Mann einer tollen Ehefrau. Meine Kids sind 12, 20 und 22 Jahre alt. Wir wohnen hier am Ort, also sehr ortsverbunden aufgewachsen auf dem Dorf. Ich bin, wie gesagt, 48 Jahre alt, hab einen totalen schrägen Lebenslauf. Ich bin zu See gefahren, hab Geschichte und Politik studiert, hab dann jahrelang in der Rüstung gearbeitet und bin dann vor 6 Jahren wieder nach nach Hause in mein Dorf in meinen Ort gekommen und hab die Gelegenheit bekommen, hier als Geschäftsführer in einem Recyclingbetrieb zu arbeiten. Am Anfang war ich doch recht skeptisch, ob das gelingt, ob mir das auch passt, ob ich den Leuten passe, ob ich meinem Chef passe, der mich gefragt hat und angestellt hat. Aber nach 6 Jahren muss ich sagen, das ist eine der spannendsten Phasen meines Lebens. Es ist total abwechslungsreich, ist superkreativ. Man sieht jeden Tag, was man tut. Man hat viel Bodenhaftung hier, viel Kontakt zu den Menschen. Und am Anfang war ich in der Tat skeptisch, weil man mit Müll, mit Abfall nichts zu tun haben will. Ist total unsexy. Du machst nicht auf Instagram 'n Foto von 'ner Mülltonne und so weiter. Aber es ist eben kein Müll, das ist Wertstoff, ne. Und das müssen wir alle im Auge behalten als Menschen, auch in der Wirtschaft, auch privat, dass das einfach 'n Wertstoff ist, den wir da behandeln müssen, den wir retten müssen, den wir aufbereiten müssen. Und das ist eine Riesenkette, weißt Du, von vorne vom Sammeln übers Aufbereiten bis bis am Ende zum zum Produkt wieder in den Kreislauf bringen. Das ist oftmals ganz, ganz, ganz kreativ, ganz viel probieren, weil jeder Wertstoff ist anders. Es kommt verschiedenste Folien bei uns an. Es kommen vermischte Wertstoffe, es kommen verschmutzte Wertstoffe. Das ist schon total spannend. Aber wir kommen da gleich noch zu. Und ja, zu mir vielleicht privat noch, ich bin leidenschaftlicher Fußballer, ich bin ein schwarzgelber Borussia. Mag nicht jeder hören, die Ecke hier ist verdammt blau weiß bei uns hier im Münsterland. Ich bin, glaub ich, sehr konservativ. Ich bin im Schützenverein. Ich bin hier Jugendtrainer. Ich engagier mich für die dörfliche Entwicklung. Ich bin in der Kommunalpolitik aktiv. Ich würde mich mal als als progressiv konservativ betrachten. Also ich hab Bock auf Veränderungen und auf Fortschritt, aber immer mit mit Bodenhaftung.
Thomas Schmitt: Mhm. Und umtriebig, so ist mein Eindruck, ne. Also man merkt das auch schon in unserem Vorgespräch. Also Ausruhen ist nicht so dein, das ist mein Eindruck.
Axel Möhring: Doch, Ausruhen auch. Ich bin 'n Spätaufsteher. Da stört meinen Kollegen drüben, der ist morgens halb 6 hier.
Thomas Schmitt: Okay. Ich
Axel Möhring: halb 9, aber ich bin auch länger abends hier. Also ich hab Bock auch zu arbeiten. Ich mach das, was ich grade liebe, was ich was ich grade toll finde. Meine Familie unterstützt mich. Und ja, umtriebig, klar, man man wohnt ja aufm Dorf, Du musst dich schon beteiligen. Also wenn Du auf 'nem Dorf wohnst mit 1000 Leuten, wo dich jeder kennt, ist jetzt keine Pflicht, dass Du überall dabei bist. Aber ich hab da Lust drauf, meine Kinder spielen, fußball ich auch. Wir sind hier aktiv im im Dorf, im Schützenverein, wie ich gesagt hab. Ich hab Bock auf viele Themen. Ich misch mich auch ein und ich glaub, ich bin auch unbequem. Das gefällt nicht immer allen. Meine Frau sagt auch oft, halt doch mal einfach den Mund, ja. Das sagt sie netter, aber sie meint das dann trotzdem so. Ich red mich auch gerne gerne auf über einige Sachen, aber eine gute Diskussion ist ist ja, fand ich immer Lust drauf, ja.
Thomas Schmitt: Welche Position beim Fußball?
Axel Möhring: Ich selber als Spieler Ja. War ich eigentlich immer ein sehr harter Verteidiger. Ich konnte den Ball nicht dreimal hochhalten, aber ich konnte die rechte Bahn hoch- und runterlaufen und ich war doch eine kleine Mauer hinten. Und ansonsten jetzt bin ich beim. Meine Kinder machen da Spaß drüber, aber ich find's total cool und Trainer. Also ich trainiere meine, hab alle Kinder trainiert in den in den letzten Jahren, also meine eigenen und auch andere. Und jetzt bin ich so im letzten Jahr der Jugendtrainertätigkeit. Im nächsten Jahr werde in der Tat 50 und dann habe ich das seit fast ja 35 Jahren, seitdem ich 15 bin, gemacht und dann reicht das. Und dann kommen die Themen, die ich jetzt noch wirklich jeden Tag hab, gehen so langsam aufs Abstellgleis und vielleicht kommen neue. Ich hoffe, es kommen neue. Aber ja, Fußball, doch, ist 'n zentraler Punkt in meinem Leben.
Thomas Schmitt: Super, schön. Jetzt haben wir 'n bisschen was schon über dich erfahren. Sag gerne noch was zur Energenta. Ihr gehört zu 'ner größeren Unternehmensgruppe. Wir sind hier auf 'nem wirklich riesig großen Recyclinghof, wo man ganz viele Eindrücke sammelt, wenn man schon auf den Hof fährt. Vielleicht sagst Du was zur Energenta an sich und auch der Einbettung der Energenta in die Unternehmensgruppe.
Axel Möhring: Gerne. Also ich darf hier die Energenta Ersatzbrennstoffe leiten. Das ist eine Firma aus dem Unternehmensverbund. Der ganze Verbund gehört Martin Brinkschmidt, der hat den gegründet von der Pike auf hier entwickelt, zweimal umgezogen von 'nem kleinen ersten Hof, den er übernommen hat, auf den nächst größeren jetzt hier in den Weiner Park. Wir betreiben hier 15 Hektar Entsorgungshof. Wir sind hier auf diesem Hof mit 3 Unternehmen tätig. Wir sind einmal die Firma Kokmann, reiner Entsorger, große Entsorger, Behälter stellen, Behälter fahren, transportieren Logistik im Bereich des Materials wirklich von von Boden aus Hub, Baustellen, Vorbereitung, Mineralien, Glas, Holz, Papier, Haus-, Elektroaltgeräte, alles das, was so im täglichen Leben anfällt. Wir haben eine Spedition mit an Bord hier auf dem Hof, die Spedition Köln, man hat circa 20 Züge, planen, Mulden, Silo Züge. Und dann kommt die Firma Energenta, die ich darf. Wir sind hier im Bereich Kunststoffrecycling und Entsorgung Schrägstrich Aufbereitung tätig. Und wir machen es so im Jahr zwischen 80.000 und 100.000 Tonnen. Wir sind Spezialist für hochwertige kalorische Brennstoffe. Klingt immer 'n bisschen sehr, ja, sehr abstrakt, aber ist ganz einfach erklärt. Alles, was wir nicht recyceln können, das kommt aus dem Produktionsbereich zu großen Teilen oder aus dem Post Consumer Bereich, also aus unserem Haushalt. Was also nicht recycelbar ist, Verbundfolien, verschmutzte Folien, bunte Folien, verklebte Folien, das wird hier geschreddert auf sone Art Cornflakes-Größe. Das ist in der ja, sogenannte Ersatzbrennstoff. Und der verbrennt mit 'ner gleichen Energie wie ungefähr Braunkohle oder auch Erdöl. Und das nutzen halt große Ofenbetriebe, Zement Zementwerke oder auch Kalkwerke, ihre großen Drehrohröfen, die vormals mit Braunkohlestaub beschickt wurden, jetzt mit Ersatzbrennstoffen zu beschicken. Und somit haben wir im Prinzip eine recht gute CO₂, also nicht neutral, darüber müssen wir gar nicht sprechen, aber CO₂ ärmere CO₂ reduziertere Nutzung von von Brennstoffen. Und das ist eben immer mal auch der Weg, weil viel Kunststoff auch noch nicht recycelt werden kann. Das ist unser Problem. Aber wir sind da dran, also ungefähr 20 Prozent unserer Tonnage wird hier auch hochwertig recycelt. Das heißt, es geht zurück in den Kreislauf als Vormaterial oder auch als Mahlgut, als Regranulat.
Thomas Schmitt: Ja. Das Thema Kunststoffrecycling hat uns beide zusammengeführt an dieser Stelle. Vielen Dank an den Heinz Henning Seute von LA Plastics, der mir den Tipp gegeben hat, mal Kontakt zu dir aufzunehmen, weil ihr beide euch auch kennengelernt habt, von dem her daher noch mal vielen Dank, liebe Heinz Henning für die Kontaktanbahnung. Du hast es angesprochen, Kunststoffrecycling ist in aller Munde. Das Thema des nicht recyclingfähigen Kunststoffs soll 'n Stück weit eingedämmt werden durch die europäische Regulatorik. Da wollen wir später vielleicht noch mal drauf kommen. Wir fangen noch mal vorne an. Du hast gesagt, seit 6 Jahren leitest Du die Energenta. Wenn Du jetzt mal zurückblickst, Anfang deiner Zeit und heute, was hat sich denn aus deiner Sicht in den letzten Jahren so im Recyclingmarkt, Kunststoffrecyclingmarkt grundlegend verändert? Siehst Du da grundlegende Veränderungen? Wenn ja, welche? Und bewertest Du sie positiv oder eher negativ?
Axel Möhring: Ja, das ist eigentlich die Kernfrage, die ist spannend und zudem auch total komplex. Also wir sind im Recycling in soner in soner Wellenbewegung. Wir sind mal auf 'nem Peak, wo die ganze Gesellschaft inklusive Bundesregierung das Recycling total sexy findet. Es ist in allen Zeitungen drin, Quoten und in Zukunft nachhaltig und und und energiearm oder reduzierter, keine Atomkraft, Windkraft. Wir wollen alles. Aber es ist halt nicht sexy. Also keiner will im Prinzip mit Müll was zu tun haben. Das schlägt sich darin wieder, dass wir in der Gesellschaft nicht wirklich wahrgenommen werden. Es gibt die ganz, ganz großen Player am Markt. Remondis, PreZero, die machen tolle Arbeit. Die haben auch tolles Marketing, Öffentlichkeitsarbeit. Aber die kleineren Mittelständler, so wie wir, wir wir sind da, wir sind, wir werden gesehen, wir werden geduldet, ja, aber so richtig mit Müll will keiner was zu tun haben. Das ist eines der Kernprobleme, auch in den Ausbildungsberufen. Ja, früher galt der Müllwagenfahrer, ja, das war halt der, der es woanders nicht geschafft hat vielleicht. Völliger Blödsinn im Übrigen, also Müllwerker ist ist eine hochwertige Ausbildung, auch im im Recycling. Aber zurück zu deiner Frage, also das Recycling ist so vor einem Jahr wieder runtergefallen von diesem Peak. Bis dahin war es wirklich in der Zeitung im Fernsehen überall zu sehen. Wir wir hatten wirklich einen Drive, wir hatten wirklich Geschwindigkeit. Und dann fiel es wieder runter, weil's einfach wirtschaftlich nicht interessant war. Also es wurde gepusht und getrieben, man hat dann gemerkt, auch die Betriebe, so wie wir, wir müssen mit Recycling Geld verdienen, weißt Du. Und wenn wir kein Geld verdienen, dann, na ja, dann dann arbeiten wir vielleicht nicht so, wie sich das alle wünschen. Also alle wünschen sich, dass das zurückkommt in den Kreislauf, aber es muss eben aufbereitet werden. Es kostet viel Energie, viel Arbeit, viel händische Arbeit, ist noch viel handwerkliche Arbeit. Also man kann sortieren, ja, KI und auch Maschinen, am Ende sitzt da noch immer 'n Mensch. Es kostet einfach Geld. Die Rahmenbedingungen passen für uns nicht in Deutschland. Ist viel Regulatorik, viel Wunschdenken, viel, was man an der Basis nicht sieht. Das kann ich auch nachvollziehen, wenn Du in Berlin entscheiden musst, dass Du eben nicht weißt, was ist im Münsterland gerade in Ochtrup? Was ist da grad los? Welche Herausforderungen haben die? Und deswegen sind wir bin ich laut. Also ich bin bei LinkedIn unterwegs. Ich sage auch meine Meinung. Ich sage jedem, der es hören will, worum's nicht funktioniert. Und das ist Regulatorik. Das ist ein falsches Bewusstsein in der Bevölkerung, ja. Jeder will irgendwie recyceln, aber keiner will verzichten. Ja, wir wir wir kennen das überall her. Also jeder will nach Malle in den Urlaub für 22 Euro am liebsten fliegen, will aber gleichzeitig irgendwo auch das gute Label haben und na ja, ist halt hip. Aber es ist eben kein Wunschthema. Also Recycling ist bitternotwendig. Wir sind hier in Deutschland rohstoffarm. Ich hab gestern Morgen in Deutschlandfunk gehört, Carsten Lindemann hat gesagt, in Deutschland haben wir nichts im Boden. Wir hatten lange was im Kopf, ja, oder wir haben noch was im Kopf. Wir können damit schon umgehen, aber das müssen wir eben noch alles lernen. Und uns ist nicht bewusst, dass Recycling, ich glaube schon, eine wirklich zentrale staatliche Aufgabe nicht, aber der Staat muss da schon Einfluss nehmen, weil es eben nicht, Beitragkennpunkt, nicht wirtschaftlich ist, Thomas.
Thomas Schmitt: Das ist total spannend, was Du sagst. Wir springen jetzt 'n klein wenig in der Agenda, das ist aber gar nicht schlimm. Auf das LinkedIn Thema kommen wir später, weil tatsächlich, Du bist sichtbar, laut, klar in deiner Meinung. Und das finde ich immer erst mal gut, ganz unabhängig davon, ob ich die Meinung teile, aber ich finde, man muss klar sein. Und jetzt hast Du das angesprochen, dass man sich eigentlich wünschen würde, dass in diesem Bereich Recycling die Politik 'n bisschen mehr auch macht. Und auf der anderen Seite der Unternehmer eigentlich sagt, lass doch mal mich machen. Ich weiß schon, was richtig ist und dann wird alles gut und misch dich nicht immer überall rein. Wo siehst denn Du so den größten Widerspruch auf der einen Seite zwischen den politischen Zielsetzungen und zum Recycling, zur Kreislaufwirtschaft, zur Nachhaltigkeit, Du hast es angesprochen, und den realen Marktmechanismen, wie Du sie jeden Tag hier auf deinem Schreibtisch dann irgendwo auch siehst. Wo wo sind da die größten Widersprüche? Wo bräuchte es mehr, ich sag mal, regulatorische Interaktion? Und wo bräuchte es vielleicht weniger regulatorische Interaktion oder mehr Freiraum für den Unternehmer?
Axel Möhring: Ja. Mit der Frage quäle ich mich in der Tat auch jeden Tag. Also ich darf hier 'n Unternehmen führen, das gehört mir nicht. Also ich bin kein Unternehmer, ich bin Geschäftsführer, aber ich muss es so führen, dass ich am Ende meinem Gesellschafter ja ja ein Ergebnis präsentieren kann, das ich vertreten kann. Es kann auch mal sein, dass es negativ ist, wenn ich was investiere. Aber ich muss einfach Geld verdienen mit Recycling. Ich leite ein Unternehmen, hier arbeiten 30 Leute, die wollen am Ende inklusive mir alle bezahlt werden. Und Regulatorik wünscht man sich als Unternehmer eigentlich kaum. Man wünscht sich, wenn man von der Materie, sag ich jetzt endlich Ahnung hat, möglichst wenig Eingriffe des Staates in den Markt. Aber es gibt Themen auch auf staatlicher Ebene wie Gesundheit, wie Sicherheit, da greift der Staat schon ein. Und ich bin der Meinung, im Bereich Recycling, Entsorgung, Versorgung, Rohstoffe muss der Staat eben auch eingreifen. Er muss das schon leiten, denn noch mal Recycling ist nicht wirtschaftlich. Wir verdienen mit Recycling noch kein Geld und vor allen Dingen nicht so Geld, dass wir sagen können, wir können jetzt über die nächsten Jahre investieren. Also wenn Recycling wirtschaftlich attraktiv wär, dann würden die Recyclingfirmen nicht der Reihe nach in die Insolvenz rutschen. Und das tun sie. Warum tun sie das? Weil's nicht wirtschaftlich ist. Energie ist teuer. Ich weiß, dass Energie was kostet und dass wir Energie benötigen, dass Energie auch früher schmutzig war. Aber Energie darf nicht 30, 40 Cent pro Kilowattstunde kosten. Energie muss für die Industrie machbar sein, weil wir ja auch im internationalen Wettbewerb stehen. Wir stehen mit Europa im Wettbewerb, mit Spanien, Italien, mit Rumänien, Bulgarien, auch mit Asien und Afrika und Südamerika. Wir sind nicht konkurrenzfähig. Und da muss der Staat eben was tun und da gibt es verschiedenste Mechanismen. Da gibt es sicherlich Steuerregulierung, da gibt es Energiepreisthemen. Es gibt wenige Regulatorik in der Entwicklung von Anlagen, von Maschinen. Wenn wir hier bauen wollen, egal, was wir bauen wollen, Windrad dauert 5 Jahre. Eine neue Anlage dauert ein Jahr, anderthalb Jahre. Wir müssen die genehmigen lassen, Pläne, Feuerwehrpläne. Das ist ein Rattenschwanz ohne Ende und das macht uns müde. Und ich kann auch gut verstehen, dass viele sagen, ich bin's leid. Ich hab einfach keinen Bock mehr und schließe mit 60 meine Firma ab. Ich mach nicht weiter. Und ich bin 48, ich hab Bock drauf und wir sind in 'nem Gewerbe, was wirklich zentral ist für unsere Gesellschaft. Und die Gesellschaft muss das lernen, die muss sensibilisiert werden, ob das jetzt Kindergärten, Schulen, ob das Kegelklub sind, wir holen die ja alle auf den Hof. Ja, und das kostet Zeit, aber die gehen über den Hof, die sehen, was hier anfällt, was hier gearbeitet wird und dass das eben nicht sexy ist. Ja, Recycling ist keine Ahnung wie Fitnessstudio. Alle sind im Januar total motiviert, ja, aber dann geht's den Bach runter. Das ist, war bei uns auch vor 2 Jahren, alle wollten das, aber jetzt sind wir auf dieser Kurve, die nach unten geht. Mhm. Also die Motivation ist nicht aktuell da, in der Gesellschaft nicht und bei uns auch nicht, weil Rahmenbedingungen und betriebswirtschaftliche Aspekte nicht passen.
Thomas Schmitt: Bei der Frage würde ich noch mal bleiben. Weil Recycling, Du sagst, das gilt ja eigentlich, so nehme ich das auch wahr, gesellschaftlich schon als Konsensziel, ne. Also jeder ist sich einig, das wär eigentlich eine gute Geschichte. Warum ist es dann aus deiner Sicht, ja, Du bist nicht Unternehmer, sondern Angestellter Geschäftsführer, aber ich sag trotzdem mal aus deiner unternehmerischen Perspektive, wieso ist es trotzdem immer schwieriger, echte Kreislaufsysteme wirtschaftlich zu betreiben? Also haben wir 'n Problem, dass der Konsument nicht bereit ist, höhere Kosten zu tragen? Haben wir 'n Problem, dass Neuware einfach viel zu günstig, aus welchen Teilen der Erde auch immer, auf den Markt kommt und wir dort reagieren müssen? Wo ist aus deiner Sicht, wo sind die Hebel, dann auf wirklich zu wirtschaftlich funktionierenden Kreislaufsystemen, vor allem im Bereich des Kunststoffs zu kommen? Im Papier, glaube ich, sind wir da 'n gutes Stück weiter, so ist meine Beobachtung. Im Kunststoff, glaube ich, sind wir da noch 'n gutes Stück davon entfernt. Wo sind aus deiner Sicht da die Hebel?
Axel Möhring: Na ja, da kann sich jeder selber fragen. Du stehst im Supermarkt und siehst das Produkt und auf dem einen steht, nachhaltige Verpackung kostet 80 Cent mehr. Ich bin mir sicher, dass 90 Prozent der Menschen zum günstigeren Produkt greifen, weil sie eben nicht bereit sind für die Nachhaltigkeit, den Umweltschutz, den man gerne im privaten Bereich gerne propagiert. Ja, ich bin dabei, ich mach überall mit. Am Ende wird das billigere Produkt gekauft. Und das trifft mich genauso. Wenn wir hier 'n Granulat erstellen, hochwertig, das ist tipptopp, das ist entstaubt, da siehst Du nichts dran, es sieht aus wie dran. Es sieht aus wie Neuware. Damit gehe ich an den Markt und der nächstbeste Kunststoffproduzent, den ich anspreche, verweist auch seinen Einkauf und sagt, na ja, regelt der Einkauf. Die ganzen soften Faktoren, die kann ich gar nicht spielen. Es kommt einfach der harte Faktor des Geldes und ich bin auf das Kilo bin ich irgendwo im Neuwarebereich. Und dann sagt jeder vernünftige Mensch leider auch im Einkauf, der wird natürlich nicht gemessen darin, dass er günstig einkauft. Ich wähle das günstigere Produkt oder das für mich bessere Produkt, weil es keine Störstoffe enthält. Denn im Recycling kannst Du's immer haben, dass vielleicht mal was reingerät. Das kann 'n Stück Metall sein, 'n Stück Holz, dann verstopft sone Maschine, 'n Filter geht kaputt. Das ist die Konsequenz, die aber keiner in der Produktion tragen will. Also der Einkauf, der Preis entscheidet das, was wir tun. Und also ich kenn im Supermarkt niemanden, der bewusst das Teurere kauft, nur weil grün oder nachhaltig oder regional draufsteht. Das sind nur einige wenige, die das kaufen. Und die Problematik, die ich da auch sehe, die also mit der kämpfe ich auch. Wir berechnen auch CO₂-Footprints bei uns. Und die kannst Du mit mit der Grundlage von 80 Datenbanken rechnen und jeder bekommt was anderes raus. Ist gar nicht nachprüfbar. Ich kann auf meine Homepage morgen schreiben, wir sparen im Jahr so und so wie zigtausend Tonnen CO₂. Dann steht das da erst mal. Ist gar nicht nachprüfbar. Und das das wurmt mich in der Tat, weil die Betriebe wie wir, die es wirklich transparent machen, die verlieren immer gegen die Betriebe, die das einfach raushauen und drauf schreiben, wir sind unfassbar grün. Es ist auch 'n Marketing Slogan. Greenwashing ist zwar negativer Begriff, aber es ist in der Tat so. Jeder kann aus seiner Packung schreiben, was er möchte. Er darf nicht lügen, aber man kann es ja framen. Und das finde ich einfach schade, es liegt mir fern, es ist nicht nachprüfbar. Es verwirrt auch die Bevölkerung, ist genau wie vor Jahren im im Thema Tierschutz. Ja, welches Fleisch ist besser? Nachhaltiges Fleisch, Fleisch, was in 'ner bestimmten Aufzucht ist mit bestimmten Futter, das kannst Du nicht nachprüfen und da sind wir eben auch.
Thomas Schmitt: Und im Zweifel hat man sein eigenes Siegel erfunden und das Fleisch draufgeklebt. Ja. Also wirkte das auch gut.
Axel Möhring: Gab's schon sohauf schon, ja.
Thomas Schmitt: Bedeutet aber auch, wenn ich dich richtig verstehe, der Preis ist letztendlich schon, ich sag mal, der alles entscheidende Hebel, sowohl was die Neuware angeht, als auch was, ich sag mal, die Kaufbereitschaft des Konsumenten angeht. Nachhaltig gerne, aber im besten Fall kostenneutral.
Axel Möhring: Der Preis ist der absolute Faktor. Es gibt wenige Firmen, die sind wirklich auf dem auf dem, ich nenn's mal grünen Weg, die sind auch bereit zu investieren, denen die investieren in die Zukunft. Die wissen, dass wir irgendwann da landen werden, dass wir recycelte Ware nutzen müssen. Und wir sehen's ja jetzt schon, Globalisierung hin oder her. Ich find das toll. Ich bin Europäer durch und durch. Ich bin froh, dass ich meinen Pass fast gar nicht mehr brauche aus. Ich reise ins außereuropäische Ausland. Aber Globalisierung heißt eben auch, dass wir bei uns Fähigkeitslücken haben. Wir wir geben Sachen ab und eine, die wir gar nicht abgegeben haben, die wir nie hatten, sind Rohstoffe. Wir haben nur wenige Rohstoffe in Deutschland. Wir können den Stromleitungsausbau gar nicht so bewerkstelligen ohne ohne Rohstoff. Wir können keine Batterien bauen in dem Maße, außer wir entwickeln neue Konzepte. Aber wir sind ja gebunden. Wir sind da eigentlich gezwungen, dass wir die Rohstoffe, die wir hier im Kreislauf haben. Und das ist eine ganze Menge. Wir haben Batterien im Kreislauf, wir haben PFAS im Kreislauf, Papier, PP PE, wir haben eigentlich alles, was wir brauchen im Kreislauf. Aber wir fahren das auch ins Ausland. Wir bringen Autos, Schrottautos nach Afrika, nach Asien. Wir geben wertvolle Ressourcen ab und wir kümmern uns nicht drum. Und die Menschen haben noch nicht begriffen, dass die Ressourcen, die wir hier haben und die wir jetzt abgeben oder die wir uns nicht kümmern, die sind weg. Und wenn die weg sind, sind auch die Firmen weg, die sich darum kümmern. Wir sind hier willig stabil. Wir sind gesund. Wir sind 'n Mittelständler. Hier arbeiten alle an einem Strick. Wir ziehen alle am gleichen Strick. Aber wenn es jetzt heißen würde, wir können keinen Kunststoff mehr hinten raus absetzen, dann können wir vorne auch keinen mehr annehmen. Dann stehen unsere Maschinen still. Mhm. Und wir müssen uns schon quälen, Kunststoff nach hinten wirtschaftlich zu verkaufen. Vorne ist im Prinzip genug da, weil damit werden wir überrollt. Er ist ja am Markt da, aber nach hinten raus will ihn nicht jeder haben.
Thomas Schmitt: Ja, das ist ganz spannend, dass Du das sagst, weil ich ich denke es auch oft. Da gibt's immer diese plakativen Bilder, Plastik im Meer, ganz fürchterliche Bilder. Aber natürlich, das Plastik muss irgendwo herkommen. Das ist ja da nicht sozusagen hergestellt worden. Und Logo, wenn dann Recyclingkapazitäten an der einen oder anderen Stelle zurückgehen, nicht mehr im notwendigen Maße vorhanden sind, dann muss der Abfall irgendwo anders hin, recycelt zu werden. Und ob man dort dann immer besser mit ihm umgeht, steht wahrscheinlich noch mal auf 'nem ganz anderen Blatt. Jetzt hört man das schon 'n bisschen auch bei dir raus. Du positionierst dich sowohl zum Thema Recycling als auch zu generelleren Themen sehr klar. Du hast es selber angesprochen, LinkedIn find ich hochinteressant, weil ich es immer mag, wenn eine Haltung erkennbar ist. Wir wollen das Fass nicht zu groß machen, aber in den aktuellen Rahmenbedingungen, die Du hier beobachtest, siehst Du darin auch tatsächlich ein grundsätzliches Problem für unternehmerisches Handeln in unserem schönen Land?
Axel Möhring: Ja, und ich glaube, ein sehr ernstes. Wir sind ja nun in Deutschland kein Ermöglicher mehr. Deutschland ist in vielen Bereichen zu 'ner Art Verhinderer geworden. Deutschland bezogen, aber auch europäisch bezogen. Hohe Energiepreise, viel Bürokratie, langsame Verfahren. Wir haben zu wenig Bewusstsein zur Wirtschaftlichkeit in politischen Entscheidungen. Ja, da wird oft entschieden, ohne den Mittelstand die Wirtschaft zu fragen. Also das beste Beispiel sind die 1000 Euro. Das also noch mal, das zahlt hier jeder gerne. Ich hab einen wirklich großzügigen Chef und das bin ich, glaube ich, auch. Es geht auch da nicht, habe ich auch gesagt, bei LinkedIn nicht das Geben. Es geht darum, dass hier über den Kopf der Unternehmer entschieden wird, zahlt ihr mal die 1000 Euro. Ja, ist zwar steuerfrei, der Staat verzichtet, ja, hurra, aber die 1000 Euro kommen aus eurer Kasse. Und das ist BWL Klasse 1. Grundschule, was was ich unten ausgebe, muss ja oben irgendwo reinkommen, sonst gebe ich's aus meinem eigenen Portemonnaie aus. Und diesen moralischen Druck zu erzeugen auf die Unternehmer, finde ich unterste Schublade. Das macht man nicht. Also das ist wie der berühmte Satz von der Party, die ich bestellt hab, aber der andere muss das dann muss das dann bezahlen. Und man kann die Wirtschaft nicht permanent belasten und gleichzeitig erwarten, dass wir die Transformation oder die die die Veränderungen finanzieren. Das das funktioniert nicht. In Deutschland ist immer entwickelt worden. Und aktuell erlebe ich das so, dass wir in 'nem Status quo verharren, dass keiner so richtig den nächsten Schritt tut. Ich tu mich da auch unwahrscheinlich schwer mit. Wir haben jetzt vor 'n paar Wochen einen Elektroradlader bestellt. Den kostet 400.000 Euro. Elektro, super. Ja. Hier in der in der Firma 'n bisschen Gegenwind, weil die Jungs draußen sagen, huhu, geht das überhaupt, Elektro tanken. Wir haben Photovoltaik, kein Ding. Aber schafft er den Tag, muss ich 'n Zwischenladen und so weiter. Das sind so die Sachen, mit denen sich die Jungs draußen befassen. Ich muss rechnen, lohnt sich der Invest von 400.000 Euro gegenüber einem Dieselradlader und auch zukünftig. Ich muss ja überlegen, was ist in 2 Jahren? Sind wir wie in Amerika, wo das von Schwarz nach Weiß wechselt oder sind wir hier konstant auf 'nem Weg? Und den den sehe ich nicht, weißt Du? Ich hab unfassbar viel Respekt vor der Zukunft, weil ich nicht weiß, wo ich im nächsten Jahr stehe. Privat weiß ich das, ja. Aber von der Firma her weiß ich nicht, wo wir im nächsten Jahr stehen. Geht's bergauf, weil Recycling explodiert? Geht's bergab, weil auch noch die Straße von Hormus auf einmal gesperrt wird und wir keine Erdöl und kein Gas mehr kriegen, ja, dann dann gehen hier in Deutschland nicht die Lichter aus, aber dann wird es noch teurer. Und hier draußen laufen Maschinen, die brauchen viel Strom, die brauchen Diesel. Heute müssen zur Arbeit kommen, im Winter müssen die zu Hause heizen. Das macht mir in der Tat schon Sorge. Ich bin kein Schwarzmaler, aber mir fehlt so die die die Planbarkeit. Also ich weiß nicht, ich sag immer, bei der Marine sind wir früher auf Sicht gefahren, wenn wir Nebel hatten. Wir haben das Horn gezogen, ja, und wir waren da, man hat uns bemerkt. Aber das war Nebelfahrt. Man fuhr langsam und man wusste nicht so genau, was kommt nach der, ja, da bin ich auch grad drin. Es ist es ist viel Dunst draußen, viel Nebel, ist keine Klarheit da. Politisch nicht. Das macht mir wirklich auch viel Bauchschmerzen, weil ich ich ich will nicht, dass die Idioten von der AfD dann irgendwann in Berlin sitzen. Aber ich sage auch ehrlich, ich tu mich unwahrscheinlich schwer, die etablierten Parteien zu wählen. Ich wähle die, ja, bitte nicht falsch verstehen, aber ich hab 2 geschlossene Fäuste in der Hosentasche, weil ich sie eigentlich nicht wählen möchte. Aber ich tu's trotzdem.
Thomas Schmitt: Ja, die Diskussion könnten wir mit Sicherheit noch deutlich ausführen. Ich will noch mal auf den generelleren Punkt kommen. Ich glaube zu beobachten, aber das ist vielleicht auch eine sehr singuläre Beobachtung, dass es immer mehr Führungskräfte und Unternehmerpersönlichkeiten gibt, die aufgrund der aktuellen Situation Haltung zeigen. Dennoch sind's nach meiner Wahrnehmung immer noch eher, es ist eine kleinere Gruppe, es ist nicht die Mehrheit. Jetzt würde mich mal interessieren, welche Erfahrungen Du damit gemacht hast, Haltung zu zeigen, und zwar sowohl intern im Unternehmen haben da alle gesagt, Mensch, Axel, endlich sagt's mal einer oder gab's da auch so Stimmen, wo gesagt haben, Axel, Mensch, musst Du dich denn zu den Themen äußern? Hast Du nicht genug zu tun? Und dann natürlich auch, man hat mit Kunden zu tun, mit Lieferanten zu tun, man hat Ansprechpartner aus der hiesigen Lokalpolitik, wenn man vielleicht 'n Windrad bauen will, wie Du gesagt hast. Es gibt eine Öffentlichkeit, eine Presse, auch hier im Münsterland. Wie wie sind da so deine Erfahrungen mit dem Haltung zeigen? Also gibt's Momente, wo Du dann dasitzt und denkst, oh, ey, warum bin ich den Weg gegangen, ja, wär ich mal besser still gewesen? Oder sagst Du, nee, eigentlich durchweg mache ich nur positive Erfahrungen mit der Tatsache, dass ich irgendwo Haltung hab, Ecken und Kanten zeige und im Zweifel reibt sich halt mal jemand dran?
Axel Möhring: Also die Frage treibt mich immer wieder Ich darf da meine Frau lobend erwähnen, das ist 'n guter Spiegel für mich. Also wir gehen Radfahren mit den Hunden spazieren und besprechen über so was. Meine Frau ist auch oft genervt und bremst mich. Jemand daneben gibt's auch Stimmen, die sagen, ha, also sicher, dass Du das so sagen und schreiben willst, aber Haltung zeigen ist anstrengend, aber notwendig. Und als Unternehmer stehst Du halt immer im Blickpunkt, na klar, wenn ich hier meine Meinung raushaue, Leserbrief, Schützefest Zeitung, dann muss ich damit rechnen, dass in der nächsten Entscheidung im Stadtrat vielleicht gegen mich entschieden wird. Oder dass die Eltern meiner Fußballjungs sagen, oh, also was der Axel da gesagt hat, ich glaub, der wählt AfD. Na ja, damit muss ich halt rechnen. Ich hab auch schon bitterböse Briefe bekommen, weil ich mich bei uns im Dorf engagiere, dass wir einen Schulneubau bekommen und ganz einfache Geschichte schnell erzählt. 2 Dörfer, beide haben eine Dorfschule und beide Schulen sind nicht mehr modern, die müssen erneuert werden. Und beide Dörfer im Kern kämpfen für eine eigene Schule. Und ich hab mir angemaßt zu sagen, Leute, reißt beide Schulen ab und baut zwischen den Dörfern eine neue Schule. Ganz einfach. Aber ich hab so viel Gegen mitbekommen, ich hab bitterböse Briefe bekommen, was ich mir anmaße als Zugezogener. Ich komm nicht, also ich wohn ein Dorf weiter, ja. Ich bin mal, bin auch noch Protestant und nicht katholisch im Münsterland. Also was ich mir anmaße, als Zugezogene dazu Stellung zu beziehen und
Thomas Schmitt: Die alte Geschichte. Alle wollen Veränderung. Keiner will, dass sich was bei ihm verändert.
Axel Möhring: So und wir wir leben ja in der Zeit, wo Du sofort in eine Schublade gesteckt wirst. Wenn Du Klartext sprichst, bist Du unbequem, ne. Ich glaube aber, dass sich Unternehmer einfach stärker einmischen müssen, weil Unternehmer halten nicht das Land am Laufen, aber sie sind ein entscheidender Faktor. Die sind mutig gewesen, auch mein Chef noch mal. Mit Mitte 20 hat er 'n siebenstelligen D-Mark-Bereich aufgenommen und hat was gekauft und hat das weiterentwickelt. Das macht er jetzt seit fast 30 Jahren. Und Du siehst ja, was hier draußen steht. Und der kommt nicht ausm Schloss oder hat im Lotto gewonnen. Das hat er alles selber erarbeitet. Und der kann sich durchaus anmaßen, dass er was sagt. Und dass er das tut er auch, genau wie ich. Nur ich mach das vielleicht noch noch häufiger, noch noch noch deutlicher. Und ich mein, wir haben ja auch Verantwortung für die Menschen, die wir hier beschäftigen, für Investitionen, für den Standort. Und daher haben wir auch das Recht, dass wir uns politisch kritisch auch äußern. Und ich polarisiere ja, ich bekomme Zuspruch vor allem von Menschen, die auch sagen, endlich spricht da mal jemand und sagt, was er denkt. Und klar kommen auch die anderen, die dann den Zeigefinger heben und die Moralapostel sind. Aber noch mal, mir liegt nichts daran, politisch extrem zu werden. Ich bin weder links, ich bin nicht rechts, ich bin wirklich in der in der bodenständigen Mitte. Da bin ich vielleicht 1, der im Strom schwimmt. Ich will nicht irgendwo ins Extreme abrutschen, aber ich möchte meine Meinung sagen dürfen. Und das, was heute, das muss ich ehrlicherweise sagen, was heute konservativ ist oder Entschuldigung, was was früher konservativ ist, ist heute rechtsextrem oder populistisch. Und das ist doch das ist doch falsch. Warum darf ich nicht sagen, dass ich die Energiepreise unverschämt teuer finde? Warum darf ich nicht sagen, dass die Überlegungen im aktuellen Krankensystem falsch sind? Warum darf ich nicht sagen, dass ich zum Beispiel gegen Bürgergeld bin? Ich darf das sagen, ich bin ja Bürger, ich bin Steuerzahler und ich zahle auch nicht wenig Steuern. Ich bin bereit, ich zahle meine Steuern gerne für Fußballvereine, für Straßen, für Schulen, für Krankenhäuser, auch für Politikergehälter. Ich möcht den Job nicht machen, sag ich dir ganz ehrlich. Ja, aber ich bin bereit zu zahlen, aber dafür fordere ich auch. Und Friedrich Merz ist unser oberster Dienstleister in Deutschland. Ja, der bringt einen Dienst für Deutschland. Der wird für seinen Job schlecht bezahlt. Wollen viele nicht hören, aber der führt 80 Millionen Menschen, ein unfassbares Portfolio an Fähigkeiten. Aber er muss eben auch als Dienstleister entscheiden für uns in Deutschland und dazu gehören wir alle. Dazu gehören Kindergärten, Krankenhäuser, Unternehmen, ja, alle. Und ja, Haltung zeigen tut weh, stört auch viele, auch meine Familie manchmal, wenn ich das deutlich sage auf Geburtstagen, auf Hochzeiten, auf Feierlichkeiten, wo ich stehe, dann sagt meine Frau mal nachher oft im Stillen, das hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen. Und ich könnte öfter mal den Mund halten, aber ich möchte das nicht, Thomas.
Thomas Schmitt: Das ist gut. Nochmal, ich finde das gut. Ich finde, es ist gut, wenn wir Meinungen klar aussprechen und ich persönlich, die Bemerkung erlaube ich mir, ich kann keine politischen Talkshows mehr schauen, weil eben dort nur noch rumgeschwurbelt wird und und keiner mehr wirklich klare Dinge anspricht, ja. Also ich will in die politische Diskussion nicht rein, aber also die staatliche Rente ist am Ende nur eine Basisabsicherung und jeder, der was anderes behauptet, sagt den Bürgern nicht die Wahrheit. Und das wissen wir auch schon seit 20 Jahren und trotzdem wird noch 'n riesen Ballyhoo rumgemacht, wenn der Kanzler dann so was sagt, man kann zum Kanzler stehen, wie man will. Da bin ich auch mit ganz vielem nicht so wirklich glücklich, aber das war halt nun mal eine ehrliche Aussage und dann wird da aber natürlich 'n Fass draus gemacht. Und so motiviert man natürlich auch, finde ich, weite Teile der Gesellschaft einfach auch nicht mehr Farbe zu bekennen. Weil wenn Du dann Farbe bekennst, dann wird nicht über die Sache diskutiert, sondern oh, das stimmt ja nicht und alles ganz fürchterlich. Also das ist tatsächlich, glaube ich, keine gute Entwicklung.
Axel Möhring: Also wenn Du schimpfst, musst Du irgendwann auch Lösungen präsentieren und auch leisten. Und Nummer, ich komm vom Dorf, mein Schwiegervater, mein Schwager haben einen Bauernhof. Wenn ich da 'n ganzen Tag aufm Hof schimpfe, dann kann sein, dass mein Schwager mir sagt, jetzt musst Du mal 'n Hänger rückwärts einparken. Du bist nur am nörgeln, jetzt jetzt zeig mal, was Du kannst. Und das ist ganz einfach. Also in den Talkshows, die Du grad erwähnt hast, sind viele Leute, die aus der puren Theorie kommen, tolle Vorschläge. Aber am Ende fehlt vielleicht die Umsetzung, auch das Wissen. 'N Vorschlag, eine Idee kann jeder haben. Aber haben wir auch aufm Dorf, wir haben genug die den Arm nehmen und sagen, tolle Idee. Dann fragt man, wer macht es denn jetzt? Wer setzt das jetzt Dann gehen die Hände alle runter. Ich muss Rasen mähen. Meine Frau hat Geburtstag. Die Kinder sind krank. Alle haben 1000 Ausreden. Es ist ja keiner bereit, über das normale Maß was zu tun. Und da vielleicht mal ganz nebenbei, ist kein Thema hier, aber ein Hoch aufs Ehrenamt. Also was wären wir ohne Ehrenamtler? Keine Feuerwehr, ja, keine Jugendtrainer, keine Schützenvereine, egal was, ne. Das machen die Menschen auch neben ihrem normalen Beruf, neben ihrer normalen Arbeit, neben der Familie, neben dem Garten. Funktioniert schon. Aber die Leute, die nun gar nichts machen, das ist vielleicht auch 'n Problem in der Gesellschaft, egal ob wo die herkommen. Ist mir, ist nur jetzt egal, wo die herkommen, ja. Aber eine Beteiligung am Leben, an der Gesellschaft, das ist schon gut, eine Teilhabe auch politisch, sich zu engagieren, dafür zu sorgen, dass es in die richtige Richtung geht. Super.
Thomas Schmitt: Gutes Plädoyer, Ehrenamt sich einbringen. Wir wollen zurück sozusagen 'n bisschen aufs Thema kommen. Wir haben kurz über das Thema Haltung gesprochen, über die Frage, wie auch das Feedback auf Haltung ausfällt. Wir haben davor über Entwicklungen gesprochen, über politische Rahmenbedingungen, die das Wirtschaften und das profitable Wirtschaften in der Recyclingbranche schwer machen. Wenn wir uns jetzt diese Entwicklungen noch mal vor Augen führen, Energiepreise hast Du angesprochen, Regulatorik hast Du angesprochen. Wenn Du das jetzt mal aus der Brille der Energenta siehst, welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen denn auf euch, auf Investitionsentscheidungen, Innovationsbereitschaft und vielleicht auch langfristige Planung? Du hast gesagt, bisschen ja wie früher Nebelhorn, ne. Wir fahren auf Sicht. Das heißt, kann man noch langfristig planen? Weil es braucht ja nach meiner Überzeugung eine halbwegs verlässliche langfristige Planung, auf deren Basis ich dann entscheiden kann zu investieren, in Innovationen reinzugehen, ins Risiko zu gehen. Wie gut funktioniert das heute noch? Und wo funktioniert's vielleicht auch nicht mehr?
Axel Möhring: Also wenn jetzt morgen Weihnachten wär und Du fragst mich, was wünschst Du dir, damit Du planen kannst, dann sage ich dir, wünsch mir verbindliche Rezyklatquoten. Ja, ich wünsch mir 'n fairen Wettbewerb. Ich wünsch mir ein Verbot von Billigimporten aus Asien. Und dann sind wir schon 'n ganzes Stück weiter, denn dann muss der deutsche Markt reagieren. Dann klingelt das Telefon hier und dann dann sagen die Einkäufer, oh Herr Möhring, ich brauche Rezyklate. Ich ich brauche Kunststoff, der der schon mal in der Tonne war. Man kann nicht sagen, super. Und wenn ich dann weiß, dass die politische Konstanz da ist, dass die nächsten 5 oder 10 Jahre die Billigimporte verboten sind und Rezyklatquoten gefordert sind, dann kann ich viel sicherer investieren. Also wir investieren immer noch, weil wir noch mal, weil wir gesund sind, weil ich 'n Gesellschafter hab, der sagt, ich ich vertraue dir, ich vertraue dem Markt. Und weil wir sehr, sehr breit aufgestellt sind. Nochmal, wir machen von Boden und Stein und Glas und Papier bis Kunststoff. Wenn ich nur Kunststoff machen würde ohne Ersatzbrennstoff, ich glaube, ich würde ab morgen nicht mehr investieren, weil ich gar nicht wüsste, wo rein. In Pyrolyse? Will ich aus Kunststoff Öl machen? Will ich ihn farblich sortieren? Will ich ihn nach nach nach Kunststoffart sortieren? Will ich ihn waschen? Will ich ihn nur zerkleinern? Bekomm ich das abgesetzt? Oder ist der bulgarische Recycler, der nicht schlechter, aber günstiger ist, ist der erfolgreicher? Und das ist die Unsicherheit, die ich hab. Ich hab keine keine Planbarkeit. Ich hab auch aktuell keine Aussicht, dass sich Bürokratie reduziert oder dass in Nordrhein Westfalen oder auf Bundesebene die die Kreislaufwirtschaftsstrategie, dass die mal durchschlägt, umgesetzt wird. Ich wüsste nicht, wann. Und wir lesen hier viele Fachmedien, ja. Ich informiere mich, ich ich geh auf Veranstaltungen, aber ich hör überall das Gleiche. Ich weiß nicht, was was jetzt nächste Woche passiert. Und wenn Du mich fragst, was in 3 Jahren ist, kann ich sagen, in 3 Jahren bin ich 51, weil wenn der Frau noch verheiratet, wir wohnen zu Hause, meine 3 Kinder sind noch immer da. Aber wo wir jetzt hier stehen, ob wir dann immer noch Recycling machen oder nur noch Brennstoff, das weiß ich nicht. Das weiß ich wirklich nicht, Thomas. Und deswegen, wenn Du wenn Du mir jetzt sagst, kauf nur einen Schredder und mir jetzt anbietet, ich sag, aber kostet ja 500.000 Euro. Muss ich sagen, okay, 500.000 Euro mit der Infrastruktur, dann bin ich bei 700.000 Euro Stillstand der alten Maschine, 800.000 Euro. Dann ist das Gute, das aktuelle Förderprozess, wirklich viel Lob für die Bundesregierung. Das ist vereinfacht worden. Also ich bekomme schon einen ordentlichen Zuschuss, wenn ich in nachhaltige Maschinen, energiesparende Maschinen investiere. Aber wir ziehen von 800.000 Euro 200.000 Euro ab.
Thomas Schmitt: Ziehst Du noch 600.000 Euro?
Axel Möhring: Wir haben das 600.000 Euro fürn Mittelständler, einfach auch 'n Batzengeld und ich hab eine Verantwortung. Ich weiß nicht, ob mir die 600.000 Euro im nächsten Jahr vielleicht fehlen, wenn die Kurve noch weiter runtergeht. Mhm. Und Betriebe, die schon im Rücken an der Wand stehen, wie einige Recycler, die nur Recycling machen, die sind mit ihren Ausgaben ganz vorsichtig, ganz, ganz mutigen. Die investieren, die hauen raus. 50 Prozent klappt, 50 Prozent klappt nicht. Also das mal einfach ganz plakativ zu sagen. Und wir investieren schon, wir investieren hier in elektrische Maschinen. Wir haben im letzten Jahr 'n neuen Schredder gekauft. Wir erweitern uns. Wir investieren in Fortbildung. Wir besuchen Messen. Wir besuchen Seminare. Also da ist schon noch eine Menge, was wir tun. Aber ich seh jetzt nicht unbedingt, dass sich das steigern wird, ne. Also noch mal keine Angst, aber schon eine große Unsicherheit.
Thomas Schmitt: Vielen Dank. Axel, Blick auf die Uhr. Wir kommen langsam auf die Zielgerade. Jetzt hast Du schon 'n bisschen Punkte genannt, was sich nach vorne hin geblickt eigentlich ändern müsste, damit Recycling nicht mehr nur politisches und gesellschaftliches Wunschbild bleibt, sondern wirtschaftlich tragfähige Realität wird. Verbot von Billigimporten, verbindliche Rezyklatquoten. Gibt's noch weitere Punkte, wo Du sagst, das müsste sich eigentlich ändern? Und Zusatzfrage, vielleicht auch mal auf die Branche selber geschaut. Wo müssten vielleicht auch aus deiner Sicht die Unternehmen noch das ein oder andere tun, zu diesem Zielstadium, was wir jetzt grade hier diskutiert und besprochen haben, zu kommen? Also wo siehst Du vielleicht auch die Unternehmen ein Stück weit noch in der Pflicht, wo Du sagst, ja, Rahmenbedingungen ganz wichtig, da muss sich vieles ändern, aber in dem oder dem Bereich müssen vielleicht auch wir in der Branche, Ausnahmen bestätigen die Regeln, Du weißt, wie ich's meine, aber wo müssen vielleicht auch wir in der Branche noch die ein oder andere Transformation oder Veränderung vornehmen, dass es klappt?
Axel Möhring: Du meinst, die gesamte Industrie oder nur die Recyclingindustrie?
Thomas Schmitt: Recyclingindustrie.
Axel Möhring: Die Recyclingindustrie. Wir müssen immer noch weiter brutal transparent werden, dass die Leute sehen, was wir hier tun, dass eben kein Abfall mehr nach nach Osteuropa gefahren wird. Also wir haben Regulatorik, die uns beschränkt und das ist auch zu Teilen sehr, sehr gut. Das muss eben auch kommuniziert werden. Also wir können uns besser vermarkten, ja. Wir werden nicht das Apple werden der Recycling, ja. Aber wir können uns schon anders darstellen. Transparenz, Ehrlichkeit, tja, was können wir noch tun? Also uns bleibt nicht viel übrig, als darauf hinzuweisen, immer wieder, das tue ich auch privat, dass Recyclingentsorgung ein Kernpunkt ist in Deutschland und auch in der Gesellschaft. Und ich kämpfe dafür auch eben auch privat auch als Unternehmer oder als als Geschäftsführer, dass ich auch auch Fragen stelle im Freundeskreis. Was bist Du denn persönlich bereit zu opfern für die Nachhaltigkeit, für den Kreislauf? Und ich bin im Circular Valley. Ich bin mit Carsten Gerhardt da immer in der Diskussion. Das ist der Gründer vom Circular Valley. Und Carsten vertritt eben den Leitsatz, protect the environment, grow the economy. Hier stehe ich voll hinter. Aber ich glaube, es ist aktuell am Anfang noch 'n Widerspruch. Umwelt können wir schützen. Ob wir aber auch sofort damit in der Wirtschaftlichkeit erfolgreich sind und vom Ergebnis her steigen, das glaub ich nicht. Ja, wir gehen jetzt grad 'n Schritt zurück, aber wir nehmen Anlauf. Aber ich glaube, es ist unumgänglich, dass wir 'n Schritt zurückgehen müssen, auch in der Gesellschaft. Das heißt vielleicht, 'n Euro Stundenlohn weniger. Ein Urlaub vielleicht weniger. Nicht mehr 40 Süßigkeitensorten im Supermarkt, sondern nur 20 Süßigkeitensorten im Supermarkt. Also ich ich will ja auch nicht in der Höhle leben. Also Jäger und Sammler wieder sein, wie in der Steinzeit. Aber ich bin schon der Meinung, dass uns allen wirklich bewusst sein muss und das muss ich den Leuten auch vorhalten, wir können das nicht alles schaffen, indem es genauso so weitergeht. Also wir haben unfassbar große Herausforderungen, egal wo in welchem Segment in Deutschland. Und ich sprech für die Entsorgung fürs Recycling. Wenn wir das wirklich bewusst machen wollen, dann müssen wir uns überall reduzieren. Das fängt bei dem Fahrrad an, mit dem ich zur Arbeit fahren kann, ja. Bei dem, was ich kaufe, ob ich's beim Buchladen vor Ort kaufe oder beim Supermarkt vor Ort. Jeder kann ja an sich selber arbeiten. Und das ist 'n gesellschaftliches ja, Problem, es ist eine Herausforderung. Ist 'n bisschen philosophisch, kulturell bedingt, ja, wir müssen uns als Gesellschaft ändern, weil jeder will vorankommen. Jeder erwartet das von sich selber, von seinen Kindern, dass man erfolgreich ist. Deswegen heißt das alles nur Aufstieg, steigende Kurve. Überall steigende Kurve. Und ich bin mir sicher, dass wir die Umwelt schützen können, nachhaltig werden können, eine Kreisläufe schließen können. Es dauert, aber es tut auch 'n bisschen weh. Das ist Change Management. Und Veränderung tut immer weh. Eines der besten Beispiele ist das Elektroauto. Es funktioniert. Aber wie viele Leute haben gesagt, geht nicht. Komm ich nicht mit nach München aus Münster? Ich ich nee, auf keinen Fall. Doch, es ist völlig entspannt. Ich kann unterwegs tanken, ich kann mir die Beine vertreten, ich kann kurz telefonieren. Also es ändert sich ja. Und am Anfang war's 100 Kilometer, jetzt sind's vielleicht schon 500, 600 Kilometer Reichweite. Das ist doch super. Aber wir haben erst 'n bisschen verzichtet, weil wir vom Diesel, der 1000 Kilometer fuhr, auch 'n Stromer umgestellt haben, der nur 300 fuhr. Und wir sind in der Freiheit beschnitten worden, 'n bisschen haben wir alle geglaubt, ja. Aber es ist Veränderung und die tut weh. Und das ist 'n gesellschaftlicher Aspekt, den wir in der Industrie nicht in der Hand haben.
Thomas Schmitt: Die Stimmen, die sagen, das funktioniert nicht von Münster bis nach München mit dem E-Auto, die gibt's aber immer noch. Aber ich glaube tatsächlich ist es richtig, am Ende ist es wahrscheinlich 'n Dreiklang. Es wird 'n Stück weit was mit Verzicht zu tun haben, mit der Veränderung von Lebensgewohnheiten. Fleischkonsum mal als als Stichwort jetzt einfach mal in den Raum geworfen und auf der anderen Seite muss jedem klar sein, alles, was ich konsumiere, wird in irgendeiner Form verpackt werden müssen, hergestellt werden müssen. Dabei entstehen Abfälle und deswegen wird Recycling da immer eine ganz zentrale Rolle spielen müssen und entweder wir recyceln's hier oder es wird irgendwo anders auf der Welt recycelt weggeschmissen oder verbrannt. Das war jetzt son bisschen der Blick auf die Industrie, auf die Gesellschaft. Neben den verbindlichen Quoten und dem Verbot der Billigimporte, die Du vorher genannt hast, gibt's noch eine Sache, wo Du sagst, das treibt mich in den Wahnsinn, da sollten wir dringend von der Politik, von der Regulatorik was tun. Oder haben wir eigentlich die Punkte so weit abgefrühstückt?
Axel Möhring: Es gibt noch noch 'n spannenden Punkt. Das ist son bisschen das Incentive oder die Incentivierung. Was motiviert Menschen, sich zu beteiligen im Kreislauf? Bei der Pfandflasche ist es der Pfand. Ich bring die Flasche zurück und bekomm dafür, ich weiß es gar nicht 25 Cent, ja. 25 Cent für eine Plastikflasche. Also was ist das Incentive, dass ich meinen Kühlschrank hier auf den Hof bringe? Das kann ich umsonst abgeben, aber ich muss ihn halt ins ins Auto packen. Was ist das Incentive, dass ich meine Schuhe vielleicht wieder dahin bringe, wo Schuhe gesammelt werden oder meinen alten Füller ins Bürogeschäft gebe und das dort abgebe? Die Menschen müssen ja, leider müssen sie motiviert werden. Motiviert werden kannst Du über über Geld, ist das Allereinfachste oder über eine über die Aussicht auf eine bessere Zukunft. Wenn ich Kinder motivieren will, denen darf ich sagen, wenn wir das machen, dann ist unsere Welt, die ist bunter, die ist toller, schöner, sie lebt noch 500 Jahre. Erwachsene motivier ich leider nur über Geld vielleicht oder über Konsequenzen. Ja, Strafen, Bestrafung. Das will ich auch nicht, Thomas. Aber die grundlegende Frage ist, wie incentiviere ich die Gesellschaft, sich am Kreislauf zu beteiligen? Und leider ist die Frage da, aber ich hab auch keine Antwort. Es gibt vielleicht da viele Antworten, wie ich das wie ich das tun könnte. Aber das ist halt auch noch son son Punkt, über den ich oft nachdenke. Also was motiviert mich oder auch meine Kinder, einen Mehrwegbecher zu nehmen anstatt dem anderen Colabecher bei McDonald's? Ich geh da auch hin, hab da kein Problem mit. Was motiviert mich, die Pfandflasche aus Holland in Deutschland zu sammeln und dann irgendwann zurückzubringen oder sie im gelben Sack zu werfen in Deutschland, ja? Also man ist ja oft auch faul und bequem. Absolut. Weißt Du, Kreislaufwirtschaft ist ja keine, das ist ja keine Romantikveranstaltung, Kreislaufwirtschaft. Weder im Kleinen noch im Großen, das ist harte industrielle Realität, Kreislaufwirtschaft. Und wenn Deutschland, wenn wir daran scheitern, dann verlieren wir nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich. Also Kreislaufwirtschaft ist unumgänglich. Und wir müssen eben auch davon weg, dass wir immer den moralischen Finger heben, also vielleicht 'n bisschen weniger weniger Moral, mehr Machbarkeit. Das sind so, weiß ich nicht, was mir so im Kopf immer immer umherschwebt, mehr Pragmatismus. Und Du hast von den Talkshows gesprochen, da sieht man das jeden Abend in in diversen Formaten. Erhobene Finger und ja, aber wenig wenig Handfestes.
Thomas Schmitt: Da
Axel Möhring: sehe ich keinen hochgekrempelten Ärmel und sagt, wir packen das morgen mal an. Seh ich nicht, ja.
Thomas Schmitt: Vielen Dank, Axel. Ich muss sagen, das war ein sehr offenes, sehr klares Gespräch voller Haltung und Klarheit. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen und ich sage vielen, vielen Dank für die Zeit, die die Du genommen hast und vielen, vielen Dank für die Klarheit, mit der Du deine Sichtweisen und deine Haltung hier geschildert hast. Danke dir.
Axel Möhring: Sehr gerne. Danke, Thomas.
Thomas Schmitt: Ja, liebe Hörerinnen und Hörer, ich hoffe, Sie konnten aus der Folge Impulse mitnehmen. Für mich einige wesentliche Punkte heute, der Verbot von Billigimporten vor allem aus Asien, die verbindlichen Rezyklatquoten, aber auch die Gewissheit, dass auch wir als Gesellschaft, als Konsumenten uns werden verändern müssen. An der einen oder anderen Stelle vielleicht Verzicht üben, an der einen oder anderen Stelle raus aus der Komfortzone und an der einen oder anderen Stelle Lebensgewohnheiten verändern. Und wenn wir das machen und die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzt, dann kann Kreislaufwirtschaft zum echten Erfolgsmodell in Deutschland werden. Ich hoffe, dass Ihnen der Podcast gefallen hat. Wenn dies der Fall ist, dann abonnieren Sie ihn gerne, empfehlen Sie ihn weiter. Über eine positive Bewertung mit 5 Sternen auf den gängigen Plattformen freue ich mich sehr. Sollten Sie Feedback haben, Themen oder Gastvorschläge einbringen wollen, schreiben Sie mir gerne über LinkedIn oder über meine Kontaktdaten, die ich in den Shownotes verlinke. Bis zur nächsten Folge von Inside Packaging und denken Sie daran Inside Packaging, weil gute Verpackung nur im funktionierenden Kreislauf ihre Zukunft hat.
Neuer Kommentar